Für das Feuillleton

Wenn ich ein Vöglein1 wär2
und auch zwei3 Flügel4 hätt,
flög5 ich zu dir.
Weils aber nicht kann sein6,
bleib ich all hier.7

Bin ich gleich weit von dir,8 ,
bin ich doch im Traum bei dir 9
und red mit dir; 10
wenn ich erwachen tu, 11
bin ich allein.12

Es vergeht kein’ Stund in der Nacht, 13
da nicht mein Herz erwacht14
und an dich denkt,15
dass du mir viel tausendmal, 16
dein Herz geschenkt.17

 

Minnie, Micky und Markus

Können Sie sich vorstellen, dass jemand, der mit Vornamen Micky heißt, in einer seriösen Zeitung wie der „Süddeutschen“1 schreibt? Nein, eher wohl, dass er bei einem der RTLs mit Chris Tall unheimlich (!) witzig ist oder mit dem investigativen Mario Barth irgendwelche anscheinend todernst gemeinte Dummheiten verzapft. Aber vielleicht heißt er ja gar nicht Micky Beisenherz, auch nicht Michael Beisenherz, sondern vielleicht einfach nur Gaston Sauermilch – so wie der schauerliche Chris Tall eigentlich den lustigen Namen Christopher Nast trägt.
Ein Herzelein ist der Beisenherz aber tatsächlich. So sucht er seinen Freund, den ‘schönen’ („Deutschlands schönste Grillzange“) Markus Lanz mit seinem „glänzenden Anzug“, seinem offenbar ergiebig duftenden „Parfum“ („wie wohl Lanz’ Parfum heißt“?) und seinen Stirnfalten à la Hugh Grant zu pushen. Er kennt den Markus gut, „hockt“ oft in seiner Garderobe und bewundert dort seine „Stiefeletten“. Lanz hat zwar einst bei RTL „den letzten Quatsch wegmoderiert“, Beiträge, „in denen Nacktsängerinnen den Neustart auf Mallorca schaffen“, oder waren es – der Artikel widerspricht sich da – doch „Nacktschwimmerinnen“?


Aber dann sei „aus Markus Lanz Markus Lanz“ geworden, der jetzt, so behauptet unser Micky, die „oft interessanteste“ und „eigentlich immer unterhaltsamste politische Talkschau im deutschen Fernsehen“ moderiert. Wow. Nun muss an dieser Stelle allerdings gesagt werden: Der Micky ist des Markus’ Freund. Ihre Sendungen – Micky arbeitet bei n-tv und  (richtig geraten!)  RTL II – haben den gleichen Produzenten.
Unser Micky Beisenherz begründet sein enthusiastisches Urteil über Lanz damit, dass dieser seine politischen Talkgäste zerstöre („Laschet, der dort jüngst im Grunde zerstört wurde“). Das ist nun nicht unbedingt eine Tugend; man könnte sich auch vorstellen, dass sich in so einer Sendung Menschen argumentativ auseinandersetzen. Es ist nicht etwa einfach so, dass Micky ein solches Streitgespräch langweilig fände. Er behauptet ja vielmehr, Lanz entwickle das Gespräch „zum Kammerspiel“. Wie das aussieht, zeigt er dann tatsächlich an einem Beispiel:
„Herr Habeck. Sie waren eher dünnhäutig die letzten Male, als wir uns gesehen haben.“
„Nein.“
„Doch, jetzt auch wieder.“
„Nein.“
„Doch“
Da ist der Habeck natürlich auf subtile Art (“Kammerspiel”) politisch zerstört worden – dank Markus Lanz.
Unser sprachgewandter Micky erklärt dazu: „Es liegt nun in (!) der politischen Heimat des Betrachters (!), dass Lanz’ Fragetechnik (?) entweder als kritisches Nachhaken empfunden (!) wírd oder als unerträgliche Masche eines Konservativen aus den Bergen Südtirols. ,Nein.’ ,Doch.’ ,Nein.’ ,Doch.’ ,Es geht hier um Deutschland.’ ,Das ist jetzt billig!’ Und so weiter!“ Donnerwetter: Kammerspiel eben!
Wie kam dieser keine Blödheit scheuende Artikel in die „Süddeutsche“? Wird die Redaktion “Medien” vielleicht von einer Frau geführt, die Minnie heißt?
Kennen Sie eine andere Erklärung?

Wer ist Erdoǧan?

Sackdoof, feige und verklemmt
ist ***, der Präsident.

Er ist der Mann, der Mädchen schlägt
und dabei Gummimasken trägt.
Am liebsten mag er Ziegen ***
und Minderheiten unterdrücken.

Das ist nicht schön, was hier über einen Präsidenten gesagt wird. So etwas hört niemand gern über sich. Der türkische Präsident hat das Gedicht  – doch wohl zu Unrecht – auf sich bezogen, weil der Name Erdoǧan darin auftaucht und mit einem türkischen Präsidenten assoziiert wird, und er war sehr verletzt.
Aber kann mit diesem Gedicht überhaupt Erdoǧan, der türkische Präsident, gemeint sein?
Da werden möglicherweise ehrenrührige Behauptungen aufgestellt über körperliche Gebrechen („Schrumpelklöten“), mangelnde Körperhygiene („Selbst ein Schweinefurz riecht schöner“) sowie sexuelle Vorlieben des betreffenden Präsidenten, die frei erfunden sind, da es kaum vorstellbar ist, wie der Autor dieses Schmähgedichts zu solch intimen Kenntnissen der Person („Schrumpelklöten“) gelangt sein soll, so dass sie, wenn sie überhaupt eine reale Person betreffen sollten, dann nur einen Namensvetter des Präsidenten, etwa den Präsidenten eines Fußballvereins mit gleichem Namen, meinen können. (Etwa 223577 Personen tragen diesen Namen – vornehmlich in der Türkei.1) Sie entstammen aber ohnehin höchstwahrscheinlich nur der schmutzigen Phantasie des – besser anonym bleibenden – Autors. Im Grunde ist es zudem ja auch nebensächlich, ob der betreffende Präsident, wenn er Mädchen schlägt, dabei Gummimasken (gleich mehrere? wie viele? alle auf einmal?) trägt. Es würde schon genügen, dass er Mädchen schlägt. Wenn er das tut, sollte er es aber unbedingt unterlassen. Denn das ist gemein.
Und was die Ziegen angeht, von denen in diesem Machwerk die Rede ist, so können Ziegen, besonders Zicklein, possierliche und vor allem wohlschmeckende Tiere sein; darum muss es ein Bewunderer solcher Tiere aber nicht so weit treiben, dass ihn seine ekstatische Hingabe an die Ziegen zu sexuellen Handlungen treibt. Was hier unterstellt wird, ist aber – soviel kann man wohl feststellen – auch eher selten. Und wenn der schäbige Autor dieser Invektive nun andeuten will, dass ein solches Verhalten gerade bei einem türkischen Präsidenten namens Erdoǧan zu finden wäre, der über einen riesigen, prunkvoll ausgestatteten Palast verfügt, von dem ein schmuckes Mädchen aus Wohnungssuche nur träumen kann, nämlich mit einer Gebäudefläche von 40.000 Quadratmetern und etwa eintausend Zimmern, mit Kristalllüstern, goldglänzenden Vorhängen und vielen, vielen Fahnen ausgestattet und in einem Naturschutzgebiet gelegen, und der folglich mit seiner Aura von Macht und Reichtum durchaus die eine oder andere glutäugige Geliebte, und zwar eben keine Ziege, in seinen Harem locken könnte – sein angetrautes, geziemend verschleiertes Weib hätte nach alter Sitte gefälligst die Klappe zu halten -, so erscheint dies vollends äußerst unwahrscheinlich.
Auch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass das „Gedicht“ keine formalen Feinheiten aufweist, was Bildsprache, Rhythmus, Reime („-icken“ – „-ücken“) usw. betrifft. Von Schönheit kann bei diesem „Kunst“werk also keine Rede sein. Daran ändert auch die Wortschöpfung „sackdoof“ überhaupt nichts.

Recep Erdoǧan, der türkische Präsident, schlägt Frauen nach unseren Kenntnissen nicht, und wenn, dann nicht sehr kräftig, vermutlich kaum. Aber durch seinen Austritt aus der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen liefert er diese seinen männlichen Landsleuten aus, von denen der eine oder andere gerne auch einmal in seinem Überschwang einen Ehrenmord an Frau oder Tochter begeht. Wer meint. das kritisieren zu müssen, dem muss allerdings entgegnet werden, dass es ganz einfach eine Frage der türkischen Identität ist, sich in solchen Fragen von allen Modernismen des dekadenten Westens zu distanzieren.
Wenn Erdoǧan übrigens in dem Schmähgedicht „schwul“ genannt wird, so ist darauf zu erwidern, dass das, wenn es wahr wäre, nicht nur seine Privatsache wäre, sondern dass er ja darüber hinaus tatsächlich Schwule sogar verfolgen lässt, was Schwule als solche nur selten tun. Vielmehr liebt ein reiner Türke Frauen, die nicht um jeden Preis hübsch sein müssen, da sie ja meist verhüllt rumlaufen, aber gefügig 2. Und wenn der heiratswillige Türke einmal unter Kopftuch, Schleier und Burka nach kurzem Werben beim zukünftigen Schwiegervater und Übergabe eines passenden Kaufbetrages an diesen schließlich entdeckt, dass er hereingelegt wurde und sich unter dem Hidschab ein abgefeimter männlicher Schwuler verbarg, dann verstößt er diesen meist sofort. Und es kommt überdies zu einer Blutfehde mit der gesamten betrügerischen Familie, die ihm den Kerl untergeschoben hat: Tod allen bis zu den Omas und Babies. Es ist eine Frage der türkischen Identität.
Nun gut, es muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass Erdoǧan wie jeder Sterbliche auch seine Schwächen hat: Er fühlt sich z.B. nur gut, wenn er lauter Gleichgesinnte um sich hat, die ihn anhimmeln. Das ist sehr menschlich. Darum verfolgt er Kurden und hat auch mit Christen und deren Identität (Hagia Sophia) nicht viel im Sinn. Und er hasst es generell, wenn Menschen anderer Meinung sind als er und diese Meinungsverschiedenheit in Form vom Kritik an ihm öffentlich äußern. Da gerät er schon einmal wirklich in Rage.
Solche Aufmüpfigen wirft er dann flugs in den Kerker, wenn sie nicht gerade als Beauftragte der EU zu ihm gekommen sind und z.B. Ursula von der Leyen heißen. Selbstverständlich bringt er sie nicht persönlich hinter Gittern, sondern er lässt es seine Justiz tun, die praktischer Weise von lauter Personen repräsentiert wird, die er selbst ausgesucht hat und die die türkische Identität hochhalten. Dieser Erdoǧan ist schon ein schlauer Hund. So muss z.B. Canan Kaftancioǧlu, eine Frau (!), die als Chefin der örtlichen oppositionellen CHP Erdoǧan in Istanbul 2019 bei den Wahlen eine Niederlage zugefügt hatte, fürchten, für mehr als acht Jahre ins Gefängnis gesperrt  zu werden, weil sie via Twitter den türkischen Staat „erniedrigt“ haben soll. Es war sicher für sie nicht leicht, einen Staat zu „erniedrigen“. Es fällt einem schwer, sich vorzustellen, wie das gehen soll. Sie muss schon ziemlich raffiniert vorgegangen sein. Irgendwie muss sie es aber geschafft haben, es sei denn Erdoǧan setzt seine Person und den Staat gleich.
Das Beispiel Canan Kaftancioǧlu zeigt: Frauen können ganz schön fies sein, so dass einem schon mal die Hand ausrutschen kann. Sie hat nämlich
mehrmals den Präsidenten kritisiert und ihn folglich beleidigt. Das hätte sie wissen müssen: Erdoǧan ist ja sofort beleidigt, wenn man ihn kritisiert. Da darf Canan Kaftancioǧlu sich nicht wundern. Wenn sie aber denkt, sie könnte selbst beleidigt sein, wenn der Innenminister Süleyman Soylu sie als „Närrin“ und Handlangerin der terroristischen PKK bezeichnet, dann zeigt sie nur, wie wenig Hirn Frauen haben. Denn zum einen ist sie ja nur eine Frau und somit nicht berechtigt, beleidigt zu sein, und zum anderen hat Soylu sie ja gar nicht beleidigt. weil tatsächlich eben nur Narren bzw. Närrinnen jemanden wie Erdoǧan kritisieren können. Und man weiß ja im übrigen auch, dass die PKK Erdoǧan gegenüber in übler Weise jeden Respekt vermissen lässt. Sonst hätte sie sich schon selbst abgeschafft. Das ist auf jeden Fall eine Art Terrorismus. Und wer sie nicht mit allen Kräften bekämpft, ist folglich selbst ein Terrorist.
Auch der frühere Co-Vorsitzende der prokurdischen HDP Demirtaș ist wegen Präsidentenbeleidigung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ob er ihm womöglich Selbstbeweihräucherung oder gar Machtmissbrauch nachgesagt hat? Das wäre allerdings nicht nur ungeschickt, sondern auch schlimm und hätte unbedingt dreieinhalb Jahre Haft verdient. (Er sitzt ohnehin seit vier Jahren ohne Verfahren wegen Terrorismusvorwürfen in Untersuchungshaft.) Da er einer Partei angehört, die u.a. die Interessen der kurdischen Minderheit vertritt, macht er offensichtlich
mit Terroristen gemeinsame Sache. Und was hat so einer verdient? Richtig! Er wird im Gefängnis (laut möglicher Anklage) 142 Jahre Zeit haben, sich zu läutern und von den Kurden in der Türkei zu distanzieren. Das wäre wahrlich ein weises und humanes Urteil.

Opfer nicht nur unter den Dachdeckern! Neues von der Sprachfront

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
So hat es Jakob van Hoddis einst kommen sehen. Es ist ein blutiger Kampf. Es geht um Leben und Tod, wie Sebastian Sick vor wenigen Jahren feststellte: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.“

Süßer Genitiv

Sick sah in seinem gleichnamigen Werk den mörderischen Dativ kurz vor dem endgültigen Sieg und suchte den einst heiß geliebten und verehrten, nun aber nur noch bedauernswerten Genitiv vor dessen Ausmerzung zu bewahren. Sein verdienstvolles Werk löste bei Gebildeten – und vor allem auch bei Ungebildeten –  Empörung aus. Bürger aus allen Schichten des deutschen Volkes schlossen sich zu Kampfbünden zusammen und zielten in eiserner Front mit Bomben und Granaten unbarmherzig auf jeden noch so unscheinbaren, bis dahin arglos in seiner scheinbaren Korrektheit ruhenden Dativ. So verhalfen sie  – heureka! – des Genitivs zu einer nie dagewesenen Stärke. Er wurde vergöttert und ist nun allgegenwärtig. Denn in des Zweifelsfalls greifen die sprachlich Ungebildeten – und davon gibt es dank des permissiv-seichten Schulwesens Unzählige – nun nur noch zu des Genitivs.
Der Genitiv hat in seines mörderischen Kampfes gegen  des Dativs (ja, auch des Akkusativs!)  einen nie dagewesenen Siegeszug angetreten:

Dreckiger Dativ

Es heißt nun, so kann man der Medien entnehmen – „entgegen des Willens“ und „gegenüber des Hauses“; ja, er vernichtet sogar den Akkusativ in festen Wendungen, wenn man in den Medien hört: „wider besseren Wissens“. Alle -tive, Nomina-, Da-, Akkusa-, versinken in des Sodoms und Gomorras. Es Seiner bleibt nur einer eines: des Genitivs.

 

Herberts Herbst

Was fangen wir denn nun schon wieder mit diesem Herbst an?

Herr, es ist Zeit!
Herbert! Beeilen!
Einer herrscht!
Ach, der Herrbscht?
Der Herr, Bert!
Herr? Pst!
So einer?
Der Herr! Bete! Reime! Rilke!
Herb. Verderb.
Jedoch der Sommer
war sehr (!) groß.
Ernst?!
Wir alle fallen. W. (Weeeh!)
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Einer? Heiner?
Rainer? Eberhard?
Nein, der doch nicht!
Jalke? Rindl?
Herbert!!!

P.S. Übrigens ganz schlechte Zeit zum Hausbauen 1