Traditionsbewusst deutsch

Ach, Mann! Kemmerich! Haben die Volksverräter dich niedergerungen?
Verzweifle nicht: Wir leben noch. Wir kommen wieder.
Wir, die Altnazis in der FDP, sind empört und trauern mit dir. Wir, die wir schon in den 50er Jahren entschlossen waren, erst die Partei zu kapern – und dann die Republik sind mit dir tief enttäuscht über den erzwungenen Rücktritt. Du hattest eine Tradition aufrecht erhalten, wie sie einst u.a. die FDP Abgeordneten Ernst Achenbach, der unter Hitler die Deportation französischer Juden in Vernichtungslager mitorganisiert hatte, und Werner Naumann, letzter Staatssekretär und rechte Hand von Hitlers Chefpropagandist Joseph Goebbels, begründet haben. Sie und ihre Mitkämpfer haben sich um das Deutsche Reich nach dem Krieg verdient gemacht, indem sie mit dem nordrhein-westfälischen FDP-Chef und späteren stellvertretenden FDP-Vorsitzenden, dem Verleger Friedrich Middelhauve das “Deutsche Programm” durchzusetzen suchten, das ein Bekenntnis zum Deutschen Reich beinhaltete und eine Abkehr von den Urteilen der Alliierten, mit denen „unser Soldatentum diskriminiert werden” sollte (vgl. auch https://www.spiegel.de/geschichte/naumann-kreis-die-unterwanderung-der-fdp-durch-altnazis-a-951012.html).
Ihrem Kampf wurde damals – auch durch das Eingreifen der undeutschen Besatzungsmächte – der Sieg verwehrt. Aber wir leben noch!

Burn out

Ach, du mein lieber Gott!
Du hast wahrlich viel zu tun. Du musst überall Fahnen, Bomben und Raketen weihen und segnen. Schwierig war und ist es immer wieder, die Gebete der verschiedenen Parteien gleichzeitig zu erhören, der Katholiken und Protestanten in Nordirland oder im Dreißigjährigen Krieg, der Schiiten und Sunniten und der IS-Krieger, des Kukluxclans, der Nazis und Faschisten, Hitler, Mussolini, Franco. Du musstest auch Franz-Josef Strauß beistehen, einfach weil er ein Christlich-Sozialer war und es ihn daher natürlich immer nach oben zog. Deshalb heißt auch ein christlicher Flugplatz nach ihm.
Du hast in deiner unendlichen Güte keinen Blitz geschleudert, als Trump, Bolsonaro und Jeanine Anez (»Gott und die Gerechtigkeit werden euch <Morales und seine Anhänger in Bolivien> richten«) bei den Evangelikalen als fromme Christen beteten. Du hast nicht zornig gedonnert, als deine Diener von der Nederduitse Gereformeerde Kerk die Apartheid gerühmt haben und als protestantische und katholische Priester das NS-Regime verherrlicht haben. Und du tolerierst, dass es auch Pastoren und Pfarrer in der AfD gibt.


Und wenn du dich Allah nennst, sorgen deine Diener dafür, dass alle, die nicht dasselbe sagen wie sie, in deinem Namen vergewaltigt, versklavt oder hingemetzelt werden. Und es ist gut so, denn wo kämest du hin, wenn du überall eingreifen wolltest. Weinerliches Klagen, das wusste schon Hiob, trifft bei dir auf taube Ohren.
Du hegst vor allem Groll gegenüber den Gottlosen, denn sie sind wie die wilden Tiere. Weil sie nicht auf der richtigen Seite stehen, auf der Seite der Gewinner, der Mächtigen (cuius regio eius religio), und die werden dann gelyncht, verbrannt, gerädert, gevierteilt. Der Kopf wird den Unfrommen abgeschnitten und freudig vor der Kamera geschwenkt. Von einem barmherzigen Standpunkt aus gesehen kann man das natürlich irgendwie auch nicht so schön finden; aber man wird schließlich nicht Opfer, wenn man sich auf die richtige Seite stellt. Das mussten schon die Hexen und andere Ketzer erkennen. Die richtige Seite ist immer die mit dem meisten Geld. Mit dem Geld kann man einen formidablen Ablasshandel betreiben und z.B. riesige Gebetshäuser bauen, wie den Petersdom oder die al-Haram-Moschee oder … Das Geld muss man natürlich irgendwoher aufbringen, aber man kann es ja den Armen abpressen, denn die sind ganz offensichtlich nicht deine Lieblinge, sonst wären sie ja reich.

Die Nichtsnutze gehören in die Hölle; die anderen werden natürlich alle selig.

Seliger Immobilienhändler mit Blume

Manche meinen, es ginge mit dem Teufel zu. „Tut nichts, der Jude wird verbrannt.“ – Und was ist mit den Schwarzen? den Sinti? den Schwulen?
Ach, du hast eben einfach zu viel zu tun, heute und morgen und immerdar. Amen.

 

 

Riesig

Oh, heiliges Kanonenrohr, Dieter Nuhr, Donnerwetter, echt, wie Sie da in Ihrer letzten ARD-Sendung (https://www.daserste.de/unterhaltung/comedy-satire/satire-gipfel/videos/nuhr-im-ersten-video-220.html) wieder alles in Ihrer so eigenen uneitlen Art aufs Korn genommen haben, was dem rechten Rand der Werte-Union missfällt, das hatte wieder mal Klasse. Besonders das mit der vom WDR Kinderchor gesungenen „Umweltsau“, was Sie – in Ihrer Funktion als Fachmann für Satirefragen – zum einen ironisch eine „satirische Spitzenleistung“ genannt und zum anderen als einen Akt der Grenzüberschreitung (Satire darf nicht alles!) gekennzeichnet haben, hat echt hingehauen: Wir konnten uns kaum halten vor Lachen, wie Sie die Aussage dieses WDR-Beitrags ad absurdum geführt haben, und zwar einfach nur mit dem Hinweis darauf, dass z.B. Ihr Opa gar keine Umweltsau sein könne, weil er ja tot sei. Ha, ha. Ja, Herr Nuhr, hier zeigen Sie uns ein Beispiel für „satirische Spitzenleistung“! Und wie Sie dann dieser ganzen „Klimahysterie“ zu Leibe gerückt sind: Da wollen einige – von Ihnen – Unbelehrbare (u.a. Greenpeace) doch tatsächlich die deutsche Bundesregierung verklagen wegen ihrer Passivität im Kampf gegen den Klimawandel. Ja, geht’s denn noch? fragen Sie zu Recht. Sollen sie doch China und Indien verklagen!!! Da trommelt dann so mancher vor Begeisterung ob solcher „satirischen Meisterleistung“ sich die Schenkel wund. Und wenn da eine von diesen jugendlich unreifen Klimahysterikerinnen meint in einem Bild die Auswirkungen des Klimawandels darstellen zu sollen, indem sie prophezeit, dass in sechzig Jahren sich der Asphalt durch die Erwärmung so erhitzen würde, dass man ihn lieber nicht betreten sollte, da schleudern Sie ihr entgegen, dass man ja dafür schließlich den Schuh erfunden habe! Sie könne ja Schuhe anziehen. Verstanden? Haaaaa! Ja, da kann man als Zuhörer doch nicht anders, als in brüllendes Gelächter auszubrechen und heiße Tränen über die Wangen kullern zu lassen. Es geht Schlag auf Schlag: schon wieder eine „satirische Spitzenleistung“! Ein wenig verzeihliche Eitelkeit glaubte man dennoch bei Ihnen zu spüren, als Sie erwähnten, dass der ja ansonsten wenig erwähnenswerte Bushido, Sie in einem seiner Texte erwähnt habe. Sie sind also eine Person der Zeitgeschichte. Dass er Sie dort als einen „Riesenhaufen Kacke“ gekennzeichnet hat, stecken Sie souverän weg, ja gelangen sogar zu der erstaunlich selbstkritischen Einsicht :“Ich fühlte mich angemessen berücksichtigt.“ Toll!

Auf jeden Fall mit t

Litte?                             Chor: Neieiein!
Ritte?                            Chor: Neieiein!
Was denn dann?          Chor: Mitte! MmmmItte!
Ach, so: Nicht rechts?  Chor: Neihein!
Auch nicht links?          Chor: Ohh, neieiein!!!
Wowowo?                    Chor: Mitte, bitte! Mit-te!

Bisher gehörte Lothar Möritz in Sachsen-Anhalt zur Mitte, trotz Hakenkreuzen: in der CDU und unterstützt von der CDU, also Mitte.

 

Christian Lindner will denen, die die SPD wegen Wolfgang Clement und Gerhard Schröder gewählt haben und nun angesichts von Hammer (Walter-Borjans) und Sichel (Saskia Esken)  in der Führung der SPD heimatlos sind, die FDP als Ware wahre Mitte anbieten.

Die Grünen und ihr Kretschmann (vom KBW zu MerCeDes) haben sich bürgerlich geschwärzt; sie sind endgültig in der Mitte angekommen.

Labour jedoch hat die Wahlen in Groß Britannien laut Hubert Wetzel in der Süddeutschen Zeitung (16.10.19) verloren, weil sie nicht die Mitte suchte, sondern „von einem unerreichbaren sozialistischen Paradies“ (ach, du grüne Neune!) träumte – während nämlich der Politclown Boris Popowisch Johnson und seine Nationalisten die Mitte ansprachen. Deshalb empfiehlt der schlaue Wetzel den Demokraten in den USA „pragmatische Mitte-Politiker“ – vielleicht so eine wie Hillary Clinton mit gutem Verständnis von und mit dem großen Geld. 1 Will man die Wahlen in der „Mitte“ gewinnen, braucht man auf jeden Fall einen windigen Hohlkopf, wie Trump oder Boris Johnson. Dann – das weiß doch jeder kompetente Kolumnist  – gewinnt man die Wahlen. Wie, wo? Immer in der Mitte. Und alle freuen sich, weil alles bleibt, wie es ist, oft schlimm, oft immer schlimmer, oft ganz schlimm.

Bayrischer Biorhythmus

In dem Streit um die gemeinschaftlich geplante Aufteilung der Schulferientermine unter den Bundesländern verweigert sich Bayern. Das versteht man, weil die Bayern, was auch immer man von ihnen halten mag, eben ein besonderer Lederhosen und Hüte mit Gamsbärten tragender Menschenschlag sind. Dass diese heftig auf die eigenen lederumwundenen Schenkel und Hintern einschlagende Menschengruppe besonders sensibel ist, hatten wir bis dato allerdings nicht gewusst, bis ihr Ministerpräsident auf ihren ganz eigenen empfindlichen Biorhythmus verweist, der einer Verlegung der bayrischen Ferientermine letztlich unmöglich macht: „Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien – den wollen wir gerne behalten.“ Dieser Biorhythmus ist eben ein besonderer in Bayern und den weniger zartbesaiteten Bewohnern anderer Bundesländer eher unbekannt. Bremer z.B. wissen gar nicht, was das überhaupt ist – und natürlich auch überhaupt nicht einmal, wie man das schreibt. Nicht-Bayern können angesichts eines solchen überragenden Biorhythmus nur ungläubig staunen und hingebungsvoll bewundern. Markus Söder bringt also schlüssige Argumente vor, denen man kaum etwas entgegensetzen kann. Allerdings müssen wir einschränkend doch sagen, dass sein Hauptargument, nämlich: „Wir haben das schon immer so gemacht.“ uns weniger überzeugt. (Söder laut Süddeutscher Zeitung vom 29.11.19)