Unwiderstehlich

Meist fragt man sich ja, warum man seine Zeit damit vergeuden soll, das gespreizte Blabla des Feuilletons zu lesen. Manchmal aber erhellt es Probleme, von denen man vielleicht gar nichts wusste. So fragt z.B. Joseph Haniman in der „Süddeutschen Zeitung“: „Warum nehmen die Franzosen den Streik der Eisenbahner so gelassen hin?“, und es ist das große Verdienst Joseph Hanimans und der „Süddeutschen“ das Problem nicht nur aufgezeigt, sondern auch gelöst zu haben. Denn Haniman stellt nicht nur die richtige Frage, als Connaisseur der französischen Seele weiß er auch die Antwort, eine Antwort, die es uns wie Schuppen von den Augen fallen lässt: „Weil der Lokführer eine heroische, unwiderstehliche Figur der französischen Kunst ist.“
Ach ja, die Franzosen und ihre Kunst.
Im Zusammenhang mit einer Buchrezension erfahren wir auch: „Viele Bücher tragen ein ,und‘ im Titel. Lange wurde die Konjunktion wenig beachtet. Dabei könnte sie wichtiger kaum sein.“ – „Die zunächst aberwitzig belanglos erscheinende Frage, welche besondere Bedeutung dem ,und‘ in dem jeweiligen Werk zukommt, führt auf direktem Wege zum Verständnis des Werks.“ Ein Beispiel ist Tolstois „Krieg und Frieden“: „Wer das ,und‘ im Titel nicht versteht, kann auch das Buch nicht begreifen.“ (Mit „Buch“ ist hier der Roman gemeint.)
Das ist nur allzu wahr: Machen wir das Experiment und lassen das ,und‘ weg, bleibt nur „Krieg Frieden“. Welche Entstellung! Oder noch schlimmer: Ersetzen wir das „und“ durch ein „weder – noch“: Weder Krieg noch Frieden! Wie so ein banales Bindewort hier eine Verbindung zwischen Gegensätzen herstellt, das ist echt der Hammer“!

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