Herberts Herbst

Was fangen wir denn nun schon wieder mit diesem Herbst an?

Herr, es ist Zeit!
Herbert! Beeilen!
Einer herrscht!
Ach, der Herrbscht?
Der Herr, Bert!
Herr? Pst!
So einer?
Der Herr! Bete! Reime! Rilke!
Herb. Verderb.
Jedoch der Sommer
war sehr (!) groß.
Ernst?!
Wir alle fallen. W. (Weeeh!)
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Einer? Heiner?
Rainer? Eberhard?
Nein, der doch nicht!
Jalke? Rindl?
Herbert!!!

P.S. Übrigens ganz schlechte Zeit zum Hausbauen 1

Ungebremster Frohsinn

du da du da du da da duuhuuu da
daramm daramm daramm dada
schmackel schmackel bunz bunz
üzen üzen schniäärkh chrzzz üzen üzen
bummschi bummschi bumm
Unsichtbare Fäden:
Der Kopf wackelt, die Füße wippen, der Oberkörper wiegt sich, der Unterkörper wiegt sich, untere Gliedmaßen schleudern durch die Luft, obere Gliedmaßen schleudern durch die Luft, es zuckt und hüpft und beugt und windet sich.
Ja, was?
Nimm den goldenen Ring von mir
bist du traurig, dann sagt er dir dam-dam, dam-dam
Blau blau blau blüht der Enzian
Schwarzbraun ist die Haselnuss
SA marschiert, die Reihen fest geschlossen
sag mir quando
wenn beim Alpenglühen wir uns wiedersehen
yeah yeah yeah yeah
shake my body
Oh baby baby ballaballa

Eintönig

Grey 1974 Gerhard Richter

Das linke Bild aus der Reihe von Gerhard Richters Grey Paintings – ein englischer Titel von Werken und Ausstellungen gehört nun einmal unbedingt in unsere kosmopolitisch fühlende Kulturwelt! – hat den schlichten, aber treffenden Titel Grey und ist ganz anders als eines der blauen Werke von Yves Klein: allein schon aufgrund der ganz anderen Farbe!
Nichts überzeugt mehr als die ausschließliche Konzentration auf die Farbe: überwältigend!
Außerdem muss man natürlich wissen, dass diesem Werk Richters eigentlich ein wunderbar gelungenes Gemälde der Montagne Sainte Victoire  zugrunde liegt, das er immer weiter abstrahierend übermalt hat. Oder doch nicht?
Leider kann man die ganze faszinierende Ästhetik der Farben in den Bildern von Richter und Klein nur im Original erkennen, das uns selbstverständlich nicht zur Verfügung steht.
Ein Kauf stellt jedenfalls eine hervorragende Geldanlage dar – gerade auch angesichts der exklusiven Höhe der Preise. Die ebenfalls wohlhabenden Freunde des Käufers werden vor Neid erblassen – oder schwarz werden.
Lassen Sie sich jedoch auf keinen Fall das unten abgebildete Werk (Red 103) aufschwatzen. Es ist weder von Richter noch von Klein, sondern gefährlich: es kann unkontrollierbare psychische Prozesse auslösen.
Vom monochromen Meisterwerk “White 17”, eines der am meisten kopierten Chefs d’oeuvre eines unbekannten Meisters (Banksy?), gehen dagegen, soweit bekannt, so gut wie keine negativen Strömungen aus, und es soll auch deshalb den Höhepunkt am Schluss unserer hoffentlich deeply inspiring Darstellung bilden.

White 17

Das Streben nach Höherem

Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum
schon meint, dass er ein Vogel wär,
so irrt sich der.

Das Ehepaar G** hat es im Bereich Fäkalienentsorgung zu überragendem Expertentum und daraus resultierendem Wohlstand gebracht. Im Bereich Fäkalien macht ihnen so leicht niemand etwas vor. Aber darauf wollten sie keineswegs ausruhen; sie strebten nach Höherem, also nach “Kultur”, und hatten das Geld für ein Beraterteam, das ihnen zu “Blue Chips“ aus dem Bereich der bildenden Kunst verhalf, z.B. Jeff Koons 1. Jetzt führen sie die erworbenen Werke in hellen, gut geheizten Räumen stolz bei einem Gläschen Sekt ihren wohlhabenden Freunden vor. Und tatsächlich zeigt deren Reaktion, dass Scheiße nicht stinken muss.

Sprachblüten

Ach, Christoph Gurk,
Sie haben es nicht leicht. Eigentlich wollten Sie ja Sport studieren. Aber man hat Sie offenbar gezwungen, Journalist zu werden. Und da haben wir das Malheur: Nun ist nicht der Sportsfreund, sondern die deutsche Sprache Ihr Gegenpart. Und zum Entsetzen vieler, die sich dieser Sprache bedienen wollen, unterscheidet sie tatsächlich neben dem Nominativ (Werfall) noch Akkusativ (Wenfall), Dativ (Wemfall) und Genitiv (Wesfall). (Oh je, man schaut schon so kaum durch! Wenn es da auch noch den Ablativ und den Vokativ gäbe!) Das ist zugegeben sehr verwirrend. Und da haben Sie nun irgendwann etwas gelesen mit der seltenen Präposition (Verhältniswort) „wider“ und in der Redewendung gefolgt von dem Nomen (Substantiv, Hauptwort, Dingwort) „Wissen“: „wider besseres Wissen“. Aus dem Zusammenhang ergab sich, dass „wider“ soviel hieß wie „gegen“. Nur hieß es eben nicht „gegen“, sondern etwas altertümlich „wider“. Aber es hat Sie mächtig verunsichert: „wider besseres Wissen“? Das war wahrscheinlich der Dativ oder doch der Akkusativ? Oder wegen des „s“ am Ende von „besseres“ doch eher der Genitiv?


Aber es gab ja den Trend, den Genitiv auszurotten („der Toten gedenken“ – das hört hört sich ja – hihi – total ulkig an), und die Gegenbewegung „Rettet den Genitiv!“ Und deren verunsicherte, aber um so aggressivere Anhänger sehen nicht mehr Freund noch Feind, weder Dativ noch Akkusativ; sie kennen nur noch einen – vaterländischen – Genitiv! Und so schreiben auch Sie „wider allen besseren Wissens“ (Süddeutsche 13.5.20. S.7) Aber Blindheit schützt vor Unrecht nicht: Die Präposition „wider“ ist kurz vor dem Aussterben1; es ist unser aller moralische Pflicht, sie zu bewahren, und zwar in ihrer reizenden, mit ein wenig Patina versehenen Ursprünglichkeit – den Akkusativ regierend.
Ach, Christoph Gurk, haben Sie Mitleid, retten Sie die Nicht-Genitive, den Dativ und den Akkusativ. Auch sie möchten leben. Der Sprachgott wird es Ihrer Ihnen vergelten („Sie dafür belohnen“). Er wird es Ihnen danken, wenn dank Ihrer Ihnen die deutsche Sprachflora weiter wider allen Misslichkeiten herrlich vielfältige Blüten treibt.
Mit diesem Wunsch und überhaupt allen (ohne Ausnahme) guten Wünschen
Gerd Busch