Interessante Verblödung

Mit solchem launigen Bambi-Lächeln gewinnt man eine Goldene Kamera.

Schon vor Mitternacht Gruseln: die verschmitzte Schalk-Pflaume, die Leuchte des Nordens Pilawa  und Quasselphilipp Meyer-Burckhardt in einer einzigen – kann es denn wahr sein? – Sendung. Buuh Huaaaah! Buuh Huaaaah! Der NDR nennt das „im besten Sinne des Wortes interessant“. Interessant! Welch eine Untertreibung!  Fehlt nur noch das Fernsehballett unter der Leitung von Hansi dem Hinternseher.

Dumpfbacken

„Hö, hö, höööö!“
Wer lacht da, wer? Worüber?
Man sieht und hört ((vor einiger Zeit in Frontal 21 über das Engagement von Lehrern in einer Sekundarschule in Berlin-Neukölln)) von jungen Menschen, Schülern, die schon in ihrem Alter dumpf und lustlos, ohne jede Neugier auf das, was ihnen das Leben bei etwas Anstrengung bieten könnte, als lebende Leichen durch die Welt schlurfen. Sie zeigen in der Schule allenfalls dann Anzeichen von freudiger Bewegung, wenn sie im Unterricht ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekommen und irgendwelche schäbigen Abbilder imitieren dürfen, nämlich ihre rappenden Idole, oder beim Ausflug – juchhe! kennen sie von Fußballfeiern im Fernsehen – ihre bis zur Selbstaufgabe engagierten Lehrer mit Wasser (Spaß!) übergießen.
„Hö, hö, höööö!“

Göbbels, Höckels oder so

Um Himmels willen: Wer lacht da, wer? Worüber? [htsP anchor_text = “weiterlesen”]
Sie und ihre Eltern weigern sich, erwachsen zu werden, weil es anstrengend ist, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. So bleiben sie sorglose Kleinstkinder: Irgend ein großer Papa oder eine große Mama sorgt schon für sie; sie selbst sorgen sich dagegen nur um Germany’s Next Topmodel. Sie setzen sich ihre Kopfhörer auf und lassen sich volldröhnen. „BILD dir eine Meinung.“ Mit BILD, Bild und Frau, Bild und Funk, Auto Bild, Sport Bild, Bildwoche, RTL I, RTL II, RTL III, RTL IV … Und wenn sie doch eine Heilserwartung haben, dann richtet sie sich auf einen Erdogan, Orban, Berlusconi oder auf irgend so einen kleinen Übelmann namens Göbbels, Höckels oder so ähnlich , der ihre Minderwertigkeitsgefühle kompensieren soll.

Unerhörte Verdumpfung

Was um Himmels willen ist da eigentlich geschehen? Hat es eine solch umfassende Verdumpfung von sozialen Schichten jemals gegeben in der Geschichte der Menschheit? ((Übrigens weniger als 5% der Zuschauer von ZDF Nachrichten sind unter 49 Jahre. Und fragen Sie mal einen jungen Menschen, ob er weiß, was eine Gewerkschaft ist!)) Wer oder was verdummt sie und warum?
„Hö, hö, höööö!“
Da, sie haben schon wieder gelacht!
„Was? Haben wir gelacht? Das kann gar nicht sein“, sagt der feine Herr Goldmann in seinem Gucci Zweiteiler, und Herr Sachs blickt mit leisem Lächeln über den Rand seiner Cartier-Brille: „Mit Lachen kann man doch kein Geld verdienen.“
„So ist es. Und wir müssen noch viel mehr Geld verdienen, alles Geld,“ rufen sie alle im Chor, die Brüder Koch, die Finck usw.
Und mit glänzenden Augen hört man den Trump L.: „Mit Geld kannst du alles kaufen – du weißt schon, wirklich alles.“

Desinteresse an Information

Übrigens die die bevorzugte Fernsehnachrichtensendung  der Jugendlichen  gibt es bei RTLII. Nur jeder 50. Zuschauer von “heute” ist zwischen 14 und 29 Jahre alt. Kaum ein Jugendlicher weiß, was eine Gewerkschaft ist. ((Laut Erzählung eines Lehrers wusste in seiner Vorstufenklasse eines Gymnasiums laut Befragung kein einziger Schüler, was eine Gewerkschaft ist.
Je jünger die Zuschauer sind, desto weniger Interesse zeigen sie an den täglichen News-Formaten. (…) Auffällig ist dabei jedoch eines: So kommt bei den 14- bis 29-jährigen selbst “RTL aktuell”, das sich noch mit Abstand am besten schlägt, nicht über einen durchschnittlichen Marktanteil von 14,7 Prozent hinaus. Betrachtet man nur die Gruppe der 14- bis 19-Jährigen, bleibt “RTL aktuell” gar schon bei einem Marktanteil von 11,2 Prozent hängen. In absoluten Zahlen: Gerade mal 0,09 Millionen 14- bis 19-jährige Zuschauer verfolgten “RTL aktuell” in diesem Jahr im Schnitt. (…)
Während sowohl die Öffentlich-Rechtlichen als auch die großen Privatsender bei den jüngeren Zuschauern deutlich einbüßen, kann ein Sender gerade hier punkten und im Vergleich zu den anderen Altersgruppen hier die besten Werte einfahren: RTL II. Mit seinen stark auf “jugendliche” Themen ausgerichteten “RTL II News” erzielte RTL II 6 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 29-jährigen und 5,9 Prozent bei den 14- bis 19-jährigen – deutlich mehr als beim Gesamtpublikum oder in der gesamten werberelevanten Zielgruppe. Aber auch Vox schlägt sich bei den 14- bis 29-jährigen mit 5 Prozent Marktanteil vergleichsweise gut und kann in dieser Altersgruppe mehr Zuschauer erreichen als das ZDF mit “heute”. (…) Dagegen war nur jeder 50. “heute”-Zuschauer zwischen 14- und 29 Jahren alt, nur rund 14 Prozent kamen aus der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen.
Fast ein Viertel der “RTL II News”-Zuschauer waren sogar unter 29 Jahren alt. (…)
Allgemein lässt sich also offenbar die Tendenz feststellen, dass Frauen sich eher bei Privatsendern informieren, während Männer tendenziell eher auf die Öffentlich-Rechtlichen vertrauen. (…) Während die RTL-Nachrichten bei den 14- bis 49-jährigen Frauen nämlich 20,1 Prozent Marktanteil erreichen, lag dieser Wert mit 16,4 Prozent bei den gleichaltrigen Männern signifikant niedriger. Betrachtet man nur die männlichen Zuschauer, läge die “Tagesschau” bei der Reichweite deutlich vorn. https://www.dwdl.de/magazin/6598/nachrichtenquotencheck_wer_sich_wo_informiert/page_1.html )) [/htsP]

Adelsstolz kurz mal durchlaucht

Krempelhuber ist trotz Umfang von immerhin zwölf Buchstaben kein schöner Name; auch ein „von“ vor dem Krempelhuber vermag dem nicht abzuhelfen. Dagegen kann sich der wahre Adel mit exquisit langen und rhythmisch klingenden Namen schmücken. Das ist gewiss ganz, ganz wunderschön, hat aber, was sich die Neider – und die, die sich einen Adelstitel kaufen wollen – meist nicht klar machen, auch Nachteile. So muss der Hochgeborene beim Druck, z.B. von Traueranzeigen, schon einige Euros auf den Tisch legen, wenn da dann etwa eine Elisabeth Maria von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf betrauert werden soll  von einem Hubertus Reginald von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Margarete Amalie von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und außerdem auch noch von einem Sebastian Heribald von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Charlotte Emilie von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und auch von Hermann Frederik von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Katharina Hildegard von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf. Wer nur Otto Meier beklagen muss, macht sich keine Vorstellung von den Kosten. Aber weil ein Edler oft auch heute noch über größere Mengen seines einst zusammengeraubten Vermögens verfügt, so wird er natürlich nicht zu klein und materialistisch denken. Denn ökonomisch gehört er ja wohl immerhin wie die Grafen Lambsdorf und Merz zumindest zur gehobenen Mittelschicht.[dropdown_box]
P.S. Gerade kann man einer Traueranzeige die Gräfin von Schlotterburg-Lochau, geborene Potratz betreffend entnehmen, wie sich die Kosten auch verringern lassen, wenn man die unzähligen Vornamen einfach weglässt und standesgemäß als Graf und Herr von Schlotterburg-Lochau, Gräfin und Herrin von Schlotterburg-Lochau sowie Gräfinmutter von Schlotterburg-Lochau unterzeichnet. Die Gnädigsten duldeten ja ohnehin nicht die Anrede mit dem Vornamen,was man durchaus verstehen kann bei hochherrschaftlich albern klingenden Vornamen wie „Alban“, Ludbert oder Wilhelmine Gustava Ilse. Da kam dann auch wohl niemand auf die Idee, etwa eine blödsinnige Koseform zu bilden wie Albi oder Ludi. ((Die Namen der realen Todesanzeigen wurden verändert.)) [/dropdown_box]

Dienstagnachmittag bei Aldi

Es geschah am Dienstagnachmittag bei Aldi: nur drei Personen noch vor ihr in der Schlange, das Laufband gut gefüllt, die Kassiererin arbeitet schnell: Bing, bing, bing, bing!. Immer wieder: Bing, bing, bing. Aber da geschieht es: Die Frau hält offenbar die Spannung nicht mehr aus, sie greift die noch nicht einmal bezahlte Bild-Zeitung, zieht sie vom Laufband und, ohne sie auch nur aufzuschlagen, verschlingt sie sie gierig,.

Wer schießt? Kahrs oder Ronaldo?

– Na, Kleiner, was möchtest du denn werden, wenn du mal groß bist? Weltraumpilot oder Christiano Ronaldo?
– Oh, ich möchte Krankenpfleger werden oder Sanitäter oder Arzt oder Politiker.
– Ohje, also Samariter? Und Politiker zählst du auch dazu?
– Ja, wollen die denn nicht auch den Menschen etwas Gutes tun und setzen sich mit aller Kraft dafür ein?
–  Naja, ich bin da nicht so sicher. Aber schlag dir zunächst einmal das mit dem Krankenpfleger oder Sanitäter aus dem Kopf. Du willst ja wohl später mal im Rentenalter nicht so arm sein, dass du nicht weißt, wie du deine Miete bezahlen sollst. Arzt oder Politiker ist schon besser, wenn du im Alter nicht auf der Straße sitzen, sondern einen dicken Sportwagen fahren und eine Luxusvilla besitzen willst mit vielen Säulen und eine Yacht, auf der man Bunga Bunga spielen kann. Aber als Arzt … Wenn du als Arzt dich um Leidende kümmern willst, z.B. in Gebieten, wo Krieg oder Seuchen herrschen, kann es sein, dass du schon tot bist, bevor du den Menschen richtig helfen konntest. Das kann dir als Schönheitschirurg, möglichst mit deiner eigenen Klinik, natürlich nicht passieren. Aber wunderbar kann es auch der Politiker haben![htsP anchor_text = “Weiterlesen”] Da bist du jeden Tag im Fernsehen und in der Bild-Zeitung zu sehen, wenn du so ein Söder, Schröder, Dobrindt, Trump oder Berlusconi bist. Das ist eine feine Sache. Ja, man muss Ehrgeiz haben, man muss sich Ziele setzen für die Menschen: Sie sollen dich bewundern, neidisch sein. Nur nicht so ein grauer Alltagsmensch! Es ist deprimierend, wenn du so ein Joschka bist und ganz allein dich für ungemein wichtig hältst. Verdammt nochmal, die ganze Welt muss dein Genie bewundern. Das Spieglein, Spieglein an der Wand, das sind die Medien. Und so ein Joschka hätte nicht viel Aufmerksamkeit erhalten, wenn er nicht ständig umher gerannt wäre und mit der sanften Stimme des Überlegenen allen erzählt hätte, dass er ein toller Kerl wäre, obwohl er doch nur 1,70 m misst und etwas dicklich von Statur ist und deshalb trotz fünf Ehen ganz und gar nicht der Schönste im ganzen Land. Oder der Gerhard mag sich die dickste Zigarre in den breiten Mund stecken und eine sonore Stimme haben, aber er singt eben doch nicht so schön wie Caruso oder die Callas. Sein Bild auf der Titelseite der “Bunten” – da ist man wer.
– Ich dachte, Politiker müssen etwas Gutes wollen für die Menschen, nicht nur für sich.
– Klar, man muss als Politiker schon irgendwie für irgendwas sein: Der Gerhard hat sich zunächst bei den Jusos gegen die Macht des Kapitals engagiert (darüber hat er sich später halb totgelacht), aber dann doch lieber –  wie der Christian Lindner – für die Wirtschaftsunternehmen . Und der Joschka war mal wütender Linker gegen Atomkraft, dann aber lieber Lobbyist für RWE, Siemens, BMW. Das war auf jeden Fall lukrativ.
Einen Standpunkt haben – das kommt teuer und ist etwas für halbwüchsige Idealisten. Man kann auch einfach nur für die Interessen einer mächtigen Clique, Schicht, Klasse eintreten. Laut Warren Buffett – das ist einer der reichsten Männer der Welt – befinden wir uns ja im Klassenkampf ((“Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht.”)), und da kann man sich mehr oder minder heimlich oder auch ganz offen wie z.B. der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs als Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels für die Sieger in diesem Kampf einsetzen. Das ist normalerweise nicht ganz unprofitabel; so sind z.B. auch Rüstungsfirmen wie Rheinmetall zwar für den Iealisten ein Horror, aber gerade deshalb sehr spendabel. Das kannst du den SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs fragen – jaja, Kahrs, den Burschenschaftler vom rechten Seeheimer Kreis, dem auch unser Finanzminister angehört.
Im Grunde geht es ja nur um eines im Leben: Kohle machen. Du wirst es schon noch schnell lernen. Wenn man aber so wie viele Politiker in Afrika oder Lateinamerika ganz offen nur die Vervielfachung seines Vermögens als einziges Ziel verfolgt, so gewinnt man damit keine Anhänger, dann muss man zur Gewalt greifen, man braucht Waffen und Soldaten. Man sollte es daher nicht an die große Glocke hängen, dass man sich nur für sich selbst interessiert.Im Gegenteil ist äußerste Vorsicht geboten, sonst kommt es ans Licht. Gerade jetzt erfährt man von der rechten Lega Nord in Italien: Es fehlen 49 Millionen aus der Parteikasse, und man weiß, dass die „Family“ – ein Ordner mit dieser Aufschrift fand sich im Safe des Schatzmeisters der Partei – des Vorsitzenden Umberto Bossi sie wie einen Bankomaten nutzte. Nun soll er ins Gefängnis. Papa Umberto war dabei gar nicht nur egoistisch, denn er sorgte ja für die ganze Familie. So bezahlte er u.a. immerhin 77 000 € aus der Parteikasse für die Urkunde eines erfolgreichen Betriebswirtschaftsstudiums seines Sohnes an einer albanischen Universität in Tirana, die dieser nie besucht hat. Dafür hätte er sich auch ein Kraftfahrzeug der gehobenen Klasse kaufen können. Es war aber ziemlich blöde, dass sein Chauffeur von alldem wusste und ihn deshalb anzeigen konnte.
– Hör auf! Ist schon gut! Ich werde doch einfach lieber Ronaldo. Da müssen mir alle den Ball geben, und ich muss ihn nur häufig ins Tor schießen. Ansonsten tue ich alles nur für Ronaldo, also mich. Abends mache ich es mir gemütlich, zähle mein Geld und überlege, wie ich es ausgeben kann. Und wenn ich den Verein wechseln will, dann wechsle ich den Verein, und zwar ganz offen. Und niemand verlangt von mir irgendeinen Standpunkt.[/htsP]