Singet und seid froh!

Verehrte und liebe Herren Immobilienbesitzer,
ich freue mich, dass ich Ihnen auch dieses Jahr wieder einmal eine vorweihnachtliche frohe Botschaft verkünden kann. Ich will nicht zuviel sagen, aber:  „Freude, große Freude leuchtet aus der Nacht.“ Und welche Botschaft ist schöner als die, die uns Reichtum verspricht, solchen des Gemüts und natürlich besonders auch solchen des Geldes. Wie jedes Jahr kann ich künden von enorm gestiegenen Preisen. Wie heißt es bei Matthäus so schön: „Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?“ So ist es. Wir sind viel mehr als die Vögel. Zum einen weil sie am Aussterben sind, zum anderen weil sie nur rumzwitschern können, ansonsten aber Habenichtse sind. Der himmlische Vater hat uns mit Schlauheit gesegnet. Und darum nehmen wir wie die Vögel zwar an Zahl ab, aber unser himmlischer Vater – und das ist die überaus erfreuliche Nachricht – mästet uns dermaßen, dass wir uns am liebsten wie die Lerche in die Luft schwingen und quirilieren möchten. Denn obwohl wir nicht säen und ernten, quellen doch unsere Scheunen über. Dank sei dem himmlischen Vater und allen seinen irdischen Vertretern dafür, dass sie uns den Boden zwar nicht geschenkt, aber zum Kauf dargeboten haben, auf dass er unser Eigentum werde und wir damit handeln und Gewinne horten können – ihm zu Ehren. Und, liebe Freunde, wir waren und sind dem himmlischen Vater gefällig. Wie Sie bereits aus den vergangenen Bilanzen wissen, sind die Baulandpreise z.B. in München zwischen 1950 und 2015 um 34 263 Prozent gestiegen und bis heute sogar auf ca 36 000 Prozent. Wir nähern uns der Unendlichkeit! Und deshalb rufe ich, und Sie alle mögen leise mit mir einstimmen:

Himmlisch – der Erfolg einer kurzen Zeitungsannonce

„Freude, Freude, über Freude!“
Denn mit den Baulandpreisen, die unseren Besitz ständig mehren, steigen auch die Wohnungsmieten – allen teuflischen Mietpreisbremsen zum Trotz, die ja im übrigen unser Freund Christian Porsche Lindner abschaffen will. Von 1962 bis 2015 sind die Mieten um 495 Prozent (der normale Preisindex um 302 Prozent), und – „Wonne, Wonne, über Wonne!“ – es geht rasant so weiter.1 Freunde, Brüder, wenn das kein Anlass ist zum Jubeln …!  Und da dank den Baulandpreisen der Wohnungsbau im niederen Preisbereich stagniert, sind Wohnungen, zumal preiswerte, kaum noch zu haben, und die Menschen sind bereit, alles zu geben, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Alles geben sie dafür hin; sie kommen nackt und bloß. Es kommt es zu grotesken Szenen, die einem manchmal schon etwas peinlich sein können, wenn sich die Menge geradezu schamlos vor der Haustür sammelt, um ein einfaches, aber herrlich teures Zimmer zu ergattern.

Großer Andrang vor dem Haus in der Ludwigstraße Nummer 17

Obwohl, liebe Brüder … Man darf – als abendländischer Christ – die Situation  natürlich nicht ausnutzen. Dennoch ist es irgendwie auch geil.
Mit einem Wort: Wir sind glücklich. Und ich kann euch garantieren, wir werden es bleiben.
Drum singet und seid ♬ ♬ frohhoho!

  1. Siehe: https://spd-kirchheim-heimstetten.de/workspace/media/static/wohnen-5a0729ee33ad8.pdf []

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