Zum Goldmann drängt, am Goldmann hängt

– Ach, seht doch nur!
– Wo?
– Na, da!
– Aaahhh!
– Da auch!
– Oh ja! Aaahhh!
– Da auch!
– Ist’s möglich? Wie kann das sein?
– Sie ist eben fast überall und hängt über allem. Sie erleuchtet die Welt mit güldenem Strahl.
– Oh, jetzt schwebt sie – oder ist sie ein Er? – in ihrem dezent dunkelblauen Zweireiher über uns, und – ich kann es nicht glauben – sie schwingt ihren Zauberstab und überstäubt einige Menschen in dezent dunkelblauen Zweireihern mit goldenem Licht, nein, es ist Gold, wahrhaftig mit purem Gold! Aber, aber … die anderen Menschen verlieren plötzlich alle Farbe, werden grau und gelb, gehen gebückt und strecken ihre Hände aus gegen die Goldenen, als könnten sie das Leuchten des Goldes nicht ertragen.
– Jo, ei verbibbsch nomma, so ae Fee – ähem, entschuldige das Sächsisch – eine Fee kann ja mit ihrem Zauberstab schließlich nicht alle glücklich machen. Das musst du doch verstehen. Auch ihre Energie ist begrenzt. Sie kann sich auf einige wenige konzentrieren. Alles andere bringt ja keinen Gewinn, verstehst du. Ihre bzw. seine – es ist ein männlicher Fee – Reputation rührt ja auch daher, dass er nur Menschen mit einer goldenen Basis, eben die in den dezent dunkelblauen Zweireihern, vergoldet. Die grauen dagegen trifft dann eben nur der Abglanz und macht sie gelb – vor Neid. Aber gleichviel, der Fee versteht etwas vom Gold, man nennt ihn deshalb auch einen Goldmann Sachs.
– Ei verbibbsch nomma. Ach, sieh nur!
– Wo? Was?
– Na, da auf dem Schoß von diesem Lindner, unserem neuen Finanzminister.

  1. Ulrich Schäfer Süddeutsche Zeitung 21.3.18 []

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