Pfui. ihr kleingeistigen, missgünstigen Klassenkämpfer

Wenn der Christian „Porsche“ Lindner von den Pfeilen Amors so durchlöchert wurde, dass er das dringende Bedürfnis verspürte, eine attraktive Person zwar des anderen Geschlechts, aber doch gleichen Standes bzw. gleicher Klasse zur Seinen zu erwählen, und er dieser Person in intimem Zusammensein, ganz ohne Anwesenheit zahlreicher Journalisten von „Bild“, RTL, der „Bunten“ oder der „Welt“- außer natürlich der angehenden Braut, einer „Welt“-Journalistin – in gewohnt überaus deutlicher, gewählter Sprache ihr Jawort zu entlocken vermochte und diese Tatsache alsbald öffentlich groß mit „Bild“, RTL, der „Bunten“ und der „Welt“ zu feiern begehrte, und zwar in kleinstem vertrauten Kreis, d.h. auf einer Insel, und zwar auf einer Insel, die nahezu ausschließlich den vergleichsweise sehr wenigen Angehörigen seiner Klasse bzw. seine Standes gehört, und wenn dieser Christian „Porsche“ Lindner dann dieser Person des anderen Geschlechts, aber gleicher Klasse in gewohnt sehr deutlicher und gewählter Sprache in einem kleinen, bescheidenen, aber schick geschmückten Gotteshaus – denn auch den Ungläubigen zieht es irgendwie zum Höheren – vor Friedrich Merz und anderen, die mit Privatflugzeug und sonstigen kaum minder geräumigem Fahrzeug herbei geeilt waren, exklusiv duftend und versehen mit funkelnden Steinen und Stoffen, um unter erhöhtem Pulsschlag und mit feuchtem Auge dem zweifachen Schwur ewiger Treue zu lauschen, wenn also dieser Christian „Porsche“ Lindner der attraktiven Person zwar des anderen Geschlechts, aber doch gleichen Standes bzw. gleicher Klasse in gewohnt sehr überlegt wirkender Sprache ein deutliches „Ja“ spendet, dann ist das seine Privatangelegenheit und geht niemanden etwas an.

Aua!

Ist er schwer krank und muss eine kostspielige Operation in den USA bezahlen? Hat er Poker gespielt? Oder Roulette? Und hat nun Spielschulden und die Mafia bedroht sein Leben? Benötigt er die Hilfe sündhaft teurer Psychiater? Oder drohen ihm millionenschwere Klagen von sexuell belästigten jüngeren Frauen? Hat er mehrere geliehene Maserati gegen diverse Bäume gefahren?
Um es ganz klar zu sagen: Weiß der Teufel! Wir wissen es nicht.
Wir wissen nur, dass Jan Hofer zu RTL gewechselt ist.

Hier irrt der Söder

Manche, z.B. Markus Söder, behaupten, Armin Laschet sei eine lasche Lusche.
Sie kennen ihn nicht.
Sie haben ihn noch nicht erlebt, den wahren Laschet, wenn er morgens sein Müsli und sein Käffchen mit Milch und viel Zucker zu sich genommen hat, frisch rasiert und gepudert, Schlafanzug und Morgenmantel mit kühnem Schwung ins fast noch warme Bett geschleudert und dann mit glitzernden Augen seine in der hintersten Ecke seines Schranks verborgene und nur intimsten Freunden vertraute Phantasieuniform übergezogen hat, um dann endlich zur morgendlichen Joggingfahrt in seinem auch privat – und eben auch für sportliche Zwecke genutzten – Dienstauto zu eilen. Wer ihn einmal so mit seiner unfasslich dynamischen Ausstrahlung gesehen hat – der Tagesschau ist es geglückt, ihn unbemerkt zu filmen – , für den ist Markus Söder im Vergleich nur noch ein nasser Sack.

Tu, felix Austria, renuntia nobilitati

Die Österreicher haben’s gut. 1919 wurden bei ihnen im Adelsaufhebungsgesetz alle kraft Geburt erworbenen Privilegien des Adels gesetzlich abgeschafft.1 Selbst das „Von“ ist verboten; die Strafen gegen Verstöße sind allerdings gering. (Wäre ja auch noch schöner!)
Dagegen Deutschland: Sozialneid überall bei den Geringverdienern, die über kein ererbtes Vermögen in Gestalt eines Schlosses und diverser Ländereien verfügen – na ja, außer bei den Lesern der Regenbogenpresse, denn die haben ja womöglich ein Schloss an der Pforte ihres  Schrebergartengeländes!
Aber die Adligen sind zu ihrem großen Bedauern auch nur Menschen; hier müssen, wenn z.B. die „schillernde Persönlichkeit“, der „Lebenskünstler“ und „Strippenzieher“2 Dietrich Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberprennberg in seinem Schloss Peuerbach gestorben ist („Es geschehen Dinge, die wir nicht begreifen können.”), ganz viele Freiherren und Freifrauen trauern, z.B.
Caspar Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberprennberg
Kristina Freifrau von Gumppenberg-Pöttmes-Oberprennberg
Gregor Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberprennberg mit Julia Freifrau von Hammerstein
Maximilian Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberprennberg. Adel verpflichtet.
Österreich, du hast es besser.

Minnie, Micky und Markus

Können Sie sich vorstellen, dass jemand, der mit Vornamen Micky heißt, in einer seriösen Zeitung wie der „Süddeutschen“1 schreibt? Nein, eher wohl, dass er bei einem der RTLs mit Chris Tall unheimlich (!) witzig ist oder mit dem investigativen Mario Barth irgendwelche anscheinend todernst gemeinte Dummheiten verzapft. Aber vielleicht heißt er ja gar nicht Micky Beisenherz, auch nicht Michael Beisenherz, sondern vielleicht einfach nur Gaston Sauermilch – so wie der schauerliche Chris Tall eigentlich den lustigen Namen Christopher Nast trägt.
Ein Herzelein ist der Beisenherz aber tatsächlich. So sucht er seinen Freund, den ‘schönen’ („Deutschlands schönste Grillzange“) Markus Lanz mit seinem „glänzenden Anzug“, seinem offenbar ergiebig duftenden „Parfum“ („wie wohl Lanz’ Parfum heißt“?) und seinen Stirnfalten à la Hugh Grant zu pushen. Er kennt den Markus gut, „hockt“ oft in seiner Garderobe und bewundert dort seine „Stiefeletten“. Lanz hat zwar einst bei RTL „den letzten Quatsch wegmoderiert“, Beiträge, „in denen Nacktsängerinnen den Neustart auf Mallorca schaffen“, oder waren es – der Artikel widerspricht sich da – doch „Nacktschwimmerinnen“?


Aber dann sei „aus Markus Lanz Markus Lanz“ geworden, der jetzt, so behauptet unser Micky, die „oft interessanteste“ und „eigentlich immer unterhaltsamste politische Talkschau im deutschen Fernsehen“ moderiert. Wow. Nun muss an dieser Stelle allerdings gesagt werden: Der Micky ist des Markus’ Freund. Ihre Sendungen – Micky arbeitet bei n-tv und  (richtig geraten!)  RTL II – haben den gleichen Produzenten.
Unser Micky Beisenherz begründet sein enthusiastisches Urteil über Lanz damit, dass dieser seine politischen Talkgäste zerstöre („Laschet, der dort jüngst im Grunde zerstört wurde“). Das ist nun nicht unbedingt eine Tugend; man könnte sich auch vorstellen, dass sich in so einer Sendung Menschen argumentativ auseinandersetzen. Es ist nicht etwa einfach so, dass Micky ein solches Streitgespräch langweilig fände. Er behauptet ja vielmehr, Lanz entwickle das Gespräch „zum Kammerspiel“. Wie das aussieht, zeigt er dann tatsächlich an einem Beispiel:
„Herr Habeck. Sie waren eher dünnhäutig die letzten Male, als wir uns gesehen haben.“
„Nein.“
„Doch, jetzt auch wieder.“
„Nein.“
„Doch“
Da ist der Habeck natürlich auf subtile Art (“Kammerspiel”) politisch zerstört worden – dank Markus Lanz.
Unser sprachgewandter Micky erklärt dazu: „Es liegt nun in (!) der politischen Heimat des Betrachters (!), dass Lanz’ Fragetechnik (?) entweder als kritisches Nachhaken empfunden (!) wírd oder als unerträgliche Masche eines Konservativen aus den Bergen Südtirols. ,Nein.’ ,Doch.’ ,Nein.’ ,Doch.’ ,Es geht hier um Deutschland.’ ,Das ist jetzt billig!’ Und so weiter!“ Donnerwetter: Kammerspiel eben!
Wie kam dieser keine Blödheit scheuende Artikel in die „Süddeutsche“? Wird die Redaktion “Medien” vielleicht von einer Frau geführt, die Minnie heißt?
Kennen Sie eine andere Erklärung?