BILD deckt auf: Warme Pferdeäpfel für alle!

Liebe Frau Schulze,
da Sie vorwiegend die BILD-Zeitung lesen, möchte ich Ihnen etwas Gutes tun und Sie durch die Informationen, die Ihnen Frau Springer vorenthält, zu einem eigenen Urteil verhelfen. Dank einer wunderbar funktionierenden Gehirnwäsche fallen Sie anscheinend mit der Masse der Menschen immer noch auf die Sprüche der Wirtschaftsbosse herein, wonach das, was gut für Herrn Ackermann und die Familie Goldman und Sachs ist, auch gut für Sie und ihren Freund, Herrn Müller, wäre. OLYMPUS DIGITAL CAMERADenn ein florierendes Unternehmen, so macht man Ihnen weis, obwohl Sie doch eigentlich täglich das Gegenteil erfahren, schaffe Arbeitsplätze und Wohlstand für alle. Na gut, wir würden uns wünschen, dass dem so wäre, nicht wahr? Aber das Leben …
Ein wenig überzeugendes Beispiel für diesen angeblichen sozialen Nutzen des unternehmerischen Geschicks bieten momentan die Bemühungen um die Befreiung von der Umweltumlage bei den Stromkosten. Sie sind – zu Recht – unzufrieden, weil Sie mehr bezahlen sollen. [dropdown_box] Doch schuld sind nicht die neuen Energien, sondern die schlauen Unternehmer und unsere schlaue – weil wirtschaftlich kompetente – Regierung. Da die Befreiung für Unternehmen mit intensivem Stromverbrauch in Relation zu den sonstigen Betriebskosten berechnet wird, sollten die Kosten für die Beschäftigten möglichst niedrig sein. Was also tut der listige Unternehmer? Entlassungen und Einstellen von billigen Zeitarbeitern oder Niedriglohnarbeitern aus dem Osten! Genial, was? Welchen Nutzen Sie, Frau Schulze, daraus ziehen sollen, bleibt rätselhaft. Im Gegenteil. Da ja die Kosten für die Energiewende auf alle Stromverbraucher verteilt werden. erhöhen sich die Kosten für Ihren Strom, und der nette Freund vom Herrn Müller hat keine Arbeit mehr. Sie zahlen für die niedrigen Stromkosten der Industrie. Aber die Befreiung von der Umweltumlage hat noch einen weiteren Nachteil für alle, die auf den Klimaschutz hoffen: Es ist sogar so, dass es sich für die Unternehmen nicht lohnt, Strom einzusparen, weil sie dann u.U. nicht mehr die Befreiung von der Umweltumlage erhalten. Davon, dass die Energieunternehmen die Kosten erhöhen, obwohl dank den Einspeisungen der neuen Energien der Preis an den Strombörsen sinkt, wollen wir lieber gar nicht reden. Das passt nicht in Ihr Weltbild? Sie verstehen das nicht? Ist aber auch nicht leicht zu verstehen.
Nun, die netten Wirtschaftswissenschaftler haben das sonst für uns so schwierig zu durchschauende wirtschaftliche Geschehen in das schöne Bild des unternehmerischen Gauls (Pferdeäpfeltheorie) gefasst. Der ansehnliche After dieses schmucken Tieres spende nämlich, wenn wir das Tier gut füttern – und das tut unsere Regierung selbstlos – appetitlich dampfende Pferdeäpfel, die wir dann verspeisen dürfen. Wenn wir sie rechtzeitig finden, bevor sie mit dem statt des Getreides angebauten Mais in der gewinnbringenden Biogasanlage verbraten wurden! Ein kulinarisches Event – das muss man ganz klar sagen – OLYMPUS DIGITAL CAMERAist das aber ohnehin nicht.
Noch ein anderes anschauliches Bild, das die um Aufklärung bemühten Wirtschaftswissenschaftler Ihnen bieten, mag Sie vielleicht froh stimmen: Wenn Sie, liebe Frau Schulze, nach der Mahlzeit noch dürsten sollten, dann hat das gut getränkte Pferd – so lautet die Theorie – für Sie vielleicht noch ein paar Tropfen köstliches Nass (triple down effect) übrig. Die Pforte des Paradieses (in Form Ihres dürstenden Mundes?) steht also weit offen? Naja! So schön es auch wäre, die Getränkekarte verspricht mehr, als sie zu halten vermag. Denn leider, liebe Frau Schulze, kann Sie der unternehmerische Gaul anscheinend nicht leiden, und er vermag mit unglaublichem artistischen Geschick (BILD: “Sensationell!”) nach oben zu pissen (triple up effect): Er begießt sich selbst. [ref] Der neue Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller fürchtet, dass unsere Gesellschaft in Flammen aufgehen könne, wenn die Umverteilung von unten nach oben so weitergehe.[/ref] Ob Sie dürsten, ist ihm sch pferdeäpfelegal. Im Grunde ist das Leben eben hart, Frau Schulze, wenn Sie so wollen. [/dropdown_box]

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