Dienstagnachmittag bei Aldi

Es geschah am Dienstagnachmittag bei Aldi: nur drei Personen noch vor ihr in der Schlange, das Laufband gut gefüllt, die Kassiererin arbeitet schnell: Bing, bing, bing, bing!. Immer wieder: Bing, bing, bing. Aber da geschieht es: Die Frau hält offenbar die Spannung nicht mehr aus, sie greift die noch nicht einmal bezahlte Bild-Zeitung, zieht sie vom Laufband und, ohne sie auch nur aufzuschlagen, verschlingt sie sie gierig,.

Kunstverständige BILD-Leser

Die BILD-Zeitung? Hoho! Unterschätzt mir nicht ihre Leser, nur weil sie häufig wie biedere Analphabeten aussehen. Es kann ja nicht jeder ein Markus Söder sein. Sie sind gebildet, und zwar universal! Und das bezieht – klar! – sich auf alles, alles Böse (den Trucker, der die Tramperin Sophia getötet haben soll), alles Runde (das makellose Hinterteil des Models Doutzen Krues (88-62-88) und alles Schöne (Intim-Waxing „Mein Anlass für eine erotische Verschönerung war der schnuckelige neue Nachbar mit den verwuschelten Haaren und dem Schlafzimmer-Blick.“)!
Sie interessieren sich daher nicht nur für Sophia Thomalla beim Nackt-Schach, sondern auch für – der Atem stockt – Kunst. Am schönsten wäre natürlich ein dreidimensionales Foto der nackten Schach-Sophia als Kunstobjekt, mit interesselosem Wohlgefallen betrachtet, und zwar gründlich („jeder Zentimeter ein optischer Genuss„). Aber der BILD-Leser begnügt sich, wenn es sein muss, auch mit einem Kunstwerk, das nicht Sophia heißt, wenn es denn von einem echten Genie stammt, z.B. von Julian Schnabel („geniales Multitalent, als Künstler vertreten in den wichtigsten Museen der Welt“) . Das Genie, der Julian, hat – vermutlich mit nichts an, d.h. nur mit einem Malerkittel bekleidet, unter dem es aber absolut (!) nichts (weder Höschen noch BH) trug, ein Foto, das zwar nicht eine dreidimensionale Doutzen (88-62-88) oder Sophia, aber immerhin das Brandenburger Tor (20-65-11) (enthält Kranz aus sagenhaften 90 Eicheln!) mit jubelnder Menge am Tag der Wiedervereinigung zeigt, für alle BILD-Leser vaterländisch expressiv in ein fantastisches Rosa getaucht, die jubelnden Massen mit jubelnd leuchtendem Blau übermalt und dann sogar noch mit ca 25  Tupfern in der Lieblingsfarbe aller BILD-Leser, nämlich Himbeersahneeis, versehen. Als krönende Zugabe findet sich sowas wie ein riesenhafter Vogel, wohl so eine Art Phoenix, dieser in der sommerlich erfrischend anmutenden Farbe von Engelblaueis (mhmh!). Der farblose Himmel wird durchzogen von einigen erdbeereisroten Streifen, die wie riesige Scheinwerfer wirken und last, but not least von einem feuerwerkartig explodierenden grauen Wuselwasel. Mann!!  „Man spürt“, sagt der geniale Künstler, „dass da etwas Kosmisches passiert.“ Oh, jaaa! Kosmisch! Und das ist noch untertrieben. Dazu ein Titel, der in seinem Witz an Paul Klee erinnert: „Happy Thursday“.
So muss der kunstverständige BILD-Leser das Werk einfach lieben. (Sicherheitshalber haben wir trotzdem noch den ganz entzückenden runden Busen einer Nackt-Schach-Spielerin eingefügt.)

Bildung tut not.

Wie lebenswichtig Bildung ist, muss der Ungebildete täglich leidvoll erfahren. Wobei die Tatsache, dass er seine BILDung aus der BILD Zeitung bezieht, ein schlimmes Übel darstellt, aber leider nicht wirklich lebensgefährlich ist. Und er kann frohen Herzens in der Illusion weiterleben, dass Verblödung ihm nicht schade.
Aber weiß er z.B., dass das wahre Mittel gegen AIDS darin besteht, nach dem Beischlaf zu duschen? Weiß er nicht, obwohl doch Südafrikas Präsident Zuma es deutlich gesagt hat? So duscht er manchmal erst Wochen später, wenn es schon nicht mehr hilft. Unbildung!!
Und von Polens heimlichem Präsidenten Kaczyński konnte man erfahren, dass Migranten vom afrikanischen Kontinent schlimme Krankheitskeime einschleppen, gegen die nur sie, aber nicht wir immun sind. Aber wissen das all jene, die sich in die Nähe solcher unheimlicher Migranten trauen und ihnen Essen servieren, ihnen Sprachunterricht geben und möglicherweise auch vor dem Händeschütteln nicht zurückschrecken? Sie hätten es wissen können, aber sie werden es erst dann erkennen, wenn sie sterbenskrank im Hospital aufwachen. Unbildung!!
Auch in Deutschland gibt es übrigens Gegenden, in denen Menschen wohnen, deren Sprache man nicht versteht, die eine seltsame Kleidung tragen, die u.U. jodeln (!) und von denen solch Unheimliches und Ansteckendes ausgeht, dass auch Duschen nichts hilft. Aber warnt BILD vor den Seehofers, Söders, Dobrindts usw.? Im Fernsehen konnte man sogar sehen, und zwar einmal sogar bei RTL 2, wie unsere Bundeskanzlerin einigen von ihnen die Hand geschüttelt hat. Hat die Frau, immerhin an der Spitze einer Regierung, denn überhaupt keine Ahnung?

Finster

Die Nachricht war BILD die Schlagzeile auf Seite 1 wert, und auch die Springer-Medien, wie Tagesspiegel, ntv und Welt, meldeten die Sensation: „Hitler hatte nur einen Hoden.“ Der Eimangel als Quelle des Bösen?!
Licht in die Finsternis gebracht, einen Beitrag zur Aufklärung von Hitlers Wesen und damit zum Ursprung seiner Verbrechen geleistet – bravo, ihr Springer!
Doch hoffentlich habt ihr auch die Tatsache bedacht: Merkel hat noch weniger Hoden!