Dienstagnachmittag bei Aldi

Es geschah am Dienstagnachmittag bei Aldi: nur drei Personen noch vor ihr in der Schlange, das Laufband gut gefüllt, die Kassiererin arbeitet schnell: Bing, bing, bing, bing!. Immer wieder: Bing, bing, bing. Aber da geschieht es: Die Frau hält offenbar die Spannung nicht mehr aus, sie greift die noch nicht einmal bezahlte Bild-Zeitung, zieht sie vom Laufband und, ohne sie auch nur aufzuschlagen, verschlingt sie sie gierig,.

Wer schießt? Kahrs oder Ronaldo?

– Na, Kleiner, was möchtest du denn werden, wenn du mal groß bist? Weltraumpilot oder Christiano Ronaldo?
– Oh, ich möchte Krankenpfleger werden oder Sanitäter oder Arzt oder Politiker.
– Ohje, also Samariter? Und Politiker zählst du auch dazu?
– Ja, wollen die denn nicht auch den Menschen etwas Gutes tun und setzen sich mit aller Kraft dafür ein?
–  Naja, ich bin da nicht so sicher. Aber schlag dir zunächst einmal das mit dem Krankenpfleger oder Sanitäter aus dem Kopf. Du willst ja wohl später mal im Rentenalter nicht so arm sein, dass du nicht weißt, wie du deine Miete bezahlen sollst. Arzt oder Politiker ist schon besser, wenn du im Alter nicht auf der Straße sitzen, sondern einen dicken Sportwagen fahren und eine Luxusvilla besitzen willst mit vielen Säulen und eine Yacht, auf der man Bunga Bunga spielen kann. Aber als Arzt … Wenn du als Arzt dich um Leidende kümmern willst, z.B. in Gebieten, wo Krieg oder Seuchen herrschen, kann es sein, dass du schon tot bist, bevor du den Menschen richtig helfen konntest. Das kann dir als Schönheitschirurg, möglichst mit deiner eigenen Klinik, natürlich nicht passieren. Aber wunderbar kann es auch der Politiker haben!

  1. „Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht.“ []

Lasst uns in Ruhe!

„Hö, hö, höööö!“
Haltet ein, oh, haltet ein, welch fürchterlich Gelächter!
Wer lacht da, wer? Worüber?
Ist es denn aber nicht traurig, gruslig gar?
Man sieht und hört, – und das Blut gerinnt einem in den Adern1 – von jungen Leichen, Schülern, die schon in ihrem Alter dumpf und lustlos, ohne jede Neugier auf das, was ihnen das Leben bei etwas Anstrengung bieten könnte, durch die Welt schlurfen. Diese toten Seelen zeigen in der Schule allenfalls dann Anzeichen von Leben, wenn sie im Unterricht ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekommen und irgendwelche leblosen Abziehbilder imitieren dürfen, z.B. von ihren rappenden Idole, oder beim Ausflug – kennen sie von Fußballfeiern im Fernsehen – ihre bis zur Selbstaufgabe engagierten Lehrer mit Wasser übergießen. Das ist nämlich Spaß!
Sie und ihre blutleeren Eltern weigern sich, erwachsen zu werden und ein eigenes, aktives Leben zu wagen, weil es anstrengend ist. So bleiben sie Schatten von  Kleinstkindern: Irgend ein großer Papa oder eine große Mama sorgt schon für sie; sie selbst sorgen sich dagegen um Unwirkliches, wie Germany’s Next Topmodel. Sie setzen sich ihre Kopfhörer auf und lassen sich volldröhnen: „BILD dir eine Meinung.“ Mit BILD, Bild und Frau, Bild und Funk, Auto Bild, Sport Bild, Bildwoche, RTL I, RTL II, RTL III, RTL IV … Und wenn sie doch eine Heilserwartung haben, dann richtet sie sich auf einen lustigen Clown wie den Berlusconi oder den Trump L. oder auf einen allmächtigen Erdogan oder Orban oder auch nur irgend so einen erbärmlichen kleinen Schreihals namens Göbbels oder war es Höckels? oder so ähnlich (Höcke?), der ihre Minderwertigkeitsgefühle kompensieren soll.
Was, Herrgott, ist da eigentlich geschehen? Welch unerhörte Verdumpfung von sozialen Schichten! Wann hat die Menschheit jemals so etwas gesehen? Wer oder was hat sie so gemacht und warum?
„Hö, hö, höööö!“
Da, sie haben schon wieder gelacht!
„Was? Haben wir gelacht? I wo, das kann gar nicht sein“, sagt der feine Herr Goldmann in seinem Gucci Zweiteiler und verdeckt mit dem Handrücken vornehm seinen noch vom Lachen verzogenen Mund, und Herr Sachs blickt mit leisem Lächeln über den Rand seiner Cartier-Brille: „Wir sind völlig humorlos. Mit Lachen kann man doch kein Geld verdienen.“
„So ist es. Und ja, wir müssen noch viel mehr Geld verdienen, alles Geld. Lasst uns doch einfach in Ruhe und  F r e i h e i t !“ rufen die Brüder Koch.
Und mit glänzenden Augen und leichtem Sabbern hört man den Trump L.: „Mit Geld kannst du alles kaufen – du weißt schon, wirklich alles.“

Übrigens in ihrem neuen Weltentwicklungsbericht fordert die Weltbank „niedrigere Arbeitskosten“, Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt, weil Regulierungen „die Dynamik der Wirtschaft reduzieren“, wendet sich gegen den Mindestlohn und hält grundsätzlich das System der Sozialversicherung für veraltet und daher ein Übel: Es sei „zunehmend ungeeignet für eine sich ändernde Welt der Arbeit, in der traditionelle Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen nicht mehr so verbreitet sind.“2 Fortschritt, so lernen wir, ist das, was der Mehrung des Kapitals dient. Nur die Gewerkschaften sind anderer Meinung, aber die braucht ja bald niemand mehr ernst zu nehmen. Trump L. und die Lindners haben schon viel erreicht.3

  1. neulich in Frontal 21 Horror-Filmbeitrag über das Engagement von Lehrern in einer Sekundarschule in Berlin-Neukölln []
  2. Süddeutsche Zeitung 7.8.18 []
  3. Lindners Zwillingsbruder Westerwelle hatte die Gewerkschaften beschuldigt, an den Millionen von Arbeitslosen mitschuldig zu sein . „Jeder der draußen mit roten Fahnen vorüberzieht, steht für Tausende von Arbeitslosen.“ Da die Gewerkschaftsfunktionäre nicht mehr für die Interessen der Arbeitnehmer einstünden, müssten sie entmachtet werden. https://www.merkur.de/politik/fdp-gewerkschaften-entmachten-140079.html []

Sie sind einfach nur krank

Affluenza, – nein, nicht Influenza – Sie haben schon richtig gelesen – A f f l u e n z a , was das heißt? Es ist eine Krankheit, die eine eingeschränkte Schuldfähigkeit (Beschränktheit) vor Gericht bewirkt – zumindest in den USA. (Amerika, du hast es besser!) Wenn nämlich jemand sehr von Reichtum und Materialismus geprägt ist, dann kann er, wie täglich zu sehen, nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden und darf deshalb natürlich nicht für sein „böses“ Handeln verantwortlich gemacht werden; er ist zumindest teilweise schuldunfähig, z.B. wenn er mit seinem Auto – wie Ethan Couch in Austin – vier Menschen tötet. In den USA weiß man es, und die Gerichte fällen dann manchmal entsprechende Urteile; in Europa weiß man es auch, aber …
Es ist ein zwangsläufig erworbener Mangel an Empathie, durch den die Reichen ihren Reichtum erworben und vermehrt haben und der sie dann kalt lässt, wenn es z.B. gilt, zwecks Gewinnmaximierung die Leben der ihnen anvertrauten Mitarbeiter durch Entlassungen zu zerstören. Aber in Europa haben es die Gerichte – und die Gesetzgeber (?) – noch nicht in ausreichendem Maße erkannt, so dass sie immer noch Reiche verurteilen, wenn sie z.B. auf Kosten der Allgemeinheit ein wenig Steuerbetrug betreiben. Lieber Christian Lindner, hier sollten Sie endlich tätig aktiv werden und eine Volksinitiative gegen ein solches offenkundiges Unrecht ins Leben rufen! Vielleicht können Sie ja auch die BILD-Zeitung oder Barbara Schöneberger dafür gewinnen.

Da staunt der Laie …

Wissen Sie, was „Inklusion“ bedeutet?
Sie glauben, dass immer ein Prozentsatz Kleinwüchsiger in der Basketball-Nationalmannschaft, ein paar Lahme in der Fußball-Nationalmannschaft, ein paar Menschen mit geistigen Einschränkungen im Gymnasium dabei sein müssen, damit sie sich nicht ausgeschlossen (Exklusion) fühlen?
Ha, ha, ha. (Dreimal „ha“ muss an dieser Stelle genügen, weil es eigentlich ja gar nicht heiter ist.)
Und dass dann die Kleinwüchsigen beim Basketball genausoviel verdienen wie Michael Jordan und Dirk Nowitzki sowie die Lahmen beim Fußball soviel wie Neymar und Ronaldo? Und die geistig Behinderten am Gymnasium die gleichen Noten erhalten wie die Hochbegabten? Damit sich keiner diskriminiert fühlt?
Ha, ha, ha und nochmals kräftig ha! Sie völlig unbedarfter Laie!
Wie sieht es denn aus am Gymnasium mit der Inklusion? (Denn anders als beim Basketball oder Fußball gibt es sie dort tatsächlich.)
„Auf den Laien wirkt Inklusion am Gymnasium wie ein unauflösbarer Widerspruch.“ Laienhaft denken Sie: „Sollen Menschen mit geistiger Behinderung etwa Abitur bekommen, während Normalbegabte wegen schlechter Noten Ehrenrunden drehen?“

  1. http://www.sueddeutsche.de/bildung/inklusion-am-gymnasium-warum-ein-bremer-gymnasium-gegen-die-eigene-senatorin-klagt-1.3959459 []