Gauführer

“Ich habe eine bessere Bildung als sie, ich bin klüger als sie, ich bin auf die besten Schulen gegangen, sie nicht. Viel schöneres Haus, viel schönere Wohnung, alles viel schöner. Und ich bin Präsident, und sie nicht.” 1
Liebe Freunde von der AfD, kann man über – euer Vorbild – Trump Witze machen, oder muss bei diesem Gegenstand der Witz versagen?

Margot Honecker oder Hannelore Kohl?

Manche meinen, das Feuilleton diene ausschließlich der Demonstration, wie man mit hohlen Phrasen ein absolutes Nichts ausdrücken kann. Das ist jedoch ein allzu kritisches Urteil. Manchmal stellt es seinen Leser auch vor Fragen essenzieller Bedeutung, von deren bedrängender Existenz er ohne das Feuilleton keine Ahnung hatte. So berichtet die verdienstvolle Feuilletonistin Suzan Vabazadeh von der „Süddeutschen Zeitung“ mit ihrem unheimlichen Gespür für Probleme, die wir Menschen gerne verdrängen, die aber gerade deswegen um so dringender ans Tageslicht gezerrt werden müssen, von der „amerikanischen Wissenschaftlerin Kristen Ghodsee“ und deren Frage, ob „Frauen im Sozialismus besseren Sex hatten“. Die Wissenschaftlerin Ghodsee, soviel sei verraten, vertritt die These, dass der Sozialismus in diesem Bereich überlegen gewesen sei, worauf aber die unglaubliche Suzan Vabazadeh dem verunsicherten Leser ihre Frage entgegenschleudert: „Kann der Kapitalismus das auf sich sitzen lassen?“
Wie diese Frage beantwortet werden muss, wissen wir momentan noch nicht, weil der Artikel immerhin eine ganze Seite beansprucht und wir uns deshalb dessen Lektüre ((Süddeutsche Zeitung 22.12.18)) für einen Moment länger währender Muße aufbewahren wollen.

Wer schießt? Kahrs oder Ronaldo?

– Na, Kleiner, was möchtest du denn werden, wenn du mal groß bist? Weltraumpilot oder Christiano Ronaldo?
– Oh, ich möchte Krankenpfleger werden oder Sanitäter oder Arzt oder Politiker.
– Ohje, also Samariter? Und Politiker zählst du auch dazu?
– Ja, wollen die denn nicht auch den Menschen etwas Gutes tun und setzen sich mit aller Kraft dafür ein?
–  Naja, ich bin da nicht so sicher. Aber schlag dir zunächst einmal das mit dem Krankenpfleger oder Sanitäter aus dem Kopf. Du willst ja wohl später mal im Rentenalter nicht so arm sein, dass du nicht weißt, wie du deine Miete bezahlen sollst. Arzt oder Politiker ist schon besser, wenn du im Alter nicht auf der Straße sitzen, sondern einen dicken Sportwagen fahren und eine Luxusvilla besitzen willst mit vielen Säulen und eine Yacht, auf der man Bunga Bunga spielen kann. Aber als Arzt … Wenn du als Arzt dich um Leidende kümmern willst, z.B. in Gebieten, wo Krieg oder Seuchen herrschen, kann es sein, dass du schon tot bist, bevor du den Menschen richtig helfen konntest. Das kann dir als Schönheitschirurg, möglichst mit deiner eigenen Klinik, natürlich nicht passieren. Aber wunderbar kann es auch der Politiker haben![htsP anchor_text = “Weiterlesen”] Da bist du jeden Tag im Fernsehen und in der Bild-Zeitung zu sehen, wenn du so ein Söder, Schröder, Dobrindt, Trump oder Berlusconi bist. Das ist eine feine Sache. Ja, man muss Ehrgeiz haben, man muss sich Ziele setzen für die Menschen: Sie sollen dich bewundern, neidisch sein. Nur nicht so ein grauer Alltagsmensch! Es ist deprimierend, wenn du so ein Joschka bist und ganz allein dich für ungemein wichtig hältst. Verdammt nochmal, die ganze Welt muss dein Genie bewundern. Das Spieglein, Spieglein an der Wand, das sind die Medien. Und so ein Joschka hätte nicht viel Aufmerksamkeit erhalten, wenn er nicht ständig umher gerannt wäre und mit der sanften Stimme des Überlegenen allen erzählt hätte, dass er ein toller Kerl wäre, obwohl er doch nur 1,70 m misst und etwas dicklich von Statur ist und deshalb trotz fünf Ehen ganz und gar nicht der Schönste im ganzen Land. Oder der Gerhard mag sich die dickste Zigarre in den breiten Mund stecken und eine sonore Stimme haben, aber er singt eben doch nicht so schön wie Caruso oder die Callas. Sein Bild auf der Titelseite der “Bunten” – da ist man wer.
– Ich dachte, Politiker müssen etwas Gutes wollen für die Menschen, nicht nur für sich.
– Klar, man muss als Politiker schon irgendwie für irgendwas sein: Der Gerhard hat sich zunächst bei den Jusos gegen die Macht des Kapitals engagiert (darüber hat er sich später halb totgelacht), aber dann doch lieber –  wie der Christian Lindner – für die Wirtschaftsunternehmen . Und der Joschka war mal wütender Linker gegen Atomkraft, dann aber lieber Lobbyist für RWE, Siemens, BMW. Das war auf jeden Fall lukrativ.
Einen Standpunkt haben – das kommt teuer und ist etwas für halbwüchsige Idealisten. Man kann auch einfach nur für die Interessen einer mächtigen Clique, Schicht, Klasse eintreten. Laut Warren Buffett – das ist einer der reichsten Männer der Welt – befinden wir uns ja im Klassenkampf ((“Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht.”)), und da kann man sich mehr oder minder heimlich oder auch ganz offen wie z.B. der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs als Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels für die Sieger in diesem Kampf einsetzen. Das ist normalerweise nicht ganz unprofitabel; so sind z.B. auch Rüstungsfirmen wie Rheinmetall zwar für den Iealisten ein Horror, aber gerade deshalb sehr spendabel. Das kannst du den SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs fragen – jaja, Kahrs, den Burschenschaftler vom rechten Seeheimer Kreis, dem auch unser Finanzminister angehört.
Im Grunde geht es ja nur um eines im Leben: Kohle machen. Du wirst es schon noch schnell lernen. Wenn man aber so wie viele Politiker in Afrika oder Lateinamerika ganz offen nur die Vervielfachung seines Vermögens als einziges Ziel verfolgt, so gewinnt man damit keine Anhänger, dann muss man zur Gewalt greifen, man braucht Waffen und Soldaten. Man sollte es daher nicht an die große Glocke hängen, dass man sich nur für sich selbst interessiert.Im Gegenteil ist äußerste Vorsicht geboten, sonst kommt es ans Licht. Gerade jetzt erfährt man von der rechten Lega Nord in Italien: Es fehlen 49 Millionen aus der Parteikasse, und man weiß, dass die „Family“ – ein Ordner mit dieser Aufschrift fand sich im Safe des Schatzmeisters der Partei – des Vorsitzenden Umberto Bossi sie wie einen Bankomaten nutzte. Nun soll er ins Gefängnis. Papa Umberto war dabei gar nicht nur egoistisch, denn er sorgte ja für die ganze Familie. So bezahlte er u.a. immerhin 77 000 € aus der Parteikasse für die Urkunde eines erfolgreichen Betriebswirtschaftsstudiums seines Sohnes an einer albanischen Universität in Tirana, die dieser nie besucht hat. Dafür hätte er sich auch ein Kraftfahrzeug der gehobenen Klasse kaufen können. Es war aber ziemlich blöde, dass sein Chauffeur von alldem wusste und ihn deshalb anzeigen konnte.
– Hör auf! Ist schon gut! Ich werde doch einfach lieber Ronaldo. Da müssen mir alle den Ball geben, und ich muss ihn nur häufig ins Tor schießen. Ansonsten tue ich alles nur für Ronaldo, also mich. Abends mache ich es mir gemütlich, zähle mein Geld und überlege, wie ich es ausgeben kann. Und wenn ich den Verein wechseln will, dann wechsle ich den Verein, und zwar ganz offen. Und niemand verlangt von mir irgendeinen Standpunkt.[/htsP]

Kunstverständige BILD-Leser

Die BILD-Zeitung? Hoho! Unterschätzt mir nicht ihre Leser, nur weil sie häufig wie biedere Analphabeten aussehen. Es kann ja nicht jeder ein Markus Söder sein. Sie sind gebildet, und zwar universal! Und das bezieht – klar! – sich auf alles, alles Böse (den Trucker, der die Tramperin Sophia getötet haben soll), alles Runde (das makellose Hinterteil des Models Doutzen Krues (88-62-88) und alles Schöne (Intim-Waxing “Mein Anlass für eine erotische Verschönerung war der schnuckelige neue Nachbar mit den verwuschelten Haaren und dem Schlafzimmer-Blick.”)!
Sie interessieren sich daher nicht nur für Sophia Thomalla beim Nackt-Schach, sondern auch für – der Atem stockt – Kunst. Am schönsten wäre natürlich ein dreidimensionales Foto der nackten Schach-Sophia als Kunstobjekt, mit interesselosem Wohlgefallen betrachtet, und zwar gründlich (“jeder Zentimeter ein optischer Genuss“). Aber der BILD-Leser begnügt sich, wenn es sein muss, auch mit einem Kunstwerk, das nicht Sophia heißt, wenn es denn von einem echten Genie stammt, z.B. von Julian Schnabel („geniales Multitalent, als Künstler vertreten in den wichtigsten Museen der Welt“) . Das Genie, der Julian, hat – vermutlich mit nichts an, d.h. nur mit einem Malerkittel bekleidet, unter dem es aber absolut (!) nichts (weder Höschen noch BH) trug, ein Foto, das zwar nicht eine dreidimensionale Doutzen (88-62-88) oder Sophia, aber immerhin das Brandenburger Tor (20-65-11) (enthält Kranz aus sagenhaften 90 Eicheln!) mit jubelnder Menge am Tag der Wiedervereinigung zeigt, für alle BILD-Leser vaterländisch expressiv in ein fantastisches Rosa getaucht, die jubelnden Massen mit jubelnd leuchtendem Blau übermalt und dann sogar noch mit ca 25  Tupfern in der Lieblingsfarbe aller BILD-Leser, nämlich Himbeersahneeis, versehen. Als krönende Zugabe findet sich sowas wie ein riesenhafter Vogel, wohl so eine Art Phoenix, dieser in der sommerlich erfrischend anmutenden Farbe von Engelblaueis (mhmh!). Der farblose Himmel wird durchzogen von einigen erdbeereisroten Streifen, die wie riesige Scheinwerfer wirken und last, but not least von einem feuerwerkartig explodierenden grauen Wuselwasel. Mann!!  „Man spürt“, sagt der geniale Künstler, „dass da etwas Kosmisches passiert.“ Oh, jaaa! Kosmisch! Und das ist noch untertrieben. Dazu ein Titel, der in seinem Witz an Paul Klee erinnert: „Happy Thursday“.
So muss der kunstverständige BILD-Leser das Werk einfach lieben. (Sicherheitshalber haben wir trotzdem noch den ganz entzückenden runden Busen einer Nackt-Schach-Spielerin eingefügt.)

Wo das Denken ist

“Denn wo das Denken ist, kann nichts anderes stattfinden.” (Joseph Beuys)
Der Tyrann Geßler schenkt Wilhelm Tell das Leben, wenn dieser seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießt.
Ja, was ist denn das? Was soll denn das nun schon wieder bedeuten? Wie muss ich das denn verstehen? Was hat sich der Schiller bloß dabei gedacht? Warum stellt Geßler dem Tell nicht die Aufgabe, auf dem vereisten Greyerzersee einen doppelten oder dreifachen Rittberger fehlerfrei und mit einer 6,0 für den künstlerischen Ausdruck hinzulegen? Oder wenn es unbedingt etwas sein soll, was Tells Sohn in Gefahr bringen soll, warum lässt er ihn nicht dessen linkes Ohrläppchen durchbohren, so dass er dort bei Erfolg einen großen modischen Ohrring mit dem Wappen Geßlers einhängen könnte?
Da kommt man ins Grübeln und kommt dann gar nicht wieder heraus aus dem Grübeln. Was sich der Künstler bloß dabei schon wieder gedacht hat, weiß man nicht, denn er hat es nicht dazugeschrieben. Und da man Schiller aufgrund seines Ablebens leider auch nicht mehr interviewen kann, hilft dem Forscher bei solchen schwierigen und zutiefst beunruhigenden Problemen einzig ein Blick in die Biographie, weil die nämlich sofort alles erklärt, was sonst ewig ein Rätsel bliebe. So würde der kunstaffine Grübler in diesem Fall erfahren, dass der Schiller ja in seiner Schreibtischschublade stets einen weich fauligen Apfel aufbewahrte, dessen Duft er einatmete. Und schon fällt es dem Forscher wie Schuppen von den Augen: Aha! Na, klar!
Bei Joseph Beuys ist es genauso.[htsP anchor_text = “Weiterlesen”] Woher diese ungewöhnliche Vorliebe für Filz und Fett? Nur wegen der Alliteration? Nein, das wäre zu kurz gedacht. Die Biographie erklärt wieder einmal alles.
Er war ja – so sagen alle – als Kampfflieger im Dienste des Führers bei der Eroberung des Ostens ebendort abgestürzt, und irgendwelche tatarischen Naturburschen haben ihn mit Filz und Fett vor dem Erfrieren gerettet. Aha! Na, klar! Da verstehen wir dann natürlich: seinen Kampf gegen den Rationalismus, seinen Hang zur Esoterik, seine Nähe zu Altnazis ((Karl Fastabend Boys Sekretär hatte für ihn in den 70er Jahren fast alle Texte formuliert, er war ein Nazi der ersten Stunde, SA-Mann, SS-Mann. Beuys Mitstreiter Johannes Stüttgen veröffentlichte nationalrevolutionäre Texte in einem rechtsextremen Verlag.)) und seine Kandidatur für eine mehr als nationalistische Partei, seine “Born” und “Boden” Rhetorik, seine Teilnahme – noch in den 70er Jahren – an Kameradschaftstreffen von Stuka-Fliegern. Der Absturz im Dienste des Gröfaz hat ihn tief erschüttert – im doppelten Sinne des Wortes. Ja, er hat ihn sogar, wie es sich für ein Genie gehört, nahe an den Wahnsinn gebracht, so dass er sich einbildete, er habe Naturwissenschaften studiert. Aber wie jeder sofort erkennt, war ihm dies natürlich völlig unmöglich. Es mag sein, dass er neidisch auf alle jene blickte, die über die Gabe des Denkens verfügten, aber die Naturwissenschaften waren für jemanden, der den Rationalismus bekämpft, ein kommunistisch rot leuchtendes Tuch.
Doch die Biographie verrät uns noch mehr: Seine unsanfte Landung verleitete ihn dazu, den Aufprall überall wiederzufinden: „Die abendländische Wissenschaft“, so sagt Beuys in seinem wunderbaren Deutsch, „hat es erbracht (…) sich an der Materie zu stoßen.“
Er machte aus der Not, nämlich den durch die Erschütterung verursachten dauerhaften Hirnschäden, eine Tugend und lehnte fortan Klarheit und zwingende Logik auch in der Verwendung wissenschaftlicher Begriffe ab. Da darf dann auch einmal das Kaninchen ein Hase sein, weil er gerne das geläufige Fruchtbarkeitssymbol „Hase“ als „Symbol für die Reinkarnation“ mit weiterem Tiefsinn versehen möchte und zur Begründung (ach, ach! weh!) – hier begibt er sich auf schwankenden Boden, in dem er dann auch ohne weiteres versinkt – anführt, dass der Hase ja in enger Verbindung mit dem Mutterboden stünde, weil er darin „Gänge und Höhlen“ bauen würde. Diese Begründung hat in Hasen- und Kaninchenkreisen für große Heiterkeit gesorgt.
Ob es sich bei dem Apfel auf dem Kopf des jungen Walter Tell um einen Boskoop oder einen leckeren Herbstprinzen handelte, ist nicht bekannt; auch über den Reifegrad des Apfels erfährt man nichts. Jedenfalls war es – so sagen die Quellen – ein weicher Apfel und keine weiche Birne.
Aber jeder Versuch, eine weiche Birne mit dem Pfeil scharfer Rationalität zu treffen und zu zerschneiden, endet zwangsläufig in einem abstoßenden bräunlichen Matsch.
Da wir mit Hilfe der Biographie erklären können, dass der junge Boys (hoho!) aufgrund seines Erlebnisses mit den menschenfreundlichen Tataren Filz und Fett lieben lernte, verstehen wir auch, dass er die Materialien für sich zum Symbol für sein Überleben und die Kraft der Natur erhob, auch wenn es natürlich demjenigen, der nicht von Tataren mit Hilfe von Filz und Fett gerettet (gefettet!!) wurde, eine solche Überhöhung dieser Materialien verständlicherweise etwas kurios vorkommen wird. Der Schamane Beuys  versucht nun dieser möglichen Skepsis dadurch zu begegnen, dass er (oh je! halt ein!) messerscharf analysiert : „Das Fett nimmt den Weg von einer chaotischen zerstreuten, energieungerichteten Form zu einer Form.“ Da Beuys – wir wollen ihn hier Wahnfried nennen –  mit der Vernunft auf dem Kriegsfuß stand, ist das natürlich Poésie pure. Gut, es kann ja sein, dass da so ein Fett „einen Weg nimmt“, wenn es flüssig ist. Kann sein. Mit Skepsis begegnen wir jedoch der Behauptung, dass sein Weg von einer speziellen Form zu einer unspeziellen Form führt. Vollends problematisch erscheint uns, dass das Fett wunderschön „energieungerichtet“ und auch zerstreut sein soll, gerade auch wenn wir nicht selbst zerstreut sind. Endlich kommt aber auch noch der große Auftritt des Fettes: „Dann tritt es auf in der berühmten Fettecke, die jetzt den menschlichen Körper in einer Gegend anschneidet, wo gewisse emotionale Kräfte zu Hause sind.“ Dass das Fett den menschlichen Körper anschneidet, und gar an einer Stelle, wo gewisse (?) emotionale Kräfte zu Hause (!) sind, die nun nicht nur zutiefst verletzt werden, sondern höchstwahrscheinlich auch noch ihr Zuhause verlieren werden, ist schon ganz schön erschütternd. Obwohl … das blutige Bild nachzuvollziehen erfordert eine mächtige Vorstellungskraft und ein schwaches, weil ungesundes Volksempfinden könnte es glattweg für Birnenmus halten. Aber Wahnfried Beuys sagt ja: „Da wo das Denken sich betätigt, bin ich nicht konfrontiert mit einer Sache.“ Sachlich ist eben etwas anderes. Sachlich mochte Beuys gar nicht.
Da sind übrigens noch so andere Sachen, die unseren heftigen Widerspruch herausfordern:
Beuys glaubt: „Der Mensch ist gar kein Erdenwesen.“ Hoppla! Naja.
Aber was um Himmels willen sollen wir davon halten, dass Beuys sagt: Der Mensch ist praktisch (!) ein Bienenschwarm“. Das kann man doch so nicht stehen lassen. Jedenfalls erkläre ich für mich: Ich bin praktisch gar  kein Bienenschwarm. Wirklich nicht.
Ob Beuys einer war, weiß ich nicht, aber
ich glaube, dass er nicht mal eine einzige Biene war und selbstverständlich auch kein Hase in irgendeinem unterirdischen Bauwerk.
Beuys meint auch, Sinn des Denkens sei es, „die Materie zu erweichen“. Ob ihm das wohl gelungen ist? Selbst bei Uri Geller war schließlich alles nur Trickserei.
Wenn Beuys allerdings lehrt, dass Fett und Honig Wärme und Kälte verkörpern bzw. das Chaotisch-Willensmäßige, die Polarität von Natur und Geist, dann heißt es endlich einmal zugeben: klare Sache! Genau! Und dem ist absolut nichts hinzuzufügen![/htsP]