Ach, Mensch!

Wenn da so ‘ne Oma mit dem Fahrrad umgekippt ist und nun hilflos auf der Straße liegt und ihre Einkaufstasche neben ihr auf dem Boden mit herausgefallenem, gut gefülltem Portemonnaie liegt und du gerade zufällig vorbei kommst und vorher gerade überlegt hattest, wohin du mit deiner Familie in den Ferien fahren sollst, ohne dass es zu teuer werden darf, dann gebietet es doch die Vernunft, ja, es ist geradezu deine Pflicht gegenüber der Familie, die Gelegenheit, die dir das Schicksal bietet, zu ergreifen. Oder meinst du, es wird dir im Jenseits gelohnt, dass du das Geld liegen lässt?
Oder wenn einer besiegt am Boden liegt, das zeigen uns die Hooligans bei der Fußball EM, dann ist das eine herrliche Gelegenheit, ihm auf den Kopf und in den Bauch zu treten. Das wissen auch Politiker wie Herr Schäuble.
Die Pflicht gebietet es den Politikern, auf moralische Gefühlsduselei zu verzichten und alles Geld, das ihnen die EU bietet, zu kassieren, ohne Rücksicht auf irgendwelche versprochenen Gegenleistungen. Und wenn einige Politiker im Interesse der Gemeinschaft die Steuerschlupflöcher verstopfen wollen, von denen einige andere Länder gerade deswegen profitieren, weil sie mit ihren gewährten Steuervorteilen die anderen unterbieten und auf deren Kosten Geld verdienen, dann ist es die Pflicht von Luxemburg, Irland o.ä., ihr Veto einzulegen. Sonst könnten die Shareholder bzw. die Wähler klagen.
Der Brexit ,droht’; die Briten sind nämlich nur die Opfer. Die armen müssen immer nur zahlen. Da zählt es kaum, dass sie mit ihrem Veto alles verhindert haben, was in irgendeiner Weise die Finanzindustrie einschränken könnte, weil das ja ihrem Finanzplatz London geschadet hätte, mit dem sie soviel Geld verdienen.
Es gibt Menschen, die sich mit Mitmenschen solidarisieren, sich aufopfern für sie, ihnen in ihrer Not beistehen, ja ihre Bestimmung, ihren Lebenszweck darin finden. Und es gibt Menschen, die das bewundern. Aber würden sie so jemanden als Politiker wählen?!
Ein solches humanes Verhalten zu fordern ist weltfremd. Das tut aber Heribert Prantl, der bei den Rechts“populisten“ „die Missachtung der Humanitas” beklagt, “die sich auf der Anerkennung der Würde des Menschen gründet, ohne Unterschied von Herkunft, Rasse und Religion“. Die ,Rechtspopulisten’ eine „ein hedonistischer , nationaler Egoismus“.[ref]Süddeutsche Zeitung 18.6.16[/ref]
Was hat er denn nur gegen Egoismus? Sollen wir alle Rupert Neudecks sein?
Die Antwort überlassen wir dem Schutzmann aus Franz Kafkas Erzählung:
„Gib’s auf, gib’s auf“, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

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