Riesig

Oh, heiliges Kanonenrohr, Dieter Nuhr, Donnerwetter, echt, wie Sie da in Ihrer letzten ARD-Sendung (https://www.daserste.de/unterhaltung/comedy-satire/satire-gipfel/videos/nuhr-im-ersten-video-220.html) wieder alles in Ihrer so eigenen uneitlen Art aufs Korn genommen haben, was dem rechten Rand der Werte-Union missfällt, das hatte wieder mal Klasse. Besonders das mit der vom WDR Kinderchor gesungenen „Umweltsau“, was Sie – in Ihrer Funktion als Fachmann für Satirefragen – zum einen ironisch eine „satirische Spitzenleistung“ genannt und zum anderen als einen Akt der Grenzüberschreitung (Satire darf nicht alles!) gekennzeichnet haben, hat echt hingehauen: Wir konnten uns kaum halten vor Lachen, wie Sie die Aussage dieses WDR-Beitrags ad absurdum geführt haben, und zwar einfach nur mit dem Hinweis darauf, dass z.B. Ihr Opa gar keine Umweltsau sein könne, weil er ja tot sei. Ha, ha. Ja, Herr Nuhr, hier zeigen Sie uns ein Beispiel für „satirische Spitzenleistung“! Und wie Sie dann dieser ganzen „Klimahysterie“ zu Leibe gerückt sind: Da wollen einige – von Ihnen – Unbelehrbare (u.a. Greenpeace) doch tatsächlich die deutsche Bundesregierung verklagen wegen ihrer Passivität im Kampf gegen den Klimawandel. Ja, geht’s denn noch? fragen Sie zu Recht. Sollen sie doch China und Indien verklagen!!! Da trommelt dann so mancher vor Begeisterung ob solcher „satirischen Meisterleistung“ sich die Schenkel wund. Und wenn da eine von diesen jugendlich unreifen Klimahysterikerinnen meint in einem Bild die Auswirkungen des Klimawandels darstellen zu sollen, indem sie prophezeit, dass in sechzig Jahren sich der Asphalt durch die Erwärmung so erhitzen würde, dass man ihn lieber nicht betreten sollte, da schleudern Sie ihr entgegen, dass man ja dafür schließlich den Schuh erfunden habe! Sie könne ja Schuhe anziehen. Verstanden? Haaaaa! Ja, da kann man als Zuhörer doch nicht anders, als in brüllendes Gelächter auszubrechen und heiße Tränen über die Wangen kullern zu lassen. Es geht Schlag auf Schlag: schon wieder eine „satirische Spitzenleistung“! Ein wenig verzeihliche Eitelkeit glaubte man dennoch bei Ihnen zu spüren, als Sie erwähnten, dass der ja ansonsten wenig erwähnenswerte Bushido, Sie in einem seiner Texte erwähnt habe. Sie sind also eine Person der Zeitgeschichte. Dass er Sie dort als einen „Riesenhaufen Kacke“ gekennzeichnet hat, stecken Sie souverän weg, ja gelangen sogar zu der erstaunlich selbstkritischen Einsicht :“Ich fühlte mich angemessen berücksichtigt.“ Toll!

Bayrischer Biorhythmus

In dem Streit um die gemeinschaftlich geplante Aufteilung der Schulferientermine unter den Bundesländern verweigert sich Bayern. Das versteht man, weil die Bayern, was auch immer man von ihnen halten mag, eben ein besonderer Lederhosen und Hüte mit Gamsbärten tragender Menschenschlag sind. Dass diese heftig auf die eigenen lederumwundenen Schenkel und Hintern einschlagende Menschengruppe besonders sensibel ist, hatten wir bis dato allerdings nicht gewusst, bis ihr Ministerpräsident auf ihren ganz eigenen empfindlichen Biorhythmus verweist, der einer Verlegung der bayrischen Ferientermine letztlich unmöglich macht: „Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien – den wollen wir gerne behalten.“ Dieser Biorhythmus ist eben ein besonderer in Bayern und den weniger zartbesaiteten Bewohnern anderer Bundesländer eher unbekannt. Bremer z.B. wissen gar nicht, was das überhaupt ist – und natürlich auch überhaupt nicht einmal, wie man das schreibt. Nicht-Bayern können angesichts eines solchen überragenden Biorhythmus nur ungläubig staunen und hingebungsvoll bewundern. Markus Söder bringt also schlüssige Argumente vor, denen man kaum etwas entgegensetzen kann. Allerdings müssen wir einschränkend doch sagen, dass sein Hauptargument, nämlich: „Wir haben das schon immer so gemacht.“ uns weniger überzeugt. (Söder laut Süddeutscher Zeitung vom 29.11.19)

Gescheit

Claus Hulverscheidt vom Wirtschaftsflügel der SZ nennt es „Selbstkasteiung“ (Süddeutsche Zeitung 26.6.19) , wenn in den USA 19 Multimillionäre die Einführung von Steuern auf Spitzenvermögen fordern, während diese selbst die Steuer als notwendigen Beitrag zu mehr politischer und sozialer Stabilität sehen.

Eilmeldung

Laut Anzeige des Autoverleihers Sixt will Kühnert (außer den Eisdielen) auch noch die Autobesitzer enteignen!!!! Bringt eure Porsche Cayennes und auch die beiden Kleinwagen für Frau und Tochter in Sicherheit, bevor es zu spät ist! Jeder weiß es – nicht nur Sixt: Ein Leben ohne Auto – das wäre wirklich die Hölle! Unvorstellbar! Das steht keiner durch.

Vom Strullern und Pullern

Zum Verzweifeln schlecht

Schlecht, albern, humorlos – diese Eigenschaften lassen sich nicht steigern: Schlechter als schlecht gibt es nicht. Wo kein Humor ist, kann nicht weniger als nichts sein. Man kann die Eigenschaften allenfalls emotional steigern, indem man zusätzlich seine subjektive Betroffenheit kundtut und ein „unglaublich“ hinzufügt. Man kann verzweifeln, aber wenn etwas niveaulos ist, so lässt sich diese Betroffenheit nur dadurch ausdrücken, dass man z.B. die Niveaulosigkeit mit dem eigenen Erleben zu „nie dagewesener Niveaulosigkeit“ verbindet. Das mag etwas übertrieben sein, kennzeichnet aber das eigene Gefühl. Im Grunde – das lässt sich schon diesen Ausführungen entnehmen – gibt es Verhaltensweisen, die einen aufgrund ihrer extremen Mangelhaftigkeit sprachlos machen.

Unterschiedliche physische Effekte

Es ist eine glatte Überforderung, wenn man sich etwa über den Humor eines Chris Tall oder Mario Barth äußern soll. Es ist absurd, dass diese Komiker in Massenveranstaltungen Frohsinn statt Melancholie und Depression auslösen. Und wenn gar der ob seiner volkstümlichen Primitivität vom RTL-Publikum so heiß geliebte Mario Barth zugleich ,humorig’ und „investigativ“ herausfindet, dass alle Wissenschaftler komplette Idioten sind, die behaupten, dass Feinstaub gefährlich sei, stehen einem sämtliche Haare zu Berge.
Erschüttert liest man auch, dass der Saal johlte und vor Lachen unter die Sitze kippte, als der Ex-Fußballer Mario Basler den Weggang eines Zuschauers aus seiner Talk-Vorstellung mit den Worten kommentiert: „Ah, der muss pullern. Oder Kacka machen.“ 1

Jubel, Jubel, gute Laune

Das alles könnte einen zwar entsetzen, aber letztlich doch wieder besänftigen, wenn die Rezeption solcher Niveaulosigkeiten sich nur im flachen Unterhaltungsgewerbe zeigen würde. Aber sie ist allgegenwärtig: Als wäre er in Florian Silbereisens Schlager-Show mit den schlackerigen Damen vom Fernsehballett, inszeniert Trump einen Wahlkampfauftritt, indem er, flankiert von bezahlten Jublern (Schauspielern 50 Dollar für 3 Stunden laut „Hollywood Reporter“), mit Gattin eine Rolltreppe zum von Stars and Stripes umkränzten Rednerpult heruntergleitet, den Daumen hebt und – „Wow, wow, das ist mal eine Gruppe von Menschen, Tausende!“ – vor Rührung über die hemmungslos jubelnden ,Massen’ scheinbar von seinen Emotionen übermannt wird.

Regietheater

Es geht immer um die Inszenierung, mag sie auch noch so primitiv sein, dann ist auch Pipi ond Kacka ein Hit. Man muss z.B. auf dem inszenierten modernen Kunstmarkt die Bilder selbst gar nicht ansehen. Um Himmels willen meist besser nicht! Denn es geht ja auch gar nicht um die konkreten Bilder, wenn es sie denn gibt, sondern um die Images der Künstler, die sich als solche für den Markt inszenieren. Und dabei darf das Niveau durchaus das von „Pipi, Kacka“ sein. Es bilde sich nur niemand ein, dass die Kunstliebhaber, nur weil sie dicke Brieftaschen haben, sich auf höherem intellektuellen oder moralischen Niveau bewegen als das Publikum von Chris Tall, Mario Barth oder Mario Basler.

 Meese – zum Totlachen!

Ein Jonathan Meese inszeniert sich z.B. als Trash-Genie. (Er kann „auf dem Sofa sitzen und 130 Mal hintereinander Dancing Queen von Abba hören.“ – Ach, du meine Güte!) Dazu gehört, dass er möglichst verrückt sein muss, so wie sich der Onkel Willi einen Künstler vorstellt. Was sich aber unser Jonathan dabei ausdenkt, ist so umwerfend, als wäre er ein zweiter Chris Tall. Er sagt, er habe sich Bücher unter sein Kopfkissen gelegt, „um im Schlaf Wissen durch Osmose zu erlangen“. Er habe eine Vorliebe für Kuscheltiere, weil man mit Hilfe des Kuscheltiers Dinge sagen kann, die man ohne Kuscheltier nicht sagen kann. Das von ihm erfundene Wort Djottidei „ist aus Don, Johnny, Dotter und Ei zusammengesetzt. Es beschreibt den hermetischen Meese.“ Ha, ha, ha! Der Saal tobt! Mario Barth und Chris Tall gucken mit Kennerblick auf den Kollegen. Gefährlich könnte es allerdings werden, wenn der Clown Sätze von sich gibt wie: „Die Pupsdemokraten gehören weggestrullert,“ 2 Ist das Afd-Humor?