Dieser Nuhr, der hat vielleicht Humuhr!

Die Bundesrepublik ist „ein Land, in dem wir gut und gerne leben“. Warum also sind die Menschen „übel gelaunt“?
Das fragt sich der Träger der Wolfgang-Schäuble-Verdienst-Medaille für extreme Witzigkeit im Dienste der Bundesregierung, Dieter Nuhr, in seinem Jahresrückblick in der ARD. Er gilt als Kabarettist, obwohl Satire zwar alles darf, aber nicht den Mainstream verherrlichen.
Nuhr meint, die üble Laune könne nur am Wetter liegen, denn neunzig Prozent der Bevölkerung in der BRD sagen von sich, dass es ihnen gut oder sehr gut gehe. Und der wirtschaftsweise Komiker behauptet, dass ihr Gefühl nur allzu berechtigt sei, weil es In Deutschland alles für alle gebe, Bildung, Nahrung, Wohnung – eben alles; und die an sich schon geringe Arbeitslosigkeit werde zukünftig noch weiter zurückgehen.
Er sieht also nicht den geringsten Grund zum Nörgeln. Vielmehr lässt er sein Publikum abheben in einem bunten Heißluftballon, denn „über den Wolken sagt man alle Ängste, alle Sorgen blieben darunter verborgen“. Im Traumschiff ergreift das Publikum, das sich ohnehin beschwert über die vielen schlechten Nachrichten in den Informationssendungen, dann ein rauschhaftes Glücksgefühls. Tralali, tralala! Man muss nur das Negative ausblenden: Dass in Deutschland die 45 reichsten Haushalte 214 Milliarden besitzen, d.h. ebensoviel wie 50 Prozent aller Deutschen (DIW) oder zehn Prozent der Reichsten sechzig Prozent des gesamten Vermögens der Bundesrepublik (EZB) besitzen, Dass die Hälfte dieser Vermögen nur ererbt ist. Dass zunehmend die Oberschicht nicht mehr von Arbeit lebt, sondern von Einkünften aus Geldanlagen und dass ihre Vermögen ungebremst wachsen, weil Helmut Kohl die Vermögenssteuer abgeschafft hat und der Spitzensteuersatz gesenkt wurde. Sie lebt tatsächlich „gut und gerne“ in diesem Land. Warum auch nicht?

  1. Alexander Hagelüken SZ 27.1.18 []
  2. ebd. []

Ein Gedanke zu “Dieser Nuhr, der hat vielleicht Humuhr!

  1. DANKE

    Unvergessen Ns Beitrag zum Klimawandel, sinngemäß:“ waas? Stickoxide beschleunigen die Erderwärmung? Da fahr ich doch noch 20mal um‘ Block“. harharharhar. Wie kann man ihn nicht hassen, wie er bar jeglicher Selbstironie Intellektualität simuliert und so markenzeichenhaft sein gestisches Requisit, das Mikrophon, lutscht. Und bekam noch als einziger ‚Kabarettist‘ unter den bisherigen Preisträgern den fürstlich dotierten Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache, nicht etwa Peter Zudeick oder Jochen Malmsheimer oder Matthias Tretter oder achja die Abgrundkontrollstelle…

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