Herberts Herbst

Was fangen wir denn nun schon wieder mit diesem Herbst an?

Herr, es ist Zeit!
Herbert! Beeilen!
Einer herrscht!
Ach, der Herrbscht?
Der Herr, Bert!
Herr? Pst!
So einer?
Der Herr! Bete! Reime! Rilke!
Herb. Verderb.
Jedoch der Sommer
war sehr (!) groß.
Ernst?!
Wir alle fallen. W. (Weeeh!)
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Einer? Heiner?
Rainer? Eberhard?
Nein, der doch nicht!
Jalke? Rindl?
Herbert!!!

P.S. Übrigens ganz schlechte Zeit zum Hausbauen 1

Schäme dich, Annegret!

Was? Das soll die neue Uniform der Bundeswehr sein, für die dieser junge Mann posiert hat? Wir alten Krieger finden das unmöglich! Oben ohne, unten ohne – nur der Kopf bedeckt, wie es sich gehört! Wo soll er da denn wohl seine Orden hinstecken? Zudem ist die grüne Tarnfarbe unzureichend, und wo sind Messer und Maschinengewehr, die doch für das Blutvergießen, wie jeder Veteran weiß, unerlässlich sind? Das kommt davon, wenn man eine Frau zur Verteidigungsministerin macht! Sie gehört sicher auch zu denen, die, wie man von QAnon weiß, Kinder foltern, ihnen oxidiertes Adrenalin abzapfen, um es es als Adrenochrom zur Verjüngung zu trinken. Pfui, Annegret Kramp-Karrenbauer oder wie auch immer Sie wirklich (Jaroslawa Kudrjawzewa?) heißen mögen!

AKK nach der Einnahme von Adrenochrom

Alle verantwortungsbewussten, freiheitsliebenden, stolzen deutschen Bürger sind aufgerufen, massenhaft gegen jegliches Pieksen von Kindern sowie die Existenz von Corvid 19 Viren und Ausländern zu demonstrieren. Wir treffen uns kommenden Montag pünktlich mit Reichsflagge und Pickelhaube, nüchtern und gekämmt, überaus zornig vor dem Brandenburger Tor.

AKK vor Einnahme von Adrenochrom

Blutdurst und Camembert

Erdogan ist sehr, sehr sensibel. Kritik löst bei ihm Jähzorn aus. Dann stampft er heftig mit dem rechten Bein auf, bringt seine Frisur durcheinander, indem er sich die Haare rauft, so dass er aussieht wie Boris Johnson, sieht Sterne und brüllt schmutzige Fünfbuchstabenwörter, so dass seine Gattin Emine in seinem Palast heftig am goldverzierten Band der Glocke zieht, um einen seiner Hofärzte herbeizurufen, der für Haare und seelische Gesundheit zuständig ist (dreimal läuten, Pause, zweimal läuten). Solche Empfindlichkeit findet sich oft bei Menschen, die nur von Hofschranzen umgeben sind und zu denen schon die Mama einst immer wieder gesagt hat, dass sie das schönste und klügste Kind der ganzen Welt seien und ob sie noch einen Bonbon möchten.

Das hätte Frankreichs Präsident wissen müssen, als er geäußert hat, der Islam stecke weltweit in einer Krise. Wahrscheinlich dachte Macron, dass der Islam sich ja früher durchaus sehr tolerant gezeigt habe. Erdogan, der sich immer häufiger mit dem Propheten verwechselt und daher Karikaturen von sich verabscheut, reagierte darauf natürlich zutiefst erzürnt, und da er nicht mit Macron raufen konnte, musste er ihn beschimpfen. Er hat da auch eine Reihe schmutziger Fünfbuchstabenwörter zur Verfügung, aber seine Frau Emine versucht dann, ihn ein wenig zu besänftigen („Aber teurer Sultan Recep Tayyip, mächtiger Herrscher des osmanischen Weltreiches, gefürchtet nah und fern, so beruhige dich doch!“), bevor er ganz außer sich ist. Manchmal gelingt es.

Auch diesmal hatte sie einen kleinen Erfolg.
Ein wenig ruhiger hat er daher auf die Kritik mit dem Ratschlag reagiert, dass sich Macron in der Psychatrie dringendst auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen sollte. Der Ratschlag rührte aber keineswegs, wie ein naiver Beobachter meinen könnte, aus der Sorge um einen guten Freund her. Sorge um andere ist Erdogan fremd. Erdogan musste sich aber – wenigstens verbal – abreagieren, sonst hätte er heulen müssen und vielleicht mit seinem großen Bruder drohen, der Mohamed Ali heiße, aber nicht wie Mohamed aussehe und eigentlich auch nicht wie Ali. (Der Mohamed Ali lebt ohnehin auch gar nicht mehr.)
Dann hat er überlegt, wie er sich an diesem üblen französischen Präsidenten noch weiter rächen könnte: Ihm etwas wegnehmen und es verstecken oder es ihm ganz beschmutzt zurückgeben? Der Brigitte, Macrons Frau, in den Po kneifen und so tun, als wäre er es nicht gewesen? Das alles kam kaum auch deswegen in Frage, weil der Macron ja so weit weg wohnt und er die Gelegenheit erst beim nächsten Staatsbesuch hätte.
Daher entschied er, den französischen Präsidenten und alle seine Landsleute dadurch zu bestrafen, dass alle Anhänger des Islams – zumindest in der Türkei – ab sofort keinen französischen Käse mehr essen dürfen. Das, fand er, sei doch eine geniale Idee. (Sie sollten auch nicht mehr in französischen Pfannen braten uäm.)
An der Genialität dieser Idee gibt es aber Zweifel, weil nämlich die meisten Moslems, besonders die, die nie ohne Messer und Bombe aus dem Haus gehen, keine großen Genießer sein sollen und ohnehin nur den langweiligen, bei Kindern wegen des lustigen Bildes auf der Packung beliebten Schmelzkäse „La vache qui rit“ gegessen haben. Denn wen nach Blut dürstet, verzichtet gern auf ein Glas Roten mit einem Stück zart auf der Zunge zerschmelzendem Camembert.

Ein Glas Wasser

Wasser ist ja banal: flüssig, durchsichtig (wenn sauber), Es gibt Salzwasser in Meeren, Süßwasser in Flüssen und Seen sowie als Quellwasser und als Regenwasser. Wenn er sauber und nicht salzig ist, kann man es trinken. Es ist dann ziemlich geschmacklos.
Wie wirbt man für Wasser, das doch bloß wässrig ist, nichts zum Anfassen? So wie Markus Söder? Er ist so allgegenwärtig, als wäre er Wasser. Wenn er eine Maske trägt, kann man sein Foto betrachten, ohne sich zu gruseln.

Oh, Graus! Was macht er?

Er regt dann weniger auf als ein Glas Wasser. Aber wie wirbt man für ein Glas Wasser?
Ein werbewirksames Foto von Wasser gibt es nicht; man sieht ja nur seinen Hinter- oder Untergrund oder was sich in ihm spiegelt.
Lidl wirbt für das in Flaschen abgefüllte, offenbar weibliche Wasser „Saskia“ mit dem Slogan: „So geht Wasser.“ Da rennt man natürlich sofort zum nächsten Lidl-Markt und kauft die Regale leer. Aber was machen wir mit Markus Söder?

Wie? Waldi?

Nein, nein und nochmals nein, Armin Laschet ist nicht der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Das sei völlig aus der Luft gegriffen, hat seine Ehefrau Susanne eidesstattlich und empört versichert. Man wolle ihm einen Strick daraus drehen, dass ihm vor ein paar Jahren in seinem Ehrenamt als Lehrbeauftragter der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) sämtliche Klausuren eines Seminars verloren gegangen waren und er anschließend aus dem Gedächtnis Noten, natürlich ausschließlich gute, verteilen musste und dabei zu deren Freude auch Studierende berücksichtigte, die an der Klausur gar nicht teilgenommen hatten.
Das erkläre sich aber selbstverständlich keineswegs aus einer ihn periodisch immer wieder innerlich zerrüttenden Vergesslichkeit – er hat die Klausuren bis heute nicht wieder gefunden – , sondern liege zum Glück ausschließlich und allein an der Deutschen Post, der er die Klausuren ausreichend frankiert mit klar und deutlich geschriebener Adressanzeige übergeben habe und die die Klausuren unermüdlich, aber bis heute leider vergeblich suche.

Dass er dann beim Aufräumen sofort seine Aufzeichnungen zu den verloren gegangenen Klausuren vernichtet habe, sei ausschließlich auf seine geradezu pedantische Ordnungsliebe zurückzuführen; die Aufzeichnungen hätten – nur abgrundtief böse Menschen könnten das Gegenteil behaupten – wirklich existiert. Außerdem habe er ja auch sein Ehrenamt niedergelegt, weil er nun mal wirklich viel zu tun habe und manchmal nicht wisse, wo ihm sein Kopf und der seiner Frau stehe.1
Laschet bestreitet auch entschieden Geistesabwesenheit als Ursache dafür, dass er trotz aufgeregtem Hundegekläff minutenlang nicht zur Tür kam, als vor kurzem beim gut verdrahteten Hausherrn sein Parteifreund, der Wirtschaftsminister Peter Altmeier, an der Tür läutete, den Laschet um 16.00h – „ich hasse Unpünktlichkeit“ – zu einer Tasse Kaffee und einem Scheibchen Sandtorte, von Ehefrau Susanne selbst gebacken, geladen hatte.
Dass er dem Herrn Altmeier zwar zur herzlichen Begrüßung beide Hände entgegenstreckte und dabei sein bekannt unwiderstehliches Lächeln aufsetzte, ihn aber zunächst nicht anredete, ihn schließlich aber Neumeier und vor allem Dickerchen nannte, hatte den Ankömmling, wie er Vertrauten gestand, bereits ein wenig gekränkt. Doch dann erkundigte sich Laschet beim ledigen Altmeier nach dem “Wohlbefinden der verehrten Frau Gemahlin”. Das verwunderte den gutmütig geduldigen Gast zwar schon ein wenig mehr, ohne ihn jedoch wirklich zu erzürnen.
Als Laschet aber kurz darauf seine eigene Ehefrau als Waldi vorstellte und ihr „Platz!“ befahl, zeigte sich Altmeier dann doch allmählich irritiert, zumal Laschets Frau ja bekanntlich nicht Waltraut, sondern Susanne heißt – wen sollte also das “Waldi” meinen?  Doch vor allem das der Ehefrau entgegengeschleuderte “Platz!”, dieser allzu barsche Befehlston, der ja heutzutage  – man denke an “MeToo” – leicht als männlicher Chauvinismus ausgelegt werden kann, ließ Altmeier sich insgeheim fragen, ob so jemand als Bundeskanzler taugt.