Gescheit

Claus Hulverscheidt vom Wirtschaftsflügel der SZ nennt es „Selbstkasteiung“ (Süddeutsche Zeitung 26.6.19) , wenn in den USA 19 Multimillionäre die Einführung von Steuern auf Spitzenvermögen fordern, während diese selbst die Steuer als notwendigen Beitrag zu mehr politischer und sozialer Stabilität sehen.

Eilmeldung

Laut Anzeige des Autoverleihers Sixt will Kühnert (außer den Eisdielen) auch noch die Autobesitzer enteignen!!!! Bringt eure Porsche Cayennes und auch die beiden Kleinwagen für Frau und Tochter in Sicherheit, bevor es zu spät ist! Jeder weiß es – nicht nur Sixt: Ein Leben ohne Auto – das wäre wirklich die Hölle! Unvorstellbar! Das steht keiner durch.

Vom Strullern und Pullern

Zum Verzweifeln schlecht

Schlecht, albern, humorlos – diese Eigenschaften lassen sich nicht steigern: Schlechter als schlecht gibt es nicht. Wo kein Humor ist, kann nicht weniger als nichts sein. Man kann die Eigenschaften allenfalls emotional steigern, indem man zusätzlich seine subjektive Betroffenheit kundtut und ein „unglaublich“ hinzufügt. Man kann verzweifeln, aber wenn etwas niveaulos ist, so lässt sich diese Betroffenheit nur dadurch ausdrücken, dass man z.B. die Niveaulosigkeit mit dem eigenen Erleben zu „nie dagewesener Niveaulosigkeit“ verbindet. Das mag etwas übertrieben sein, kennzeichnet aber das eigene Gefühl. Im Grunde – das lässt sich schon diesen Ausführungen entnehmen – gibt es Verhaltensweisen, die einen aufgrund ihrer extremen Mangelhaftigkeit sprachlos machen.

Unterschiedliche physische Effekte

Es ist eine glatte Überforderung, wenn man sich etwa über den Humor eines Chris Tall oder Mario Barth äußern soll. Es ist absurd, dass diese Komiker in Massenveranstaltungen Frohsinn statt Melancholie und Depression auslösen. Und wenn gar der ob seiner volkstümlichen Primitivität vom RTL-Publikum so heiß geliebte Mario Barth zugleich ,humorig’ und „investigativ“ herausfindet, dass alle Wissenschaftler komplette Idioten sind, die behaupten, dass Feinstaub gefährlich sei, stehen einem sämtliche Haare zu Berge.
Erschüttert liest man auch, dass der Saal johlte und vor Lachen unter die Sitze kippte, als der Ex-Fußballer Mario Basler den Weggang eines Zuschauers aus seiner Talk-Vorstellung mit den Worten kommentiert: „Ah, der muss pullern. Oder Kacka machen.“ 1

Jubel, Jubel, gute Laune

Das alles könnte einen zwar entsetzen, aber letztlich doch wieder besänftigen, wenn die Rezeption solcher Niveaulosigkeiten sich nur im flachen Unterhaltungsgewerbe zeigen würde. Aber sie ist allgegenwärtig: Als wäre er in Florian Silbereisens Schlager-Show mit den schlackerigen Damen vom Fernsehballett, inszeniert Trump einen Wahlkampfauftritt, indem er, flankiert von bezahlten Jublern (Schauspielern 50 Dollar für 3 Stunden laut „Hollywood Reporter“), mit Gattin eine Rolltreppe zum von Stars and Stripes umkränzten Rednerpult heruntergleitet, den Daumen hebt und – „Wow, wow, das ist mal eine Gruppe von Menschen, Tausende!“ – vor Rührung über die hemmungslos jubelnden ,Massen’ scheinbar von seinen Emotionen übermannt wird.

Regietheater

Es geht immer um die Inszenierung, mag sie auch noch so primitiv sein, dann ist auch Pipi ond Kacka ein Hit. Man muss z.B. auf dem inszenierten modernen Kunstmarkt die Bilder selbst gar nicht ansehen. Um Himmels willen meist besser nicht! Denn es geht ja auch gar nicht um die konkreten Bilder, wenn es sie denn gibt, sondern um die Images der Künstler, die sich als solche für den Markt inszenieren. Und dabei darf das Niveau durchaus das von „Pipi, Kacka“ sein. Es bilde sich nur niemand ein, dass die Kunstliebhaber, nur weil sie dicke Brieftaschen haben, sich auf höherem intellektuellen oder moralischen Niveau bewegen als das Publikum von Chris Tall, Mario Barth oder Mario Basler.

 Meese – zum Totlachen!

Ein Jonathan Meese inszeniert sich z.B. als Trash-Genie. (Er kann „auf dem Sofa sitzen und 130 Mal hintereinander Dancing Queen von Abba hören.“ – Ach, du meine Güte!) Dazu gehört, dass er möglichst verrückt sein muss, so wie sich der Onkel Willi einen Künstler vorstellt. Was sich aber unser Jonathan dabei ausdenkt, ist so umwerfend, als wäre er ein zweiter Chris Tall. Er sagt, er habe sich Bücher unter sein Kopfkissen gelegt, „um im Schlaf Wissen durch Osmose zu erlangen“. Er habe eine Vorliebe für Kuscheltiere, weil man mit Hilfe des Kuscheltiers Dinge sagen kann, die man ohne Kuscheltier nicht sagen kann. Das von ihm erfundene Wort Djottidei „ist aus Don, Johnny, Dotter und Ei zusammengesetzt. Es beschreibt den hermetischen Meese.“ Ha, ha, ha! Der Saal tobt! Mario Barth und Chris Tall gucken mit Kennerblick auf den Kollegen. Gefährlich könnte es allerdings werden, wenn der Clown Sätze von sich gibt wie: „Die Pupsdemokraten gehören weggestrullert,“ 2 Ist das Afd-Humor?

Hier stinkt’s

Nachdem der Bundesfinanzhof – die Behauptung, dass Donald Trump dessen Zusammensetzung bestimmt hat, ist nachweislich falsch und einfach nur lächerlich – Attac die Gemeinnützigkeit abgesprochen hat, wurde es im Bundestag schrecklich … nass: In einer Sturzflut von Tränen  – der Rührung – fielen sich die Abgeordneten von CDU und FDP in die Arme. Ihnen hat Attac gestunken, besonders dem Finanzminister Schäuble. Deshalb musste er etwas unternehmen. Und so hat er sich beschwert – ganz oben. und – heureka! – er hat es geschafft! Die unternehmerische Freiheit – auch von Steuern – ist gerettet. Es war an sich nicht ganz einfach, denn, wie Wolfgang Janisch und Stephan Radomsky in der Süddeutschen Zeitung vom 27.2.19 schreiben, man wird Attac “nicht absprechen können”, dass sein Ziel ist, “einen möglichst großen Nutzen für die Allgemeinheit zu stiften”. Wird man nicht können? Doch kann man. Man muss nur wollen. Aber zum Glück ist das Urteil, wie der Vorsitzende Richter des  V. Senats Bernd Heuermann betonte, “politisch neutral”. Uns fällt ein Stein vom Herzen!!

Ein Witz

Kennen Sie den Witz von Klein Erna?
Die Lehrerin beschwert sich bei Klein Ernas Mutter über Ernas ungeniertes Pupsen. Darauf die Mutter: „Sie sollen ihr nicht riechen, Sie sollen ihr lernen.“
Der Witz passt so ja aber gar nicht hierher, denn Attac hat ja gebildet, aber nicht das, was Lindner und Schäufle für richtig halten. Der Witz muss also eine Fortsetzung erhalten:[htsP anchor_text = “Weiterlesen”]
Als die Lehrerin auf einem anständigen Benehmen besteht, empört sich Klein Ernas Mutter: “Mir passt überhaupt die ganze Richtung nicht: Sie lernen ihr Rechnen. Wo kommen wir denn da hin?! Dann sollen Sie ihr lieber riechen.“

Umwelthilfe stinkt wie Diesel

Für die  Schäubles und Lindners war es wie Weihnachten. ((Heribert Prantl von der “Süddeutschen Zeitung” (2.3.19) urteilt über die Entscheidung: Man wisse nicht, “ob man darüber lachen oder weinen soll”, und nennt deren Begründung “höchst sonderbar”, weil die Ziele von Attac demnach “angeblich weniger relevant für Gemeinnutz und Gemeinwohl als das Werkeln in einem Verein für Modellflug, Amateurfunk, Kleingärtnerei oder Hundesport” wäre – oder der CDU-Wirtschaftsrat. “Das alles ist in Paragraf 52 der Abgabenordnung als gemeinnützig und förderungswürdig aufgelistet, die Bundesfinanzrichter halten sich streng an diese Auflistung; das ist eine ,Idiotie’.” Prantl ebd.)) Nun soll das nächste Projekt starten: Laut Beschluss C113 des letzten Parteitags fordert die CDU, auch die „Deutsche Umwelthilfe“ auf ihre Gemeinnützigkeit hin zu prüfen. Denn wenn schon Attac in übler Weise das Großkapital zum Steuerzahlen zwingen will, so widersetzt sich die Umwelthilfe dem Druck der Autoindustrie. ((Der nordwürttembergische Verband Stuttgart der CDU, in dem Matthias Wissmann Ehrenvorsitzender ist, hatte den Antrag auf dem Parteitag eingebracht.)) Pfui!!
Gemeinnützig ist dagegen auf jeden Fall die Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik. Sie stinkt überhaupt nicht; sie bildet die Staatsbürger, die den Wert von tödlichen Waffen und deren Verkauf nicht erkennen wollen. Das ist eine äußerst verdienstvolle Aufgabe,

Neue Soziale Marktwirtschaft von spezieller Gemeinheit

Und auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist ein extrem  gemeinnütziger Partikularallgemeininteressenverband. Denn sie stellt laut eigener Aussage „eine starke ,Lobby’ für marktwirtschaftliche Alternativen“ dar. Sie möchte nämlich „die gesellschaftliche Akzeptanz unternehmerischer Freiheit“ fördern, unter deren Nicht-Akzeptanz der Unternehmer – auch seelisch – sehr, sehr leidet. „Lobbyisten im Sinne einer einseitigen branchen- oder themenspezifischen Interessenvertretung sind wir aber nicht“, erfahren wir auf ihrer Internet-Seite (https://www.insm.de/). Es geht nicht nur um die Metall- und Elektroindustrie. Man ist da sehr breit aufgestellt. ((“Fehlende geistige Offenheit hat der Finanzhof Attac vorgeworfen (…) Den Vorwurf kann man jeder Ansicht machen, die einem nicht passt. Fehlt die geistige Offenheit, wenn man den ,ausbeuterischen und spekulativen Absichten’ auf den Finanzmarktplätzen per Transaktionssteuer den Riegel vorschieben will? Das Zitat stammt nicht von Attac, sondern von Papst Franziskus.” Prantl ebd.)) Das können auch ihre „Botschafter“ Arend Oetker, Vizepräsident des BDI, oder Rainer Dulger, Präsident von Gesamtmetall, nur bestätigen. Es ist richtig: „Sie wird von den Verbänden der Metall- und Elektro-Industrie finanziert.“ Allerdings, so behauptet sie verschämt, dient sie „keineswegs nur Unternehmen“, auch wenn sie im Sinne der Unternehmer für „flexible Arbeitsmärkte“ eintritt und das Soziale manchmal sehr kritisch sieht, so dass sie  „die von der SPD vorgeschlagene Sozialstaatsreform anlässlich der Jahresauftaktklausur der Partei mit einer Protestaktion begleitet“ hat.
Aber sie stinkt nicht, denn sie will ja  – anders als Attac – nur Gutes. Es wäre natürlich traurig, wenn die Spender aus der Industrie ihre – anders als bei Attac – doch sehr beträchtlichen Beträge (Etat der INSM jährlich etwa 7 Millionen Euro) nicht mehr steuerlich absetzen könnten. Das würde vor allem den Kuratoriumsvorsitzenden Wolfgang Clement, von der SPD zur FDP gewechselt, sehr traurig machen und viele seiner „Botschafter“, wie Unternehmensberater Roland Berger oder Arnulf Baring, den Propaganda-Spezialisten in den Talkshows, oder den edlen von Dohnanyi Klaus. ((Ja, der Dohnanyi ist gemeint, der vor intellektueller Gespreiztheit ähnlich wie einst der selige Karl Lagerfeld kaum mehr halbwegs normal reden kann.))
Nein, lieber Wolfgang Clement, ihr braucht euch nicht zu grämen: Ihr werdet auch in Zukunft noch genug Geld zur Verfügung haben. Quidem parva Erna olet, sed pecunia non olet – Klein Erna stinkt zwar, aber Geld stinkt nicht. Darauf könnt ihr ruhig alle „einen lassen“. Eurer Gemeinnützigkeit wird’s gewiss nicht schaden.[/htsP]

Flügel oder Keule?

Freude, schöner Götterfunken,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Alle Menschen?

Freudetrunken

Am Sylvesterabend kann schon mal so ein sanfter Flügel bei den Seehofers, Schäubles usw. weilen, wenn sie „freudetrunken“ vom fein perlenden Trunk der Witwe Clicquot, Beethovens “Neunter” lauschend, über den schillernden Wolken zu schweben vermeinen. Aber das mit der Brüderlichkeit darf natürlich nicht zu weit gehen: Wenn nämlich der Flügel zur Keule wird und man geschubst und gestoßen werden sollte, gezwungen zum Anblick der 1400 im Mittelmeer ertrunkenen Leichen und der unzähligen toten Männer, Frauen und Kinder aus Afrika, die auf ihrer Flucht vor dem Elend gar nicht erst auf die Boote gekommen sind, weil sie schon auf dem Weg zur Küste in der Wüste umgekommen sind, dann muss der Spaß mal ein Ende haben, und Brüder und Schwestern müssen wieder zu bedrohlich dunklen Fremden werden.

Nüchtern

Mal nüchtern betrachtet: Man darf den Brüdern nicht helfen. Denn man braucht möglichst viele tote Frauen, Männer und Kinder und möglichst viele Bilder davon – für die Afrikaner. Damit möglichst viele Flüchtlinge erkennen, wie hoffnungslos nicht nur ihr alltägliches Elend, sondern auch ihre Flucht vor dem Elend ist. Damit sie da bleiben, wo nicht einmal der Pfeffer für sie wächst.
“Etwas Besseres als den Tod findest du überall”, sagte der Esel. So ein Esel!
Die Armen haben eben Pech gehabt: Warum mussten sie auch ausgerechnet in Afrika auf die Welt kommen!
Was sich die wenigsten klar machen: Wie alle Menschen haben übrigens auch Menschen aus Afrika nur dieses eine Leben.