Hoffnungsvoll

Der Fünfundzwanzigjährige, der seinen McLaren – von liebenden Eltern? – gerade erst erhalten hatte, war mit 286 km/h – oder waren es doch 314 km/h? – über die Autobahn gerast war und hatte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. 1 Der Schaden am Fahrzeug war groß, und die achtzehnjährige Beifahrerin tot. Im Gegensatz zu Fahrzeugen ist das Leben schwer zu ersetzen. Der Freund des schnellen Autos sagte daher in der Gerichtsverhandlung: „Es tut mir außerordentlich leid, was geschehen ist.“ Das sind wohl gewählte Worte. Es tut ihm nicht nur leid, sein Bedauern ist nicht nur ordentlich, sondern sogar außerordentlich. Das muss das Gericht sehr bewegt haben. Und rührend ist es geradezu, wenn er noch hinzufügt: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun.“ Ja, das würde er doch tatsächlich tun. (Es war ja überhaupt kein angenehmes Erlebnis – auch für ihn nicht.) Leider, leider steht es nicht in seinem Vermögen. Sonst, nichts lieber als das. Es ist nicht etwa, weil er keine Zeit hätte, sondern er ist da echt hilflos. Vermutlich wäre er sogar bereit gewesen, einen finanziellen Beitrag zur Wiedergutmachung zu leisten. Aber das Opfer ist ja wie gesagt leider tot. Auf jeden Fall kann man feststellen: ein wohlerzogener junger Mann, von dem man noch viel erwarten kann.

Auf immer meiden

„Es gibt kein unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens und tiefer moralischer Nichtswürdigkeit, als ein Zug reiner, herzlicher Schadenfreude. Man soll den, an welchem man ihn wahrgenommen, auf immer meiden.“ Wumms! Da hat er wieder mal philosophisch hingehauen, der Schopenhauer.
Wer will dagegen anphilosophieren?
Ganz klar: Wen der Schaden aus welchem Grunde trifft, hat dabei unerheblich zu sein! Wenn z.B. der Besitzer des reichlich und raumübergreifend defäkierenden Kampfhundes auf dessen nicht beseitigten Darmentleerungsresten ausrutscht und das Herrchen des aggressiv grinsenden Tieres mit seiner Nase mitten in dessen Unrat landet, darf man auf keinen Fall schadenfroh sein – auch wenn es noch so schwer fällt. Wumms!
Wenn Bolsonaro die Erkrankung an Corona gut überstehen sollte, so wäre das Wasser auf seine Mühlen, weil er dann ja anhand der eigenen Person erwiesen hätte, dass Corona ja nur ein „Grippchen“ (gripezinha) ist. Es gebe also auch keinen Grund zur Schadenfreude darüber, meint Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires, in seinem Kommentar auf tagesschau.de. Seine Aussage scheint aber zu implizieren, dass Bolsonaro zwar nun – im übertragenen Sinne – in die Sch… getreten, aber noch nicht auf dem schlüpfrigen Grund ausgerutscht sei. Daher muss man auf einen möglichst schlimmen Verlauf seiner Corona-Erkrankung hoffen. Dann dürfe man sich u.U. zur Schadenfreude berechtigt glauben, weil man durch den Schaden die Armen Südamerikas vor Corona besser geschützt sehen kann. Doch da hören wir den zornigen Aufschrei des Philosophen in unseren geistig ausgestreckten Ohren: Schadenfreude muss letztlich als „unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens“ immer tabu sein. Wumms!
Auweh, nach dem armen Boris Johnson hat es nun also – leider, leider – auch Bolsonaro getroffen. Wann erwischt Covid – leider, leider – endlich den Trump, und zwar so heftig, dass es ihn richtig umhaut? Wir werden uns auf jeden Fall ganz, ganz doll bemühen, so lange wie möglich von Schadenfreude, dieser „tiefen moralischen Nichtswürdigkeit“ frei zu bleiben. Großes Indianer-Ehrenwort.

Nichts Neues

Urlaubszeit. Langweilig. Kaum Stoff für Satire. Dabei seid ihr Dummen natürlich nicht plötzlich alle im Meer vor Mallorca ertrunken. Oooohhhh, nein, wie dumm! Ihr kriegt eben nie genug: Begierig saugt ihr auf, was euch z.B. dieser Trump vor vielen blau weiß roten Fahnen mit mal links, mal rechts schief gelegtem Kopf und ausgestrecktem Zeigefinger an Schwachsinn verzapft. Denn euer Hirn ist ja leider bei der Darmentleerung mit durchgerutscht. War ohnehin nicht viel, sah aber sehr unappetitlich aus. Wir erleben momentan eine virale geistige Diarrhö kosmischen Ausmaßes, vor der sich andere Viren, wie Covid 19, demütig verbeugen.
Und nun wartet ihr, dass Adolf Kalbitz aus dem Kyffhäuser zurückkehrt, wohin er sich grollend zurückgezogen hat, weil Jörg Hubert von Hindenburg-Meuthen das Heraufkommen des IV. Reichs verzögert hat. Mangels Elektrizität und aufgrund der Dunkelheit in seiner Höhle hat Kalbitz Probleme mit dem Rasieren: Damit er sich nicht versehentlich mit dem Messer die geliebte Nase wegsichelt, spart er beim Rasieren einen kleinen Fleck unter seiner Nase aus. Steht ihm hervorragend. Sieht aus wie dieser Stummfilmkomiker.
Salomo, der sich nicht nur durch einen überragenden Geist, sondern auch durch seine Manneskraft auszeichnete – er brachte es immerhin auf siebenhundert fürstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen und kannte sie alle beim Namen – der weise Salomon wusste es schon immer: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“

Psychisch kranke Wähler bejubeln psychisch kranke Politiker, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Massen unterwerfen sich den Größenwahnsinnigen. Was wollen sie denn auch sonst machen! „Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie dort wieder aufgehe”, wusste schon der weise Salomo.
Aber halt! Ändert sich gar nichts? Überhaupt ganz und gar nichts?
Sensation! Unerhört! Ein Gericht in Frankreich hat doch tatsächlich einen ehemaligen Premierminister und Präsidentschaftskandidaten, den überaus sittenstrengen, homophoben und xenophoben,, katholisch-konservativen Francois Fillon zu fünf Jahren Gefängnis (davon allerdings drei Jahre zur Bewährung) verurteilt, und zwar nur weil er – durchaus wohlhabend und immer darum bemüht den Reichtum der Reichen zu mehren – aufgrund seiner Geldgier den Hals nicht voll kriegen konnte und aus alter Gewohnheit den Staat bzw. das Volk ein bisschen beschummelt hat. Allzu menschlich. Man nimmt eben, was man kriegt. Das versteht doch jeder. Und da diese Geldgier ja ganz sicher angeboren und folglich zwanghaft war, kann es gar nicht anders sein, als dass die Berufung gegen das Urteil auf eine allenfalls geringe Schuld erkennen wird.
Der weise Salomon wusste das natürlich schon: „Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder.“ Und: “Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing. Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder.“ Usw. usw. usw.
Schließlich sagt der der weise Salomo aber auch: „Alles Reden ist so voll Mühe, dass niemand damit zu Ende kommt.“ Doch! Schluss jetzt!

Neiiiin! Nicht noch ein Gedicht!

Die Corona-Verschwörung

Gibt es Corona überhaupt,
die Frage sei endlich mal erlaubt.
Oder ist sie nur erfunden?
Wenn wir sie ignorieren,
ist sie dann ganz schnell verschwunden?
Gut. es gibt die vielen Kranken;
das lässt natürlich wieder schwanken
Und mit Unbehagen
fragen:
Die Corona, sie stammt doch wohl von diesen Indern,
oder stammt sie nur von bösen Kindern
oder von Kimbrern
oder wie sie heißen.
Sie stammt doch nicht von Weißen?!
Wahrscheinlich von Chinesen
oder anderen gelbhäutigen Wesen!
Eher nicht von Franzosen
oder Matrosen.
Ich schwöre,
es waren die Friseure.
Oder doch Christen?
sicher Kommunisten!
Vielleicht sollte man die Frauen
alle verhauen.
Kann man den Moslems trauen?
Was ist mit Hunden und Katzen
und Fledermaus fressenden Schwarzen,
einige mit äußerst seltsamen Warzen?
Alle fragen, wer es war.
Dabei ist doch klar:
Niemand anders
als Bernie Sanders.

Dummland
Weit hinter dem Mond, im Land der Torheit, steht der Palast, hart auf dem Grenzsaum zwischen Nacht und Hölle, wo Irrlichter statt Sonnen leuchten. Unter Geflatter kleiner Irrwische sitzt dort auf seinem Thron der kindische König Trump mit blonder Tolle. Er sitzt inmitten seines Hofstaats, Dummstolz, Unwissenheit, Leichtgläubigkeit, Eigenliebe, Schmeichelei, Vergesslichkeit und Faulheit, unter Schwarzkünstlern und Evangelikalen. In diesem Paradies besuchen ihn oft die Brüder Blödling, Boris Johnson, Dummerjan, Knallkopf, Bolsonaro, Vollidiot, Tropf, Strohkopf, Orban, Einfaltspinsel, Armleuchter, Dussel, Höcke, Depp, Rindvieh, Dämlack, Tölpel und viele andere Unwissende. Es ist ihnen ein unvergesslich schaurig schönes Erlebnis, wenn sie dort, dem Zeigefinger des Trumps folgend, sich in dunkler Nacht in dichten Nebeln an den verborgenen Ort begeben, wo auf allen Wänden die Torheit aller Zeiten abgebildet ist. Mit offenem Maul gaffen sie, wenn sie unter schmucklosem Grabstein die Vernunft fest eingemauert finden, die von schwankenden Blinden und ganz gehörlosen Tauben ängstlich stumm umdrängt wird. Beide Hände faltend, lachen sie blöde und wohlig verständnislos: Es tut halt so sauwohl, keinen Verstand zu haben. (frei nach Voltaires „Pucelle“)

Noch ein Gedicht

Tröpfchen

Herr Friedrich Merz,
Wie Barbarossa einst
Des Vaterlandes Retter!
Was haben Sie getan?
Wo sind Sie nur gewesen?
Ach, herrje, Tröpfcheninfektion.

Dem Trump geht’s gut;
doch was tut
Friedrich Merz?
Holt sich die Tröpfcheninfektion!

Auch Boris Johnson
kann nicht klagen:
von wegen Tröpfcheninfektion –
sie schlägt nur anderen auf den Magen,
nicht Boris Johnson,
die Tröpfcheninfektion.

Herr Friedrich Merz,
wer hat Sie angehustet,
Sie angeniest, geprustet?
Wem haben Sie
mit treuem Blick die Hand gereicht?
Danach fassten Sie vielleicht
sich an die eigne Nase –
huch, ohne Tuch?
Wie konnten Sie, Herr Friedrich Merz?!
Zum Ursprung fehlt Information.
Doch das Ergebnis lautet leider:
Tröpfcheninfektion.

Und jetzt? Die Quarantäne!
Für sieben Tage, sieben Wochen?
Oh, Friedrich Merz,
für ganze Jahre?
Oh, grauses Schicksal:
ungeheuer lange Qual
Wie Barbarossa dazumal?
Tröpfcheninfektion!

Anmerkung: Damit uns niemand verteufelt, wollen wir jedem Missverständnis einen Riegel vorschieben und erklären hiermit. dass wir niemals Schadenfreude über ein körperliches Gebrechen äußern würden, dass wir uns nur über eine längere Abwesenheit von Herrn Friedrich Merz freuen würden, und zwar nicht unbedingt im Kyffhäuser; vielmehr würde uns schon die Rückkehr des Sauerländers ins Sauerländische glücklich machen.
Ach, nun hat es doch noch den Boris Johnson erwischt. Fehlt nur noch der Trump L. Müssen wir das ganze Gedicht nun neu schreiben?