Dienstagnachmittag bei Aldi

Es geschah am Dienstagnachmittag bei Aldi: nur drei Personen noch vor ihr in der Schlange, das Laufband gut gefüllt, die Kassiererin arbeitet schnell: Bing, bing, bing, bing!. Immer wieder: Bing, bing, bing. Aber da geschieht es: Die Frau hält offenbar die Spannung nicht mehr aus, sie greift die noch nicht einmal bezahlte Bild-Zeitung, zieht sie vom Laufband und, ohne sie auch nur aufzuschlagen, verschlingt sie sie gierig,.

Unglaublich

Den Todesanzeigen lässt sich entnehmen, dass es unglaublich viele wunderbare Menschen gibt. Leider scheinen sie alle tot zu sein.
An diese Erkenntnis muss sich natürlich automatisch die Frage anschließen, die das Volk bei jeder erschütternden Wahrnehmung verzweifelt herausschrei(b)t: Warum?

Susis Haarwelt

Eine der Hauptstrategien der Werbung war die Entkonkretisierung des beworbenen Produkts: Man kauft nicht ein banales Schuhband, sondern das Glück. (Man kauft natürlich tatsächlich ein Schuhband. Aber dessen unermessliche Schönheit und Festigkeit bewirkt, dass sich die Schönheit des Schuhbandes auf seinen Besitzer in Form einer über ihm hängenden Aureole überträgt und dieser zudem dank seiner Festigkeit nicht über ein gelöstes, dahinlabberndes Schuhband stolpert und deshalb aus dem Flugzeug fällt oder in ein brennendes Haus stürzt, kurz, ihm alles Unglück erspart bleibt.)
Diese Entkonkretisierungsstrategie scheint so erfolgreich zu sein –  der Kunde ist ja nicht dumm -, dass sie alle anwenden wollen, z.B. auch Susi, die Besitzerin einer Frisierstube. Sie hat deshalb ihren Laden „Susis Haarwelt“ genannt. Allerdings weit entfernt davon, uns anzulocken, hat uns die alptraumhafte Vorstellung sehr erschüttert, dass sich haarschnittbedürftige Kunden mit Susi in einer Welt aus Haaren bewegen. Im Allgemeinen wird ja der Boden der Frisierstube nach dem Schneiden ausgefegt, damit einem die herumliegenden Haare nicht lästig werden, einem in Mund, Nase und Augen fliegen, im Nacken heftigen Juckreiz oder Kratzen auslösen, später auf dem Esstisch ins Getränk und ins Essen fallen. Aber Susi[dropdown_box] gefällt die Vision einer Haarwelt; sie ist so mit dem Haar verwachsen, in ihm zu Hause, dass sie am liebsten alles haarig hätte. Das wäre so ganz ihre Welt.
Als Aufmersamkeitsfänger in der Werbung dient heutzutage überall das Wortspiel. Auch Susi wollte da nicht zurückstehen und hat sich für den Slogan „Immer einen Schnitt voraus“ entschieden. Wir verstehen durchaus den unterschwelligen Hinweis auf Fortschritt, Moderne, der fast immer gut ankommt, obwohl nicht alles, was neu ist, besser ist als das alte, was übrigens auch auf viele Haarschnitte zutrifft, u.a. auf den bei jungen Männern so beliebten Topfschnitt, der allerdings nicht so neu ist, weil wir ihn aus zahlreichen Filmen der NS-Zeit kennen. Aber die konkrete Aussage bereitet uns doch noch erhebliche Schwierigkeiten: Was genau könnte denn dem Schnitt vorausgehen? Eine Glatze? Ein explodierendes Atomkraftwerk? Ein Frisiersessel, der samt dem darauf Sitzenden plötzlich in einem Abgrund versinkt? Nein, wirklich, man mag sich das alles gar nicht vorstellen. Aber Susi soll ja, wie man hört, nichtsdestoweniger eine Seele von Mensch sein. Und bei Wäsche und Haareschneiden sollen ihre Finger sanft über die glücklich prickelnde Kopfhaut gleiten .[/dropdown_box]