Feinsinnige Betrachtung

Neulich der Arztbesuch – hat sich doch gelohnt! Im Wartezimmer der Radiologie, viele Kranke und ein geschäftiger, fröhlich summender Arzt! Welch eine Quelle der Inspiration! So wurde ein Zweizeiler geboren, kurz und prägnant! Auf prickelnde Weise unrein zwar der Reim, aber doch welche Klangfülle: Wie unsäglich zart verbinden sich die Liquide, das vom Asiaten gehasste r (immerhin satte 7% Häufigkeit im Deutschen), vereint mit dem leisen k (nur bescheidene 1,21%), und das vom Asiaten wie vom Deutschen geliebte Frikativ s (mit seinen satten 7,27%) zu einer bestürzend stimmigen Harmonie!

Hat der Arzt schön viele Kranke,
freut er sich mit lautem Sange!

Black and white – unite! Ob schwarz, ob weiß – wenn Geld, dann gleich!

Eigentlich ist Professionalismus das Größte. Profis – ohne einen hindernden eigenen Standpunkt – ja, die wollen wir, wie z.B. so einen Stefan Aust, der ohne weiteres von der linken, einst sogar DDR-finanzierten „Konkret“ und der schmuddeligen St Pauli Zeitung zum Spiegel und nun zu Springers „Welt“ wechseln kann, oder Jakob Augstein, der den ursprünglich linken “Freitag” herausgibt, aber sich für den Wechsel des Merkel-Freundes Blome von BILD zum ursprünglich mal linksliberalen Spiegel eingesetzt haben soll, und das finden sie und das finden wir alle super! Das sind eben Profis!
Aber was soll man davon halten, dass der Tod Nelson Mandelas, der kein Profi war, sondern ein „moralischer“ Politiker und als solcher doch eigentlich unfähig zur Politik, in den Medien eine breite und den Menschen und Politiker kurioserweise positiv bewertende Berichterstattung ausgelöst hat?
Übrigens: Als in diesem Zusammenhang der Korrespondent einer Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalt nach dem heutigen Zustand der von Mandela ersehnten und den nachfolgenden Profis eher gleichgültigen Regenbogennation gefragt wurde, suchte er angesichts der immer noch oder immer mehr auseinander driftenden Gesellschaft Südafrikas nach einem Hoffnungsschimmer und fand ihn in der neuen schwarzen Mittelschicht: Wenn nämlich, so meint er mit Recht, ein schwarzer und ein weißer Banker am Mittagstisch zusammen säßen, dann hätten sie sich etwas zu sagen.
Ja, das ist wahrhaftig schööön!

Unfehlbare Folgen

Mit, wie es heißt, flammender Kritik hat der Papst in “Evangelii Gaudium” den entfesselten Kapitalismus angegriffen. Da muss doch unsere Koryphäen aus den Wirtschaftsredaktionen von der “Süddeutschen” oder der “Zeit” ein Gefühl der Ehrabschneidung ergriffen haben. Wie mögen sie reagieren?
Ganz locker und einfach:
“Der Papst geht fehl in seiner Kritik am Kapitalismus.” (“Die Zeit”)
“Der Papst irrt.” (“Süddeutsche”)
Die FAZ fragt sich: “Was der Papst verschweigt” und “ob sich die Thesen des Papstes empirisch überhaupt halten lassen.”
Und BILD? Wo bleibt der BILD-Titel: “Papst blöde! Enge Vertraute des Papstes sorgen sich um Franziskus. Wie BILD aus geheimer Quelle erfuhr, soll er seit Kurzem mit Sarah Wagenknecht … “?
Liebe BILD-Redakteure, Gefahr ist im Verzug, es eilt!!!!