Von Piefern und Genies

Die deutsche Seele liebt das Genie, d.h. den gottähnlichen Schöpfergeist.
Ein Gott kann sich alles erlauben. Das weiß man schon von Zeus, der u.a. Hera vergewaltigt hat, indem er arglistig, so sagt es zumindest ein vertrauenswürdiger Zeuge, sich zunächst in ein verletztes Vögelchen verwandelt hatte, das Hera – ach, wie süß! – mitleidig auf den Schoß genommen hatte. Dort angekommen hatte sich jedoch Zeus blitzschnell vom Piepmatz wieder in seine gestählte männliche Gestalt zurückverwandelt und an der vor Überraschung starren Schwester (!) trotz deren Gegenwehr seine Lust gestillt. Auch dass er die Frauen als scheinbar friedlicher Schwan, muskelstrotzendes Rindvieh (!) oder in der Gestalt von deren Ehegatten verführte, wären an sich unverzeihliche Übeltaten, wenn sie nicht einen Super-Gott als Urheber gehabt hätten.
A propos Vergewaltigung: Der Regisseur Dieter Wedel hat nicht nur seine ihm unterstellten Mitarbeiter übel behandelt, sondern er soll sich auch beim Casting im Hotelzimmer von einem Vögelchen in einen Stier verwandelt und die eine oder andere Mitarbeiterin vergewaltigt haben. Übel! Köńnte man denken, aber da stellt sich nun natürlich zunächst einmal die Frage, ob er ein gottähnliches Genie ist oder nicht. Denn danach richtet sich das Urteil des schöngeistigen Deutschen.
Fassbender „hat sein Team gern (!) gequält“1. Aber da er schwul war und deshalb keine Frauen vergewaltigen mochte und da er zudem selbstverständlich ein Genie war, verzeihen wir ihm alles.

  1. Suzan Vahabzadeh Süddeutsche Zeitung 16.2.18 []
  2. Alexander Gorkow Süddeutsche Zeitung  3.2.18 []
  3. Bloß nicht nachfragen, was er genau gemeint haben könnte – jedenfalls nichts Gutes! Grokow kennt anscheinend leider nur die populären Mehrteiler von ihm. []

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