Beuth und Bautz

Es geschah vor einigen Jahren: Friedhelm Bautz, seines Zeichens Familienoberhaupt der Familie Bautz, stand in der Küche vor dem Mülleimer und starrte auf die Scherben der wertvollen handbemalten Porzellanvase Chinese Fishbowl im zeitlosen Dekor, die bis dahin lange auf der Kommode im Wohnzimmer gethront hatte. Nach kurzer Schockstarre stand sein Entschluss fest: Er musste unbedingt herausfinden, wer die auf der Kommode zerbrochen und die Scherben heimlich entsorgt hatte. Daher setzte er eine familiäre Fahndungsgruppe ein, die feststellen sollte, dass der Täter unter keinen Umständen jemand aus der Familie gewesen sein konnte. Damit endet auch schon die Geschichte von Friedhelm Bautz, denn es ist eine Geschichte ohne Ende. Die Fahndungsgruppe fahndet und fahnde und fahndet …
Es geschah vor kurzem. Janine Wissler erhielt eine Morddrohung, unterzeichnet von NSU 2.0. Frau Wissler ist zwar von den Linken, Fraktionschefin in Hessen, aber das hat den hessischen Innenminister Beuth, obwohl von der CDU, nicht daran gehindert, diese gewaltbereiten Absender der Botschaft zu verurteilen. Es könnte ja schließlich auch gegen ein CDU Mitglied gehen, wie im Fall der Ermordung Walter Lübckes geschehen. Beuths offenes Bekenntnis zum Antifaschismus muss man loben, zumal die CDU in Hessen ja bekanntlich ziemlich rechts steht.
Da die Nazis sich hier wieder einmal des Polizeicomputers bedient haben, liegt die Vermutung nahe, sagt Peter Beuth, dass es in Hessen ein „rechtes Netz in der Polizei“ geben könnte. Mit „rechtes Netz“ meint er gewaltbereite Nazis. Aber Beuth sagt, „stets sei er dieser These entgegen-getreten“. Warum er das „stets“ getan hat, sagt er nicht. Vermutlich, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. (Deshalb will ja auch Horst Seehofer keine Studie über möglichen Rassismus in der Polizei.) Beuth kennt auch überhaupt gar keinen Nazi, weder in der Polizei noch sonstwo. Und extreme Rechte wie Erika Steinbach, Alexander Gauland usw. wirken ja inzwischen alle in der AfD. Die CDU hat sogar einmal einen vermutlichen Nazi wie Martin Hohnmann aus der Partei ausgeschlossen, nachdem dieser sich offen antisemitisch geäußert hatte. (Heute wirkt auch er in der AfD.). Aber der Verdacht gegenüber der Polizei wiegt so schwer, dass er anscheinend einfach jeder Grundlage entbehren muss. Also hat Beuth laut Süddeutscher Zeitung (11.7.20. S.6) nun den folgenden Auftrag gegeben: „Ich erwarte von der hessischen Polizei, dass sie nichts unversucht lässt, diesen Verdacht zu entkräften.“
In der Polizei herrscht nun Schrecken und Furcht: Was geschieht mit den Polizisten, die es wagen sollten, im Ergebnis ihrer Untersuchung den Verdacht nicht zu entkräften, sondern ihn zu erhärten?

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