Hoffnungsvoll

Der Fünfundzwanzigjährige, der seinen McLaren – von liebenden Eltern? – gerade erst erhalten hatte, war mit 286 km/h – oder waren es doch 314 km/h? – über die Autobahn gerast war und hatte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. 1 Der Schaden am Fahrzeug war groß, und die achtzehnjährige Beifahrerin tot. Im Gegensatz zu Fahrzeugen ist das Leben schwer zu ersetzen. Der Freund des schnellen Autos sagte daher in der Gerichtsverhandlung: „Es tut mir außerordentlich leid, was geschehen ist.“ Das sind wohl gewählte Worte. Es tut ihm nicht nur leid, sein Bedauern ist nicht nur ordentlich, sondern sogar außerordentlich. Das muss das Gericht sehr bewegt haben. Und rührend ist es geradezu, wenn er noch hinzufügt: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun.“ Ja, das würde er doch tatsächlich tun. (Es war ja überhaupt kein angenehmes Erlebnis – auch für ihn nicht.) Leider, leider steht es nicht in seinem Vermögen. Sonst, nichts lieber als das. Es ist nicht etwa, weil er keine Zeit hätte, sondern er ist da echt hilflos. Vermutlich wäre er sogar bereit gewesen, einen finanziellen Beitrag zur Wiedergutmachung zu leisten. Aber das Opfer ist ja wie gesagt leider tot. Auf jeden Fall kann man feststellen: ein wohlerzogener junger Mann, von dem man noch viel erwarten kann.

Eintönig

Grey 1974 Gerhard Richter

Das linke Bild aus der Reihe von Gerhard Richters Grey Paintings – ein englischer Titel von Werken und Ausstellungen gehört nun einmal unbedingt in unsere kosmopolitisch fühlende Kulturwelt! – hat den schlichten, aber treffenden Titel Grey und ist ganz anders als eines der blauen Werke von Yves Klein: allein schon aufgrund der ganz anderen Farbe!
Nichts überzeugt mehr als die ausschließliche Konzentration auf die Farbe: überwältigend!
Außerdem muss man natürlich wissen, dass diesem Werk Richters eigentlich ein wunderbar gelungenes Gemälde der Montagne Sainte Victoire  zugrunde liegt, das er immer weiter abstrahierend übermalt hat. Oder doch nicht?
Leider kann man die ganze faszinierende Ästhetik der Farben in den Bildern von Richter und Klein nur im Original erkennen, das uns selbstverständlich nicht zur Verfügung steht.
Ein Kauf stellt jedenfalls eine hervorragende Geldanlage dar – gerade auch angesichts der exklusiven Höhe der Preise. Die ebenfalls wohlhabenden Freunde des Käufers werden vor Neid erblassen – oder schwarz werden.
Lassen Sie sich jedoch auf keinen Fall das unten abgebildete Werk (Red 103) aufschwatzen. Es ist weder von Richter noch von Klein, sondern gefährlich: es kann unkontrollierbare psychische Prozesse auslösen.
Vom monochromen Meisterwerk “White 17”, eines der am meisten kopierten Chefs d’oeuvre eines unbekannten Meisters (Banksy?), gehen dagegen, soweit bekannt, so gut wie keine negativen Strömungen aus, und es soll auch deshalb den Höhepunkt am Schluss unserer hoffentlich deeply inspiring Darstellung bilden.

White 17

Beuth und Bautz

Es geschah vor einigen Jahren: Friedhelm Bautz, seines Zeichens Familienoberhaupt der Familie Bautz, stand in der Küche vor dem Mülleimer und starrte auf die Scherben der wertvollen handbemalten Porzellanvase Chinese Fishbowl im zeitlosen Dekor, die bis dahin lange auf der Kommode im Wohnzimmer gethront hatte. Nach kurzer Schockstarre stand sein Entschluss fest: Er musste unbedingt herausfinden, wer die auf der Kommode zerbrochen und die Scherben heimlich entsorgt hatte. Daher setzte er eine familiäre Fahndungsgruppe ein, die feststellen sollte, dass der Täter unter keinen Umständen jemand aus der Familie gewesen sein konnte. Damit endet auch schon die Geschichte von Friedhelm Bautz, denn es ist eine Geschichte ohne Ende. Die Fahndungsgruppe fahndet und fahnde und fahndet …
Es geschah vor kurzem. Janine Wissler erhielt eine Morddrohung, unterzeichnet von NSU 2.0. Frau Wissler ist zwar von den Linken, Fraktionschefin in Hessen, aber das hat den hessischen Innenminister Beuth, obwohl von der CDU, nicht daran gehindert, diese gewaltbereiten Absender der Botschaft zu verurteilen. Es könnte ja schließlich auch gegen ein CDU Mitglied gehen, wie im Fall der Ermordung Walter Lübckes geschehen. Beuths offenes Bekenntnis zum Antifaschismus muss man loben, zumal die CDU in Hessen ja bekanntlich ziemlich rechts steht.
Da die Nazis sich hier wieder einmal des Polizeicomputers bedient haben, liegt die Vermutung nahe, sagt Peter Beuth, dass es in Hessen ein „rechtes Netz in der Polizei“ geben könnte. Mit „rechtes Netz“ meint er gewaltbereite Nazis. Aber Beuth sagt, „stets sei er dieser These entgegen-getreten“. Warum er das „stets“ getan hat, sagt er nicht. Vermutlich, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. (Deshalb will ja auch Horst Seehofer keine Studie über möglichen Rassismus in der Polizei.) Beuth kennt auch überhaupt gar keinen Nazi, weder in der Polizei noch sonstwo. Und extreme Rechte wie Erika Steinbach, Alexander Gauland usw. wirken ja inzwischen alle in der AfD. Die CDU hat sogar einmal einen vermutlichen Nazi wie Martin Hohnmann aus der Partei ausgeschlossen, nachdem dieser sich offen antisemitisch geäußert hatte. (Heute wirkt auch er in der AfD.). Aber der Verdacht gegenüber der Polizei wiegt so schwer, dass er anscheinend einfach jeder Grundlage entbehren muss. Also hat Beuth laut Süddeutscher Zeitung (11.7.20. S.6) nun den folgenden Auftrag gegeben: „Ich erwarte von der hessischen Polizei, dass sie nichts unversucht lässt, diesen Verdacht zu entkräften.“
In der Polizei herrscht nun Schrecken und Furcht: Was geschieht mit den Polizisten, die es wagen sollten, im Ergebnis ihrer Untersuchung den Verdacht nicht zu entkräften, sondern ihn zu erhärten?

Auf immer meiden

„Es gibt kein unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens und tiefer moralischer Nichtswürdigkeit, als ein Zug reiner, herzlicher Schadenfreude. Man soll den, an welchem man ihn wahrgenommen, auf immer meiden.“ Wumms! Da hat er wieder mal philosophisch hingehauen, der Schopenhauer.
Wer will dagegen anphilosophieren?
Ganz klar: Wen der Schaden aus welchem Grunde trifft, hat dabei unerheblich zu sein! Wenn z.B. der Besitzer des reichlich und raumübergreifend defäkierenden Kampfhundes auf dessen nicht beseitigten Darmentleerungsresten ausrutscht und das Herrchen des aggressiv grinsenden Tieres mit seiner Nase mitten in dessen Unrat landet, darf man auf keinen Fall schadenfroh sein – auch wenn es noch so schwer fällt. Wumms!
Wenn Bolsonaro die Erkrankung an Corona gut überstehen sollte, so wäre das Wasser auf seine Mühlen, weil er dann ja anhand der eigenen Person erwiesen hätte, dass Corona ja nur ein „Grippchen“ (gripezinha) ist. Es gebe also auch keinen Grund zur Schadenfreude darüber, meint Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires, in seinem Kommentar auf tagesschau.de. Seine Aussage scheint aber zu implizieren, dass Bolsonaro zwar nun – im übertragenen Sinne – in die Sch… getreten, aber noch nicht auf dem schlüpfrigen Grund ausgerutscht sei. Daher muss man auf einen möglichst schlimmen Verlauf seiner Corona-Erkrankung hoffen. Dann dürfe man sich u.U. zur Schadenfreude berechtigt glauben, weil man durch den Schaden die Armen Südamerikas vor Corona besser geschützt sehen kann. Doch da hören wir den zornigen Aufschrei des Philosophen in unseren geistig ausgestreckten Ohren: Schadenfreude muss letztlich als „unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens“ immer tabu sein. Wumms!
Auweh, nach dem armen Boris Johnson hat es nun also – leider, leider – auch Bolsonaro getroffen. Wann erwischt Covid – leider, leider – endlich den Trump, und zwar so heftig, dass es ihn richtig umhaut? Wir werden uns auf jeden Fall ganz, ganz doll bemühen, so lange wie möglich von Schadenfreude, dieser „tiefen moralischen Nichtswürdigkeit“ frei zu bleiben. Großes Indianer-Ehrenwort.

Nichts Neues

Urlaubszeit. Langweilig. Kaum Stoff für Satire. Dabei seid ihr Dummen natürlich nicht plötzlich alle im Meer vor Mallorca ertrunken. Oooohhhh, nein, wie dumm! Ihr kriegt eben nie genug: Begierig saugt ihr auf, was euch z.B. dieser Trump vor vielen blau weiß roten Fahnen mit mal links, mal rechts schief gelegtem Kopf und ausgestrecktem Zeigefinger an Schwachsinn verzapft. Denn euer Hirn ist ja leider bei der Darmentleerung mit durchgerutscht. War ohnehin nicht viel, sah aber sehr unappetitlich aus. Wir erleben momentan eine virale geistige Diarrhö kosmischen Ausmaßes, vor der sich andere Viren, wie Covid 19, demütig verbeugen.
Und nun wartet ihr, dass Adolf Kalbitz aus dem Kyffhäuser zurückkehrt, wohin er sich grollend zurückgezogen hat, weil Jörg Hubert von Hindenburg-Meuthen das Heraufkommen des IV. Reichs verzögert hat. Mangels Elektrizität und aufgrund der Dunkelheit in seiner Höhle hat Kalbitz Probleme mit dem Rasieren: Damit er sich nicht versehentlich mit dem Messer die geliebte Nase wegsichelt, spart er beim Rasieren einen kleinen Fleck unter seiner Nase aus. Steht ihm hervorragend. Sieht aus wie dieser Stummfilmkomiker.
Salomo, der sich nicht nur durch einen überragenden Geist, sondern auch durch seine Manneskraft auszeichnete – er brachte es immerhin auf siebenhundert fürstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen und kannte sie alle beim Namen – der weise Salomon wusste es schon immer: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“

Psychisch kranke Wähler bejubeln psychisch kranke Politiker, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Massen unterwerfen sich den Größenwahnsinnigen. Was wollen sie denn auch sonst machen! „Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie dort wieder aufgehe”, wusste schon der weise Salomo.
Aber halt! Ändert sich gar nichts? Überhaupt ganz und gar nichts?
Sensation! Unerhört! Ein Gericht in Frankreich hat doch tatsächlich einen ehemaligen Premierminister und Präsidentschaftskandidaten, den überaus sittenstrengen, homophoben und xenophoben,, katholisch-konservativen Francois Fillon zu fünf Jahren Gefängnis (davon allerdings drei Jahre zur Bewährung) verurteilt, und zwar nur weil er – durchaus wohlhabend und immer darum bemüht den Reichtum der Reichen zu mehren – aufgrund seiner Geldgier den Hals nicht voll kriegen konnte und aus alter Gewohnheit den Staat bzw. das Volk ein bisschen beschummelt hat. Allzu menschlich. Man nimmt eben, was man kriegt. Das versteht doch jeder. Und da diese Geldgier ja ganz sicher angeboren und folglich zwanghaft war, kann es gar nicht anders sein, als dass die Berufung gegen das Urteil auf eine allenfalls geringe Schuld erkennen wird.
Der weise Salomon wusste das natürlich schon: „Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder.“ Und: “Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing. Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder.“ Usw. usw. usw.
Schließlich sagt der der weise Salomo aber auch: „Alles Reden ist so voll Mühe, dass niemand damit zu Ende kommt.“ Doch! Schluss jetzt!