Siegerist betet für Söder

Der laut Verfassungsschutz „rechtsextremistische“, wegen Volksverhetzung und Anstachelung zum Rassenhass verurteilte Joachim Siegerist, der als Bewunderer von Rudolf Heß zu dessen Tod eine Traueranzeige in der FAZ schaltete, sich gegen Wiedergutmachungszahlungen an NS-Opfer und gegen das Holocaust Denkmal sowie für eine Rehabilitierung der Waffen-SS engagiert, hat in der Süddeutschen Zeitung eine Anzeige der „Deutschen Konservativen“, deren Vorsitzender er ist, veröffentlichen lassen: „Deutschland braucht Söder als Kanzler“. Seine Gesinnungsgenossen, d.h. alle Alt- und Neonazis, wissen nun dank Siegerist (?), wer sie – neben Höcke? – am ehesten vertritt. Und ganz im Sinne Söders, der sich von jedem verstiegenen Machtwillen frei weiß, unterstellt Siegerist, dass man den bedauernswerten „Dr. Markus Söder“ dazu drängen, wenn nicht gar zwingen müsse, das schöne Bayernland („tjo tjo i ri ridi ho e tjo i ri“) mit seiner majestätischen Bergwelt („ridi ridi tjo ho“) zu verlassen und trotz seiner bekannt selbstlosen Bescheidenheit das schwere Joch („ohje, ohje!!) des Amts als Kanzler im flach öden Berlin auf sich zu nehmen. Er ist der „beste Ministerpräsident“ seit Urzeiten bzw. seit Goppel. Aber – so schreibt Siegerist in verwirrend schlechtem Deutsch – es gibt ein „Problem: Er ist nicht begeistert, als Ministerpräsident von Bayern als Kanzler nach Berlin zu gehen.“ Ach, was?! Und mit der Gefühlsseligkeit deutscher in den Kalkalpen spielender Fernsehserien fährt er fort: „Für ihn ist das Amt (gemeint das bayrische) – wie früher für FJS – das schönste Amt der Welt.“ Und weiter: „Aber es gibt Momente – da müssen persönliche Wünsche und Gefühle in die zweite Reihe treten. Es geht um Deutschland!“ Jaaa, es geht um alles, um Leben und Tod! Zur Not muss man den armen Kerl dahin prügeln. So fleht – bitte, bitte – der Heß-Verehrer gottesfürchtig: „Wir bitten Markus Schröder: Bitte kandidieren Sie als Bundeskanzler!“ – „Die Nation wird es Ihnen danken. Gott1 behüte Sie!“ Danke. Danke vielmals. Söder hat sich erweichen lassen. Siegerists Gebete wurden erhört.

Wer ist Erdoǧan?

Sackdoof, feige und verklemmt
ist ***, der Präsident.

Er ist der Mann, der Mädchen schlägt
und dabei Gummimasken trägt.
Am liebsten mag er Ziegen ***
und Minderheiten unterdrücken.

Das ist nicht schön, was hier über einen Präsidenten gesagt wird. So etwas hört niemand gern über sich. Der türkische Präsident hat das Gedicht  – doch wohl zu Unrecht – auf sich bezogen, weil der Name Erdoǧan darin auftaucht und mit einem türkischen Präsidenten assoziiert wird, und er war sehr verletzt.
Aber kann mit diesem Gedicht überhaupt Erdoǧan, der türkische Präsident, gemeint sein?
Da werden möglicherweise ehrenrührige Behauptungen aufgestellt über körperliche Gebrechen („Schrumpelklöten“), mangelnde Körperhygiene („Selbst ein Schweinefurz riecht schöner“) sowie sexuelle Vorlieben des betreffenden Präsidenten, die frei erfunden sind, da es kaum vorstellbar ist, wie der Autor dieses Schmähgedichts zu solch intimen Kenntnissen der Person („Schrumpelklöten“) gelangt sein soll, so dass sie, wenn sie überhaupt eine reale Person betreffen sollten, dann nur einen Namensvetter des Präsidenten, etwa den Präsidenten eines Fußballvereins mit gleichem Namen, meinen können. (Etwa 223577 Personen tragen diesen Namen – vornehmlich in der Türkei.1) Sie entstammen aber ohnehin höchstwahrscheinlich nur der schmutzigen Phantasie des – besser anonym bleibenden – Autors. Im Grunde ist es zudem ja auch nebensächlich, ob der betreffende Präsident, wenn er Mädchen schlägt, dabei Gummimasken (gleich mehrere? wie viele? alle auf einmal?) trägt. Es würde schon genügen, dass er Mädchen schlägt. Wenn er das tut, sollte er es aber unbedingt unterlassen. Denn das ist gemein.
Und was die Ziegen angeht, von denen in diesem Machwerk die Rede ist, so können Ziegen, besonders Zicklein, possierliche und vor allem wohlschmeckende Tiere sein; darum muss es ein Bewunderer solcher Tiere aber nicht so weit treiben, dass ihn seine ekstatische Hingabe an die Ziegen zu sexuellen Handlungen treibt. Was hier unterstellt wird, ist aber – soviel kann man wohl feststellen – auch eher selten. Und wenn der schäbige Autor dieser Invektive nun andeuten will, dass ein solches Verhalten gerade bei einem türkischen Präsidenten namens Erdoǧan zu finden wäre, der über einen riesigen, prunkvoll ausgestatteten Palast verfügt, von dem ein schmuckes Mädchen aus Wohnungssuche nur träumen kann, nämlich mit einer Gebäudefläche von 40.000 Quadratmetern und etwa eintausend Zimmern, mit Kristalllüstern, goldglänzenden Vorhängen und vielen, vielen Fahnen ausgestattet und in einem Naturschutzgebiet gelegen, und der folglich mit seiner Aura von Macht und Reichtum durchaus die eine oder andere glutäugige Geliebte, und zwar eben keine Ziege, in seinen Harem locken könnte – sein angetrautes, geziemend verschleiertes Weib hätte nach alter Sitte gefälligst die Klappe zu halten -, so erscheint dies vollends äußerst unwahrscheinlich.
Auch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass das „Gedicht“ keine formalen Feinheiten aufweist, was Bildsprache, Rhythmus, Reime („-icken“ – „-ücken“) usw. betrifft. Von Schönheit kann bei diesem „Kunst“werk also keine Rede sein. Daran ändert auch die Wortschöpfung „sackdoof“ überhaupt nichts.

Recep Erdoǧan, der türkische Präsident, schlägt Frauen nach unseren Kenntnissen nicht, und wenn, dann nicht sehr kräftig, vermutlich kaum. Aber durch seinen Austritt aus der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen liefert er diese seinen männlichen Landsleuten aus, von denen der eine oder andere gerne auch einmal in seinem Überschwang einen Ehrenmord an Frau oder Tochter begeht. Wer meint. das kritisieren zu müssen, dem muss allerdings entgegnet werden, dass es ganz einfach eine Frage der türkischen Identität ist, sich in solchen Fragen von allen Modernismen des dekadenten Westens zu distanzieren.
Wenn Erdoǧan übrigens in dem Schmähgedicht „schwul“ genannt wird, so ist darauf zu erwidern, dass das, wenn es wahr wäre, nicht nur seine Privatsache wäre, sondern dass er ja darüber hinaus tatsächlich Schwule sogar verfolgen lässt, was Schwule als solche nur selten tun. Vielmehr liebt ein reiner Türke Frauen, die nicht um jeden Preis hübsch sein müssen, da sie ja meist verhüllt rumlaufen, aber gefügig 2. Und wenn der heiratswillige Türke einmal unter Kopftuch, Schleier und Burka nach kurzem Werben beim zukünftigen Schwiegervater und Übergabe eines passenden Kaufbetrages an diesen schließlich entdeckt, dass er hereingelegt wurde und sich unter dem Hidschab ein abgefeimter männlicher Schwuler verbarg, dann verstößt er diesen meist sofort. Und es kommt überdies zu einer Blutfehde mit der gesamten betrügerischen Familie, die ihm den Kerl untergeschoben hat: Tod allen bis zu den Omas und Babies. Es ist eine Frage der türkischen Identität.
Nun gut, es muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass Erdoǧan wie jeder Sterbliche auch seine Schwächen hat: Er fühlt sich z.B. nur gut, wenn er lauter Gleichgesinnte um sich hat, die ihn anhimmeln. Das ist sehr menschlich. Darum verfolgt er Kurden und hat auch mit Christen und deren Identität (Hagia Sophia) nicht viel im Sinn. Und er hasst es generell, wenn Menschen anderer Meinung sind als er und diese Meinungsverschiedenheit in Form vom Kritik an ihm öffentlich äußern. Da gerät er schon einmal wirklich in Rage.
Solche Aufmüpfigen wirft er dann flugs in den Kerker, wenn sie nicht gerade als Beauftragte der EU zu ihm gekommen sind und z.B. Ursula von der Leyen heißen. Selbstverständlich bringt er sie nicht persönlich hinter Gittern, sondern er lässt es seine Justiz tun, die praktischer Weise von lauter Personen repräsentiert wird, die er selbst ausgesucht hat und die die türkische Identität hochhalten. Dieser Erdoǧan ist schon ein schlauer Hund. So muss z.B. Canan Kaftancioǧlu, eine Frau (!), die als Chefin der örtlichen oppositionellen CHP Erdoǧan in Istanbul 2019 bei den Wahlen eine Niederlage zugefügt hatte, fürchten, für mehr als acht Jahre ins Gefängnis gesperrt  zu werden, weil sie via Twitter den türkischen Staat „erniedrigt“ haben soll. Es war sicher für sie nicht leicht, einen Staat zu „erniedrigen“. Es fällt einem schwer, sich vorzustellen, wie das gehen soll. Sie muss schon ziemlich raffiniert vorgegangen sein. Irgendwie muss sie es aber geschafft haben, es sei denn Erdoǧan setzt seine Person und den Staat gleich.
Das Beispiel Canan Kaftancioǧlu zeigt: Frauen können ganz schön fies sein, so dass einem schon mal die Hand ausrutschen kann. Sie hat nämlich
mehrmals den Präsidenten kritisiert und ihn folglich beleidigt. Das hätte sie wissen müssen: Erdoǧan ist ja sofort beleidigt, wenn man ihn kritisiert. Da darf Canan Kaftancioǧlu sich nicht wundern. Wenn sie aber denkt, sie könnte selbst beleidigt sein, wenn der Innenminister Süleyman Soylu sie als „Närrin“ und Handlangerin der terroristischen PKK bezeichnet, dann zeigt sie nur, wie wenig Hirn Frauen haben. Denn zum einen ist sie ja nur eine Frau und somit nicht berechtigt, beleidigt zu sein, und zum anderen hat Soylu sie ja gar nicht beleidigt. weil tatsächlich eben nur Narren bzw. Närrinnen jemanden wie Erdoǧan kritisieren können. Und man weiß ja im übrigen auch, dass die PKK Erdoǧan gegenüber in übler Weise jeden Respekt vermissen lässt. Sonst hätte sie sich schon selbst abgeschafft. Das ist auf jeden Fall eine Art Terrorismus. Und wer sie nicht mit allen Kräften bekämpft, ist folglich selbst ein Terrorist.
Auch der frühere Co-Vorsitzende der prokurdischen HDP Demirtaș ist wegen Präsidentenbeleidigung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ob er ihm womöglich Selbstbeweihräucherung oder gar Machtmissbrauch nachgesagt hat? Das wäre allerdings nicht nur ungeschickt, sondern auch schlimm und hätte unbedingt dreieinhalb Jahre Haft verdient. (Er sitzt ohnehin seit vier Jahren ohne Verfahren wegen Terrorismusvorwürfen in Untersuchungshaft.) Da er einer Partei angehört, die u.a. die Interessen der kurdischen Minderheit vertritt, macht er offensichtlich
mit Terroristen gemeinsame Sache. Und was hat so einer verdient? Richtig! Er wird im Gefängnis (laut möglicher Anklage) 142 Jahre Zeit haben, sich zu läutern und von den Kurden in der Türkei zu distanzieren. Das wäre wahrlich ein weises und humanes Urteil.

Lamborghini für alle!

Fußballer Frank Ribéry verkauft sein Auto, einen Lamborghini Aventador LP700-4 (Baujahr 2011), nach Tachostand 23500 km gelaufen. (Zum Fahren hat er ihn anscheinend wenig gebracht.) Hat einst 310 000 € gekostet – mit schwarz-gelber Lederausstattung. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Ärger oder Abscheu über eine solche Verschwendung angesichts all des Elends und Hungers in der Welt ist kleinkariert. Denn man bzw. Christian Lindner und der Wirtschaftsrat der CDU1 weiß ja, dass gemäß dem “Trickle-down”-Gesetz wir alle von Ribérys Lamborghini profitieren werden. (Gemeint ist nicht etwa auslaufendes Öl, sondern das Bild bezieht sich vielmehr auf die Pferdepisse, in der dann die Spatzen selig baden können – oder so ähnlich.)
Danke, Frank Ribéry. Danke, Christian Lindner, du kleiner Räuber!
Wie schön, dass du geboren bist,
Wir hätten dich sonst sehr vermisst!

Wer etwas von Geld versteht

Der Wähler ist nicht dumm. Der Wähler ist nicht dumm. Der Wähler ist nicht dumm.
Kapiert?
So weiß der Wähler bekanntlich auch: Die CDU/CSU versteht etwas von Geld.
Deshalb wählt er sie ja auch.
Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie Recht der Wähler hat, ist der Vorsitzende der CSU- Finanzkommission Alfred Sauter. Er hat bei dem Deal um überteuerte Corona-Schutzmasken 1,2 Millionen Euro Provision kassiert. 1,2 Millionen. Da sage mal einer, er verstände nichts von Geld! Soviel Geld war drin, weil Herr Spahn – auch er versteht viel von Geld – als Kosten für die Maske 6 Euro zugrunde legte, während sie tatsächlich weniger als 1 Euro kostete. Die Apotheker haben sich daran, so die Aussage eines Apothekers, „dumm und dämlich verdient“. Natürlich wählen 90 Prozent der Apotheker die CDU. Das würden die Schornsteinfeger auch machen, wenn man ihnen soviel Geld schenken würde, zumal sie ja ohnehin schwarz sind. Ja, selbst die roten Feuerwehrmänner würden die Feuer brennen lassen, sich vom Acker machen und sich von dem Geld z.B. ein feuerfestes Haus an der Côte d’Azur kaufen oder die Branche wechseln und künftig überteuerte Feuerlöscher verkaufen. Auf jeden Fall würden sie alle künftig einmütig nur noch die CDU/CSU wählen – denn die, nicht nur die Vorsitzenden von Finanzkommissionen, verstehen etwas von Geld.


Natürlich freut sich der Sauter Alfred über seinen Reibach. Auch wenn er sein Pokerface zeigt, seine leuchtenden Augen verraten ihn. Er ist natürlich gezwungen, gegen den Willen seiner Parteifreunde an seinem bayrischen Landtagsmandat festzuhalten. Da mag manche Freundschaft zerbrechen. Aber es würde sein Image als jemand, der etwas von Geld versteht, komplett zerstören, wenn er auf so eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle verzichten würde. Das würde ihm der Wähler nicht verzeihen. Und als ehemaliger Justizminister hat er vermutlich noch gute Beziehungen zu einigen Amigos bei der Polizei und könnte sich notfalls mit einem Paar Handschellen an seinen Stuhl im Landtag fesseln. Die Wähler würden jubeln!!
Von Günther Oettinger ist nicht bekannt, ob er Geld dafür genommen hat und auch nicht wieviel. Auch weiß man nicht, ob der ehemalige Landesvater in seiner Funktion als EU Kommissar zusätzliche Einnahmen als Lobbyist erschließen konnte, indem er z.B. wie seine CSU Kollegen Zech oder Hauptmann von der CSU sich um Aserbeidschan oder Mazedonien verdienst gemacht hat. Dass er über 13 Nebenjobs hatte neben seiner Arbeit als EU-Kommissar, dürfte aber jemanden wie ihn, der etwas von Geld versteht, nicht daran hindern, weitere Einnahmequellen zu erschließen. Ein solch – dummer – Verzicht würde beim Wähler übel ankommen. Aufgrund seiner sprachlichen Defizite hat sich Oettinger allerdings bei seinen Jobs zumeist auf Hilfe für deutschsprachige Unternehmen beschränkt. Zuständig auch für digitale Wirtschaft hat er z.B. den Wirecard Finanzvorstand Ley getroffen, damit ihm dieser seinen „einzigartigen Geschäftsansatz“ vorstellen konnte. Oettinger weiß davon heute allerdings leider, leider nicht mehr viel, ja eigentlich gar nichts; er weiß nur noch, dass er sich mit dem ehemaligen CDU Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Carstensen getroffen hat: „Es kann gut sein, dass damals jemand mit dabei war.“ Allerdings hatte Carstensen per E-Mail um Terminvorschläge gebeten zum Thema „Sicherheit im Zahlungsverkehr im Zusammenhang mit verschiedenen Glücksspielangeboten im Internet“ – mit dem Herrn Ley, Vorstand der Bank Wirecard. Oettinger hat dieses Treffen nicht im EU-Lobbyregister – so etwas gibt es in Brüssel tatsächlich – angezeigt. Dass er sich an die Begegnung nicht mehr erinnert, ist angesichts seiner 13 Jobs nur allzu gut zu verstehen. Aber dass er seine Unterstützung so einfach verschenkt, ohne dass für ihn ein paar Tausender herausspringen, kann man sich einerseits nicht denken. Da er aber andererseits eine Art tapsiges Lamm ist und angesichts seiner vielen Jobs schon gar nicht mehr wusste, auf welchem Konto er welche Summen angehäuft hatte, darf ihm niemand eine Nähe zur Korruption unterstellen (Unschuldsvermutung), was auch immer man darunter verstehen mag. Auf seinen damals als Anwalt tätigen Kumpel Carstensen kann er leider, leider nicht rechnen, wenn es darum geht, sein Gedächtnis aufzufrischen, denn dieser schweigt – Ehrensache – wie ein Grab. So wird man nie, nie, nie erfahren, wer den Anwalt Carstensen für die Vermittlung des Gesprächs bezahlt hat. Und auch Günther Oettinger lässt den Wähler am Ende ratlos zurück.

Sehr feucht

Ganz klar: Stalin ist sein großes Vorbild. Leider war der Stalin Josef kein Ungar. Aber Franco, Hitler und Mussolini? – Nein, waren wohl auch keine Ungarn. Der Chefin der faschistischen Fratelli d’Italia schrieb Orban vor kurzem, sie hätten eine „gemeinsame Weltanschauung“. Immerhin! Aber dann lässt er einen seiner Brüsseler Beauftragten behaupten, der Fraktionsvorsitzenden der EVP Manfred Weber (CSU) sei jemand, der mit Methoden der Gestapo und des stalinistischen Geheimdienstes arbeiten würde. Und – soll man es glauben? – er wollte damit nicht etwa dessen Fähigkeiten rühmen. Sieht er Stalin und Hitler nun doch eher kritisch? Nein, anscheinend wollte er Weber beschimpfen lassen. weil dieser Orbans „illiberale Demokratie“ als undemokratisch kritisiert hatte. Man kann verstehen, dass Orban das missfallen muss, denn wie alle Großen dieser Welt. ob sie nun Trump, Bolsonaro, Erdogan oder sonstwie heißen, liebt er nur sich selbst – das aber – holla! – heftig! Und man kann das politische System, das der große Victor in Ungarn geschaffen hat, zwar illiberal nennen – er tut es ja selbst – , weil es die Freiheit unterdrückt, aber es ist nun mal selbstverständlich eine Demokratie – er nennt es ja selbst so – , eine Demokratie so wie auch die Demokratien der Volksdemokratien Demokratien waren. Nein, wirklich, auf diesen schmucken Namen mag er nicht verzichten.

Da er aber nun mal ein sehr sensibler Charakter ist, verträgt sich sein Stolz nicht mit Kritik, überhaupt nicht. Das hätten seine Freunde von der EVP in Brüssel wissen müssen: Sein Ego ist riesig. Orban verfolgt konsequent nur seine eigenen Interessen, ob er nun mittels Korruption für sich und die Seinen sorgt oder in der EU nach eigenem Bekenntnis nur auf eines aus ist: Geld aus der EU einzustreichen. Und natürlich imponiert das! Es muss vor allem auch den Freunden von der CSU und der CDU imponieren, ob sie nun Löbel, Nüsslein, Fischer, Strenz oder Amthor heißen. Da hätte auch ein Franz-Josef Strauß den Hut gezogen. (Strauß ist bekanntlich unter dem Münchner Flughafen begraben, damit er im Notfall der Justiz schnell entkommen kann, die zu seinen Lebenszeichen manchmal sich recht unabhängig gebärdete.)
Orban stammt, was vielen nicht bekannt ist, von den sagenumwobenen transsilvanischen Fledermäusen ab. Nachts wachsen sich seine Ohren

Dieses Foto wurde wiederholt als Fake kritisiert. Es zeigt aber die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

zu großen Flügeln aus und er fliegt – aufgrund seiner Körpergewichts und der Verbindung der Flügel mit dem Kopf eher plump – auf der Suche nach Blut und Geld – bis beim ersten Sonnenstrahl seine Flügel wieder zu Ohren schrumpfen und er die Gestalt eines Stammtischpolitikers annimmt. Das ist keine Fake-News, sondern wirklich wahre Wirklichkeit.
Die Bewunderung der CSU für ihn war lange ungebrochen; die Söder und Seehofer usw. hatten ja den ungarischen Faschisten von der Fidesz-Partei zu ihren Klausur-Tagungen eingeladen. Und er war sehr gerne gekommen; man war quasi unter sich und einer Menge Humpen – dazu Blasmusik, wie sie das Volkstum liebt. Und Orban beglückwünschte jüngst Armin Laschet zur Wahl zum CDU-Vorsitzenden und rühmte die „traditionsreiche Verbindung“ beider Parteien und ihre „auf gegenseitigem Respekt basierende Zusammenarbeit“. Zwar gibt es sogar in der CSU den einen oder anderen unbayrisch nüchternen Politiker, wie den Europapolitiker Markus Ferber, dem die „antisemitischen Einschläge” in Orbans Rhetorik, wie er sagt, „große Sorgen” bereiten,und der auf diese Weise den nötigen Respekt vermissen lässt. Aber des großen Orbans große Wahlsiege zeigten doch, so Seehofer, „dass Konsequenz honoriert wird”. Er habe „Kurs gehalten, das schätzt die Bevölkerung”. Stoiber und Seehofer beglückwünschten ihn daher auch ausdrücklich zu seinen Wahlsiegen: „Nichts ist eine stärkere Bestätigung als der Erfolg an der Wahlurne.”
Denn: Ja, ja, das weiß ja jeder – der Wähler ist nicht dumm. Braucht er auch nicht zu sein in Ungarn, wenn alle Medien den Führer preisen und der Führer sich die Justiz gefügig gemacht hat.
Aber es war dann irgendwann nicht mehr so leicht für CDU und CSU, den Kollegen Orban zu stützen, obwohl er doch nach ihrer Meinung die Ideen Konrad Adenauers und Helmut Kohls vertreten hatte. Denn Delegationen aus 14 Ländern waren so unklug. den Rauswurf von Fidez aus der Fraktion der Konservativen im EU-Parlament zu fordern – wegen des illiberalen Systems. EVP-Teile, z.B. aus Skandinavien und Benelux, sollen gar gedroht haben, dass sie die EVP verlassen würden, wenn nicht gegen die Faschisten von Fidesz vorgegangen werde. Welch schreckliches Dilemma! Der Rauswurf dieses Veteranen von Adenauers und Kohls Gedankengut würde die EVP Redezeit und Geld kosten. Und von Geld, das weiß der deutsche Wähler, der ja nicht dumm ist, verstehen Merz, Amthor, Nüsslein usw. usw. bekanntlich viel, sehr viel. Es hieß daher behutsam und vorausschauend zu handeln. So hatten die schlauen deutschen Christdemokraten eine geheime Abstimmung über den Rauswurf der Fidez lange verhindert. Angeblich taten sie es, weil sie erst in Deutschland den Parteitag mit der Wahl des neuen Vorsitzenden abwarten wollten. Inzwischen haben sie einen Vorsitzenden, doch das Politikgenie Armin Laschet ist sehr, sehr weitblickend : Es müsse „Ungarn an Europa gebunden“ werden. Die Mitgliedschaft sei ja suspendiert, und es gebe „keinen Anlass, daran etwas zu verändern“. Hart wie Kruppstahl! Man nennt ihn auch den stählernen Laschet. Nein. halt, das hat er bestimmt nicht so gern – wegen Stalin. Also den bleiernen Laschet.
Man hätte wie gesagt auch in CSU-Kreisen wissen müssen, dass Orban Widerspruch oder Kritik, wie sie einige EVP-Politiker zu äußern wagten, nun mal gar nicht vertragen kann, weshalb er ja auch in Ungarn dafür gesorgt hat, dass nur noch Orban freundlich gesinnte Medien existieren, was jeden echten Stammtischpolitiker aus CSU oder AfD eigentlich mit tiefem Neid erfüllt.
Doch nun spricht Weber von einem „traurigen Tag“. Und der arme Markus Söder rafft sich zu einem Schlusswort auf, weil er nicht mehr anders kann: “Reisende soll man nicht aufhalten.” Auch er hat seinen Stolz. Plötzlich hat er erkannt: “Es geht um unsere Glaubwürdigkeit.”
Die Tränen kullern ihm auf den neu erworbenen Anzug, denn Orbans Fidesz steht nicht mehr auf derselben Grundlage “wie Konrad Adenauer und Helmut Kohl“ – und natürlich Franz-Josef Strauß. Was ist um Himmels willen geschehen?  Orban (=Fidesz) hat beschlossen, dass er als stolzer Czardasfürst einen Rauswurf bzw. eine weitere Suspendierung nicht tolerieren kann, und verlässt deshalb von sich aus die EVP.
Schreie des Entsetzens, Heulen und Zähneklappern bei seinen Freunden von der CDU/CSU! Es geht ja um Geld! Oje, oje, was wird aus der EVP ohne Orban? Doch nun  haben anscheinend die Laschet und Söder sowie Frau Merkel nicht umhin gekonnt, dem angedrohten Verfahren gegen Fidesz zuzustimmen. Denn wenn die anderen EVP Mitglieder die Fraktion verlassen würden, wäre das ja auch gar nicht schön.
Nun ist es also geschehen, und sie heulen im Chor, „Gestapo-Weber“, Laschet, Söder. Welch ein Jammern! Auch Österreichs Sebastian Kurz weint, der bis zuletzt die Suspendierung seines bewunderten Freundes verhindern wollte und dagegen stimmen ließ. Sogar Orban ist zutiefst durchfeuchtet; er schäumt und vergießt heimlich Tränen der Wut.
Heulen und Tränenbäche – sehr feucht!