Der Drescher

Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn. Herr Merzen, der Bauer, er mäht das Getreide, dann drischt er es aus.
„Es fällt auf, dass die Bundesregierung eine Umverteilung betreibt, die grob zusammen gefasst drei Grundsätzen folgt: Bedürftige sollen sich beschränken. Superreiche und Konzerne werden verschont. Die Mittelklasse verteilt das Gros der Steuereinnahmen unter sich nach dem Motto: wer selbst zahlt, soll auch etwas herauskriegen.“ Cerstin Gammelin (SZ 16.3.18)
Ist das nicht schon die reine Sozialdemokratie? Das ist- so sagt der Dreschflegel –  jedenfalls grottenschlecht. Und es heißt gegensteuern, damit die CDU wieder ein rechtes Profil bekommt.

Lieber Friedrich Merz!
Dass du dir laut FAZ ein Ministeramt zutraust („Ich traue mir ein Ministeramt zu.“), daran haben wir keine Sekunde gezweifelt. Du traust dir sicher noch viel viel mehr zu: Kanzler, König, Kaiser Papst.. Auch wir trauen dir alles zu, aber wirklich alles. Aber dein ,Angebot’, „wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“ und dafür doch tatsächlich deine bisherige berufliche Tätigkeit aufzugeben, solltest du dir noch einmal gut überlegen. Ist es nicht etwas vorschnell, dass du so selbstlos im Dienste der Gemeinschaft auf deine Mittelschicht-Millioneneinkünfte zu verzichten bereit bist, die du aufgrund deiner außerordentlichen intellektuellen Fähigkeiten, deines unglaublichen Fleißes und ein wenig natürlich auch wegen deiner guten Beziehungen zu den führenden Kräften in der Regierung erhalten hast? Ach was, du meinst voller Gottvertrauen, dass Blackrock und die anderen Wirtschaftsunternehmen, für die du tätig warst, dich weiterhin finanziell unterstützen und dafür sorgen werden, dass deine Entscheidung dich nicht plötzlich zwingt, bei der “Tafel” für dein Essen anzustehen, weil sich ja dein Einfluss auf die Entscheidungen der Regierung noch steigern würde und du endlich „an geeigneter Stelle“ dafür sorgen könntest, dass noch mehr „wirtschaftsliberale Inhalte“ eingebracht werden?
Klare Kante! Im Kampf um Stimmen verstehst du es, deutliche Positionen zu formulieren, denn das „Profil“ der CDU ist, wie du sagst, „unscharf“ geworden (WamS 2.12.18), sie erreiche nicht mehr die „ganze Bandbreite derer, die wir brauchen, um wieder eine große breit aufgestellte Volkspartei zu werden“. „Wir brauchen wieder Spannweite und müssen den Charakter als Volkspartei wiederentdecken.“ Jawohl, Profil durch möglichst große Weite, Klarheit durch Verschwommenheit! Das ist nicht nur ein wundervolles Programm, es ist auch herrliche Poesie!
Wie man weiß, dankt es dir der Wähler. Also weiter so!
Dein Wolfgang

Mike Mohring, unglaublich tapfer

Dass Linke zutiefst verdorbene Fanatiker sind, die der bürgerlichen Mitte – und das sind wir bekanntlich alle außer den Linken – das Messer an den Hals setzen wollen, weiß man. Darum darf nab ja auch diesen Verschwörern gegen den Kapitalismus nicht das kleinste Fingerchen reichen, weil sie das Fingerchen – schwupps! mammpf! – mit allem, und zwar wirklich mit allem, was da noch dranhängt, einschließlich dem Nagel des großen Zehs, restlos wegfressen, sich die rote Currysoße aus der Visage wischen und dann auch noch schrecklich rülpsen. Wenn man also irgendwo einen oder eine dieser Linken sieht oder riecht, heißt es die Beine in die Hand nehmen und wegrennen, wegreiten, wegfahren, wegschwimmen, wegfliegen – egal, aber weg, weg, weg!!!
Was mag nur in Mike Mohring den CDU-Vorsitzenden in Thüringen gefahren sein. Er war mit dem linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow wandern. Und – jetzt kommt der absolute Schocker! –  der skrupellos indiskrete Ramelow hat es tatsächlich erwähnt – im Wahlkampf! Ach je! Da musste der arme Mohring schnell beteuern, dass es ja nur ein einziges Mal gewesen sei, und zwar als nett gemeintes Geburtstagsgeschenk.
Aber nun wartet allerdings die ganze Welt auf Mohrings Erklärung, mit welchen übernatürlichen Kräften es ihm gelungen ist, eine solche räumliche Nähe anscheinend unversehrt zu überleben.

Tief traurig

Tschüß, SPD!
In stillem Gedenken nehmen wir von dir Abschied.
Wir sind tief traurig über dein Verscheiden. Was trieb dich, dass du uns unbedingt verlassen wolltest. Wir hatten so gute Zeiten mit Gustav Heinemann, Willy Brandt, Erhard Eppler und vielen mehr…
Doch nun: 8% Stimmen in Thüringen, bald weniger als 5% –  und statt z.B. einer Gesine Schwan die Schwarze Null, Olaf Meier Scholz.
Du hast uns lange leiden lassen; am Ende war der Tod eine Erlösung.
Erinnerungen, die unser Herz berühren, gehen niemals verloren.
Deine Sozialdemokraten in der SPD

Ei der Daus!

„Die Abendsonne wirft letzte Strahlen auf die Dorfkirche, die Berge dahinter liegen schon im Schatten. Auf dem Dorfplatz … “
Leider erhält der Leser keine weitere Informationen, z.B. über den Aufenthaltsort Bambis oder darüber, ob noch eine Lerche halb im Traum noch ein letztes Tirili ertönen lässt oder aus dem Blätterrauschen der Linde ein sanftes Lied erklingt. Statt dessen erfährt er von einem „kleinen Kunststück“: „Ausgerechnet jene Schweizer Partei, die neben ausländerfeindlichen Parolen bekannt ist für ein eher rückständiges Frauen- und Familienbild, hat es geschafft, eine erfolgreiche Unternehmerin und Mutter von drei Kindern zu ihrer Vorzeigefrau zu machen“, nämlich Frau Martullo-Blocher. Dabei ist sie – wie man gleich im ersten Satz erfährt – sogar „kleiner als ihr“ – bereits als Unternehmer und Politiker der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei mächtiger – „Vater“ Christoph Blocher.
Ja, ei der Daus! Wie konnte das geschehen? Der Leser muss einige Zeit grübeln, bis er erfährt (einundsachtzig Zeilen später), „dass das Geld der Unternehmerfamilie Blocher eine nicht unwesentliche Rolle bei ihrem Aufstieg spielt. Es steckt inzwischen in einigen Medienunternehmen, die Vater Blocher in den vergangenen Jahren gekauft hat.“ (Isabel Pfaff: Auf dem Weg zur Dynastie. Süddeutsche Zeitung 18.10.19)
Beste Journalistenschule!

Schwupps!

Klimaflucht und Promipaare

Es ist gut, dass die ARD die Dokumentation „Klimafluch – Klimaflucht“ nicht so früh gesendet hat, denn dann hätte womöglich jemand aus Versehen, nämlich weil er vielleicht nicht schnell genug zum Traumschiff oder auf „Kampf der Promipaare“ umschalten konnte, vielleicht doch sogar mit ein wenig wohligem Schauder aus Sensationsgier die Schrecknisse mit ansehen müssen, die der Klimawandel bereits heute angerichtet hat. Das hätte ihm glatt seinen Flug in den Malle-Urlaub vergällen können, wenn er nicht so ein Experte im Verdrängen wäre. Das mit dem Verdrängen ist allerdings eine teuflisch gute Fähigkeit: Kaum bist du mit deinem SUV an dem blutigen Unfall vorbei gefahren, braucht es nur ein bis zwei Minuten, schwupps bedrängst du wieder fröhlich mit 180 km/h das vorauffahrende Fahrzeug Stoßstange an Stoßstange.

Reiner Frohsinn

Und überhaupt: Wenn du eine der rechten Parteien wählst, denen es nur um die Macht geht und die deshalb an die mehr oder minder verborgenen asozialen Triebe appellieren und sagen, dass der menschengemachte Klimawandel nur in der Einbildung von missgünstigen Linken existiert, die einem jedes Vergnügen nehmen wollen, dann bist du auf der sicheren Seite. Du kannst dann nicht nur mit reinem Gewissen tun, wozu du  Lust hast, als kostenlose Dreingabe erhältst du ein Hassobjekt.

Wunderland und Vogelschiss

Die Griechen haben gerade Tsipras und seine Syriza abgewählt, die trotz Erpressung versucht haben, den Griechen etwas soziale Gerechtigkeit zu bewahren. Statt dessen haben sie Kyriakos Mitsotakis und seine Nea Demokratia wieder an die Macht gebracht. Welch großartiger Akt des Verdrängens: Sein Vater als Parteivorsitzender und dessen Partei haben das Land ruiniert, die Armut, Arbeitslosigkeit und den finanziellen Bankrott herbeigeführt, indem sie die Zahlen des Staatshaushalts gefälscht, Parteigenossen, Freunde und Verwandte mit Pensionen und sinnleeren Ämtern versorgt haben.
Ach, da war was? Allenfalls ein Vogelschiss! Kyriakos verspricht niedrigere Steuern und Reichtum. Das ist wirklich wunderbar.

Positiv sein!

Und man muss sich immer auch sagen: Es gab auch Gutes. Die Nazis haben ja nicht nur Millionen Menschen umgebracht, sondern auch Autobahnen gebaut und die Arbeitslosigkeit mit Rüstung und Krieg abgebaut. Und wenn damals jemand vom Klimawandel geschwafelt hätte, hätte man ihn ohne weiteres Drumherum einfach in die Klapsmühle gesteckt oder lieber gleich erschossen. Schwupps! Problem erfasst, Problem gelöst. Man darf nicht immer so negativ sein. Da vergeht einem ja alle Lebensfreude.