Über Omas

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motorrad, Motorrad.
Das sind 1000 Liter Super jeden Monat.
Meine Oma ist ne alte Umweltsau!
Meine Oma sagt Motorradfahr’n ist voll cool, echt voll cool, echt voll cool.
Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl.
Meine Oma ist ne alte Umweltsau.
Meine Oma fährt im SUV beim Arzt vor, beim Arzt vor, beim Arzt vor.
Sie überfährt dabei zwei Opis mit Rollator.
Meine Oma ist ne alte Umweltsau.
Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett,
weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet.
Meine Oma ist ne alte Umweltsau.
Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert, geläutert, geläutert.
Stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ‘ne Kreuzfahrt.
Meine Oma ist doch keine Umweltsau.

Pfuiiiiii!

Hiermit entschuldigen wir uns wegen dieses im WDR2 gesendeten Liedtextes im Namen der Gemeinschaft aller Wohlmeinenden bei allen Großmüttern, die je im Hühnerstall Motorrad gefahren sind, sowie bei den Großvätern, die möglicherweise ebenfalls im Hühnerstall Motorrad gefahren sein könnten – wir wissen darüber bisher noch nicht, ob das Motorradfahren im Hühnerstall rein geschlechtsspezifisch war -, und überhaupt bei allen älteren Menschen, die im Leben hart gearbeitet haben wie der Großvater von WDR-Intendant Tom Buhrows Kindern (Buhrow: „Ich kann sagen: Mein Vater ist keine Umweltsau. Er hat sein Leben lang hart gearbeitet.“), der, was man Buhrow gern glauben will, sein Leben lang ebensowenig wie seine Frau je im Hühnerstall Motorrad gefahren ist, und entschuldigen uns auch bei allen anderen älteren Herren und vor allem natürlich Damen, die beileibe nicht alle außerhalb des Hühnerstalls SUVs gefahren sind, sondern zum Teil auch nur bescheiden einen Opel Kadett oder gar nur ein Fahrrad (!): Dass sie nun von kleinen süßen Mädels im WDR als Umweltsäue besungen wurden 1, hat uns alle tief erschüttert.

Oma Susi und BILD

Auch entspricht es einfach nicht den Tatsachen, dass unsere Oma gleich zwei ältere Mitbürger mit Rollator durch überhöhte Geschwindigkeit überfahren hat. BILD hat darüber nichts berichtet. Das ist reine “Hetze” (FDP-RundfunkratsmitgkiedThomas Nückel). Hier wurden wirklich alle Grenzen überschritten. Omi Susi West – und sie spricht hier sicher für alle anständigen Omis – fällt es schon schwer, auch nur „dieses Wort auszusprechen“ (Leserzuschrift „Cicero“); gemeint ist das schreckliche Wort “Sau”, das auch wir hier nicht aussprechen wollen, sondern nur der Klarstellung wegen mit Schaudern und voller Scham niederschreiben. Das Lied beinhaltet – soviel ist klar – ,unflätige Hetze gegen ältere Frauen’ (Leserzuschrift „Cicero“ Wolfgang Trübner), damit ist „der Strafbestand der Verächtlichmachung einer Bevölkerungsgruppe“ erfüllt (Leserzuschrift „Cicero“ Achim Köster) Und nicht nur Leser Alfred Kantner vermisst „Anstand und Respekt“ (Leserzuschrift „Cicero“). Darauf haben nämlich selbst im Hühnerstall Mororrad fahrende Großmütter ein Anrecht, von den Hühnern ganz zu schweigen.

Ehret die Alten

Was wir niemals vergessen dürfen: „Viele Ältere haben den Wohlstand unseres Landes aufgebaut.“ (Ministerpräsident Armin Laschet). Darunter auch Hunderte Hühnerställe. Und von wegen witzig: Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) findet es „nicht witzig, wenn meine studierten, umweltbewusst lebenden Nichten & Neffen meine Mama, also ihre Oma, alte ,Umweltsau’ nennen.“ Da wäre für diese Studierten Stubenarrest die einzig richtige Antwort! Obwohl ja am Ende des Liedes die Oma rehabilitiert wird, wenn es dort heißt, sie sei “doch keine Umweltsau“. Es ist jedenfalls aber gut, dass sich Tom Buhrow sofort im Namen aller Öffentlich-Rechtlichen entschuldigt und für eine Extra-Entschuldigungssendung gesorgt hat.2

Couragierter Tom Buhrow

Zum Glück gibt es nicht nur sensible Ministerpräsidenten und Intendanten, sondern auch die engagierten Bürger von AfD und andere Rechtsradikale, die vor dem ganz offensichtlich rot-grün versifften Sender demonstrieren: Sie nennen den Chorleiter einen „Kinderschänder“, singen „deutsche Omas über alles“. Und zu guter Letzt sprechen sie noch Morddrohungen gegen beteiligte Mitarbeiter aus, was allerdings Tom Buhrow couragiert als nicht gerechtfertigt verurteilt.3
Ist dies Satire? Das Lied ist es, wie wir nun alle wissen, auf keinen Fall.

Ei der Daus!

„Die Abendsonne wirft letzte Strahlen auf die Dorfkirche, die Berge dahinter liegen schon im Schatten. Auf dem Dorfplatz … “
Leider erhält der Leser keine weitere Informationen, z.B. über den Aufenthaltsort Bambis oder darüber, ob noch eine Lerche halb im Traum noch ein letztes Tirili ertönen lässt oder aus dem Blätterrauschen der Linde ein sanftes Lied erklingt. Statt dessen erfährt er von einem „kleinen Kunststück“: „Ausgerechnet jene Schweizer Partei, die neben ausländerfeindlichen Parolen bekannt ist für ein eher rückständiges Frauen- und Familienbild, hat es geschafft, eine erfolgreiche Unternehmerin und Mutter von drei Kindern zu ihrer Vorzeigefrau zu machen“, nämlich Frau Martullo-Blocher. Dabei ist sie – wie man gleich im ersten Satz erfährt – sogar „kleiner als ihr“ – bereits als Unternehmer und Politiker der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei mächtiger – „Vater“ Christoph Blocher.
Ja, ei der Daus! Wie konnte das geschehen? Der Leser muss einige Zeit grübeln, bis er erfährt (einundsachtzig Zeilen später), „dass das Geld der Unternehmerfamilie Blocher eine nicht unwesentliche Rolle bei ihrem Aufstieg spielt. Es steckt inzwischen in einigen Medienunternehmen, die Vater Blocher in den vergangenen Jahren gekauft hat.“ (Isabel Pfaff: Auf dem Weg zur Dynastie. Süddeutsche Zeitung 18.10.19)
Beste Journalistenschule!

Gauführer

“Ich habe eine bessere Bildung als sie, ich bin klüger als sie, ich bin auf die besten Schulen gegangen, sie nicht. Viel schöneres Haus, viel schönere Wohnung, alles viel schöner. Und ich bin Präsident, und sie nicht.” 1
Liebe Freunde von der AfD, kann man über – euer Vorbild – Trump Witze machen, oder muss bei diesem Gegenstand der Witz versagen?

Margot Honecker oder Hannelore Kohl?

Manche meinen, das Feuilleton diene ausschließlich der Demonstration, wie man mit hohlen Phrasen ein absolutes Nichts ausdrücken kann. Das ist jedoch ein allzu kritisches Urteil. Manchmal stellt es seinen Leser auch vor Fragen essenzieller Bedeutung, von deren bedrängender Existenz er ohne das Feuilleton keine Ahnung hatte. So berichtet die verdienstvolle Feuilletonistin Suzan Vabazadeh von der „Süddeutschen Zeitung“ mit ihrem unheimlichen Gespür für Probleme, die wir Menschen gerne verdrängen, die aber gerade deswegen um so dringender ans Tageslicht gezerrt werden müssen, von der „amerikanischen Wissenschaftlerin Kristen Ghodsee“ und deren Frage, ob „Frauen im Sozialismus besseren Sex hatten“. Die Wissenschaftlerin Ghodsee, soviel sei verraten, vertritt die These, dass der Sozialismus in diesem Bereich überlegen gewesen sei, worauf aber die unglaubliche Suzan Vabazadeh dem verunsicherten Leser ihre Frage entgegenschleudert: „Kann der Kapitalismus das auf sich sitzen lassen?“
Wie diese Frage beantwortet werden muss, wissen wir momentan noch nicht, weil der Artikel immerhin eine ganze Seite beansprucht und wir uns deshalb dessen Lektüre ((Süddeutsche Zeitung 22.12.18)) für einen Moment länger währender Muße aufbewahren wollen.

Wer schießt? Kahrs oder Ronaldo?

– Na, Kleiner, was möchtest du denn werden, wenn du mal groß bist? Weltraumpilot oder Christiano Ronaldo?
– Oh, ich möchte Krankenpfleger werden oder Sanitäter oder Arzt oder Politiker.
– Ohje, also Samariter? Und Politiker zählst du auch dazu?
– Ja, wollen die denn nicht auch den Menschen etwas Gutes tun und setzen sich mit aller Kraft dafür ein?
–  Naja, ich bin da nicht so sicher. Aber schlag dir zunächst einmal das mit dem Krankenpfleger oder Sanitäter aus dem Kopf. Du willst ja wohl später mal im Rentenalter nicht so arm sein, dass du nicht weißt, wie du deine Miete bezahlen sollst. Arzt oder Politiker ist schon besser, wenn du im Alter nicht auf der Straße sitzen, sondern einen dicken Sportwagen fahren und eine Luxusvilla besitzen willst mit vielen Säulen und eine Yacht, auf der man Bunga Bunga spielen kann. Aber als Arzt … Wenn du als Arzt dich um Leidende kümmern willst, z.B. in Gebieten, wo Krieg oder Seuchen herrschen, kann es sein, dass du schon tot bist, bevor du den Menschen richtig helfen konntest. Das kann dir als Schönheitschirurg, möglichst mit deiner eigenen Klinik, natürlich nicht passieren. Aber wunderbar kann es auch der Politiker haben![htsP anchor_text = “Weiterlesen”] Da bist du jeden Tag im Fernsehen und in der Bild-Zeitung zu sehen, wenn du so ein Söder, Schröder, Dobrindt, Trump oder Berlusconi bist. Das ist eine feine Sache. Ja, man muss Ehrgeiz haben, man muss sich Ziele setzen für die Menschen: Sie sollen dich bewundern, neidisch sein. Nur nicht so ein grauer Alltagsmensch! Es ist deprimierend, wenn du so ein Joschka bist und ganz allein dich für ungemein wichtig hältst. Verdammt nochmal, die ganze Welt muss dein Genie bewundern. Das Spieglein, Spieglein an der Wand, das sind die Medien. Und so ein Joschka hätte nicht viel Aufmerksamkeit erhalten, wenn er nicht ständig umher gerannt wäre und mit der sanften Stimme des Überlegenen allen erzählt hätte, dass er ein toller Kerl wäre, obwohl er doch nur 1,70 m misst und etwas dicklich von Statur ist und deshalb trotz fünf Ehen ganz und gar nicht der Schönste im ganzen Land. Oder der Gerhard mag sich die dickste Zigarre in den breiten Mund stecken und eine sonore Stimme haben, aber er singt eben doch nicht so schön wie Caruso oder die Callas. Sein Bild auf der Titelseite der “Bunten” – da ist man wer.
– Ich dachte, Politiker müssen etwas Gutes wollen für die Menschen, nicht nur für sich.
– Klar, man muss als Politiker schon irgendwie für irgendwas sein: Der Gerhard hat sich zunächst bei den Jusos gegen die Macht des Kapitals engagiert (darüber hat er sich später halb totgelacht), aber dann doch lieber –  wie der Christian Lindner – für die Wirtschaftsunternehmen . Und der Joschka war mal wütender Linker gegen Atomkraft, dann aber lieber Lobbyist für RWE, Siemens, BMW. Das war auf jeden Fall lukrativ.
Einen Standpunkt haben – das kommt teuer und ist etwas für halbwüchsige Idealisten. Man kann auch einfach nur für die Interessen einer mächtigen Clique, Schicht, Klasse eintreten. Laut Warren Buffett – das ist einer der reichsten Männer der Welt – befinden wir uns ja im Klassenkampf ((“Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht.”)), und da kann man sich mehr oder minder heimlich oder auch ganz offen wie z.B. der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs als Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels für die Sieger in diesem Kampf einsetzen. Das ist normalerweise nicht ganz unprofitabel; so sind z.B. auch Rüstungsfirmen wie Rheinmetall zwar für den Iealisten ein Horror, aber gerade deshalb sehr spendabel. Das kannst du den SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs fragen – jaja, Kahrs, den Burschenschaftler vom rechten Seeheimer Kreis, dem auch unser Finanzminister angehört.
Im Grunde geht es ja nur um eines im Leben: Kohle machen. Du wirst es schon noch schnell lernen. Wenn man aber so wie viele Politiker in Afrika oder Lateinamerika ganz offen nur die Vervielfachung seines Vermögens als einziges Ziel verfolgt, so gewinnt man damit keine Anhänger, dann muss man zur Gewalt greifen, man braucht Waffen und Soldaten. Man sollte es daher nicht an die große Glocke hängen, dass man sich nur für sich selbst interessiert.Im Gegenteil ist äußerste Vorsicht geboten, sonst kommt es ans Licht. Gerade jetzt erfährt man von der rechten Lega Nord in Italien: Es fehlen 49 Millionen aus der Parteikasse, und man weiß, dass die „Family“ – ein Ordner mit dieser Aufschrift fand sich im Safe des Schatzmeisters der Partei – des Vorsitzenden Umberto Bossi sie wie einen Bankomaten nutzte. Nun soll er ins Gefängnis. Papa Umberto war dabei gar nicht nur egoistisch, denn er sorgte ja für die ganze Familie. So bezahlte er u.a. immerhin 77 000 € aus der Parteikasse für die Urkunde eines erfolgreichen Betriebswirtschaftsstudiums seines Sohnes an einer albanischen Universität in Tirana, die dieser nie besucht hat. Dafür hätte er sich auch ein Kraftfahrzeug der gehobenen Klasse kaufen können. Es war aber ziemlich blöde, dass sein Chauffeur von alldem wusste und ihn deshalb anzeigen konnte.
– Hör auf! Ist schon gut! Ich werde doch einfach lieber Ronaldo. Da müssen mir alle den Ball geben, und ich muss ihn nur häufig ins Tor schießen. Ansonsten tue ich alles nur für Ronaldo, also mich. Abends mache ich es mir gemütlich, zähle mein Geld und überlege, wie ich es ausgeben kann. Und wenn ich den Verein wechseln will, dann wechsle ich den Verein, und zwar ganz offen. Und niemand verlangt von mir irgendeinen Standpunkt.[/htsP]