Grundsätzlich

Menschen, die Erdogan einsperrt, sind Verbrecher. Sonst hätte er sie nicht eingesperrt! Und wer etwas anderes behauptet, gehört eingesperrt. Besonders, wenn er so menschenfreundlich harmlos tut wie Amnesty International.
Eine Organisation wie Attac, die – anders als die Konrad-Adenauer-Stiftung – eine weitgehend nur den Kapitalinteressen dienende Globalisierung bekämpft, muss finanziell ausgetrocknet werden, indem man ihr die Gemeinnützigkeit abspricht. Dafür sorgt unser Finanzminister de Maizière. Denn was für das Kapital gut ist, ist für alle gut. Die Spender können ja dann ihr Geld der Konrad-Adenauer-Stiftung oder der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ zukommen lassen. Die FDP dagegen hat bereits genügend Spenden und ist gemeinnützig.
Staatliche Medien wie Rundfunk und Fernsehen, die nicht ausschließlich dem Nutzen der Regierung dienen, tragen ihren Namen zu Unrecht. Staatlich heißt nämlich dem Regime ergeben. Unter Adenauer war die Zeit in Deutschland noch nicht reif dafür. Das lag aber auch daran, dass die Justiz unabhängig war. Auch die Durchsetzung der entsprechenden Führungsgremien mit mit regierungskonformen Parteifreunden war in Deutschland bisher nicht ausreichend erfolgreich. Dieses Problem hat man in fortschrittlichen Länder wie Orbans Ungarn oder KaczyńskisPolen beseitigt. In Deutschland gibt es statt dessen das Privatfernsehen.

Alles verstehen …

Autisten, so heißt es, verstehen keine Aussagen im übertragenen Sinn. Und umgekehrt?
Kommt ein sehr höflicher Regenwurm in den Laden des überaus gebildeten (Akademiker!) Altspechts, nimmt seinen sommerlich hellen Strohhut ab, zerrt ein Blatt Papier aus der Hosentasche, wirft einen flüchtigen Blick auf das Gekrickel, und nachdem er den Altspecht mit den Worten „Guten Tag, Herr Altspecht“ gegrüßt hat, fragt er ihn in drängendem Ton: „Haben Sie ein Werk, in dem die Zerbrechlichkeit der Zeit durchscheint?“ Und fügt dann hastig hinzu: „Ein solches hätte ich nämlich gern, wenn es nicht allzu viel kostet.“
Darauf guckt ihn der Altspecht zunächst ca 30 Sekunden in stummer Verwunderung an und erwidert dann: „Sagen Sie mal, haben Sie nicht alle Tassen im Schrank, Sie …  Wurm?!“
Und nun zu den hermeneutischen Problemen, die diese Erzählung auftut: Wofür stehen z.B. die Tassen? Und haben die Protagonisten ein Verhältnis zu bzw. mit einander? Und wo ist überhaupt der verdammte Subtext? Ja, können wir Menschen uns überhaupt noch verständigen? Oder sind wir schon in Babelsberg?

Übermenschen in Uniform

Wenn man Partei nehmen muss, dann sind wir für die Polizei. Denn die rennt ja nicht wie die Polithooligans prügelnd, zündelnd und plündernd durch die Gegend unter dem Vorwand, der guten Sache zu dienen, in Wahrheit aber aus Abenteuerlust (bellum omnium pater, der Rausch des „Stahlgewitters“) und zwecks Ausleben von Machtgelüsten. Jedenfalls zündet ein Polizist in der Regel öffentlich keine Autos an. Oder hat jemand Beweise dafür? Nein? Dann kann und muss man das mit dem Nicht-Zündeln usw. von ausnahmslos allen Polizisten behaupten! Es sind eben – besonders in Bayern und in Hamburg – Menschen mit übermenschlichen Eigenschaften, die man ganz leicht schon äußerlich an ihrer besonderen Kleidung erkennen kann. Dass Polizisten von irgendwelchen Minderwertigkeitskomplexen dazu getrieben werden könnten, in schützender Polizeiuniform asoziale Gelüste auszuleben, kann daher nur eine böswillige Unterstellung sein. Gesetzt den Fall, rein theoretisch, dass einzelne Polizisten wirklich Spaß am Prügeln haben sollten und ihre Machtgelüste ausleben wollten, dann täten sie es ja aber jedenfalls nur zum Schutze der Gemeinschaft.
Unrechtmäßige Polizeigewalt kann es nicht geben, nirgends und schon gar nicht in Hamburg. Das sagt auch Bürgermeister Olaf Scholz: „Polizeigewalt hat es (unter den 20 000 Polizisten) nicht gegeben.“ Und die BILD-Zeitung sammelt Geld für die „fast 500 verletzten Polizisten“, ja gar 600 (so der Einsatzleiter Budde), damit sie sich einen besonders schönen Urlaub gönnen können. Wenn es in Wahrheit nur die Hälfte gewesen sein sollten und zudem durch das eigene Tränengas und Pfefferspray Verletzte bzw. aufgrund von Müdigkeit Aussetzende (laut Nachrichtenseite Buzzfeed), wenn sich also die Zahl auf 30 bis 40 verringern sollte, so erhalten die Verbleibenden eben noch schönere, weil teurere Urlaubsreisen.
Leider mussten einige Polizisten zwangsläufig zahlreiche Kollateralschäden in Kauf nehmen, weil sie besonders hart bekämpft wurden: Zahlreiche Gehwegplatten wurden von Dächern geworfen und Molotowcocktails, als wären es Knallkörper. Es muss als höchst bedauerlich bezeichnet werden, dass die Aufnahmen aus dem Polizeihubschrauber weder Gehwegplatten noch Molotowcocktails zu zeigen vermögen. Und für eine Spurensicherung – Reste der Gehwegplatten, der Molotowcocktails – blieb der Polizei keine Zeit. Die Spuren haben die Ordnungs- und Sauberkeitsfanatiker unter den Chaoten anscheinend akkurat beseitigt. Dabei war es wirklich schon vorher ein hartes Stück Arbeit: die Gehwegplatten auf das Dach hochschleppen und dann mit großem Schwung hinunterschleudern. Leider hat wieder niemand die Vorbereitungen dokumentiert, obwohl doch sicherlich schon das Auslösen der Platten beträchtlich Zeit gekostet hat und auch zivile Streifen im Viertel anwesend gewesen sein müssten. Wirklich schade. Aber jedenfalls war nun Zahn um Zahn angesagt, und selbstverständlich immer ohne illegitime Gewalt.
Aber was wird nun aus den zahlreichen Videos und Augenzeugenberichten über angebliche Polizeigewalt auch gegen friedliche Demonstranten und völlig Unbeteiligte? Dass da z.B. Jugendliche von den „Falken“ auf ihrem Weg zur Demonstration aus ihrem Bus gezerrt, z.T. geprügelt und „komplett nackt ausgezogen“ wurden, mag sein – vielleicht hatten die Polizisten ja schlechte Laune angesichts des bis dahin eher langweiligen Beschäftigung und wollten auch mal ein wenig Spaß haben. Aber für diesen Fehlgriff hat sich der Hamburger Innensenator ja auch entschuldigt. Das war ein Versehen. Das kann eben mal vorkommen, und bisher sind die Bilder von den Nackten auch noch nicht bei Youtube aufgetaucht. Aber sonst war alles friedlich, wenigstens auf Seiten der Polizei. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Komplize der Gewalttäter und also ein geistiger Terrorist. Das weiß BILD. Und da BILD als Spezialist auf diesem Gebiet sicher alle kennt, die Fake News erzeugen, sollte der Herr Dudde, der ebenfalls kompetente – der Name täuscht – polizeiliche Einsatzleiter in Hamburg, sich eiligst mit BILD in Verbindung setzen und in einer gemeinsamen Aktion alle Nestbeschmutzer aus ihren Wohnungen holen, zusammentreiben und mittels Einkreistaktik daran hindern, ihre bereits bezahlten Urlaubsreisen anzutreten.

Scheeerrrz! Oder doch ernst?

In der Hoffnung, dass sie ein wenig Heiterkeit erzeugen, sind im Folgenden Jeff Koons Deutungen seiner – und im Fall des Weißbiers auch fremder – Werke wiedergegeben. Zu denken, dass sie satirisch gemeint sind und das Geschwätz des Kunstmarktes parodieren, liegt nahe angesichts der vielen prätentiösen Aussagen von unfreiwilliger Komik auf dem Kunstmarkt.
Da Jeff Koons als Aktienhändler begonnen hat, fragen sich kritische Geister zuweilen, ob er nur ein „opportunistischer Marketingkünstler sei, der Ego-Fetische und Statuskrücken für Plutokraten und zwielichtige Oligarchen produziert“. Da wäre es eigentlich doch wohl eher kontraproduktiv, wenn er sich über sich selbst oder den Kunstbetrieb, von dem er so großartig profitiert, lustig machte. Es sei denn, er kann sich auf die Hörigkeit blinder Kunstspekulanten (43.460.000 € für seinen Balloon Dog (Orange)) verlassen. Jedenfalls entbehren Koons Werke, so z.B. seine – teils monumentalen – Wauwis, wie sein majestätischer Pudel (http://www.jeffkoons.com/artwork/made-in-heaven/poodle), die lustigen Yorkshire Terrier (http://www.jeffkoons.com/artwork/made-in-heaven/yorkshire-terriers), sein knuffiger Bobtail (http://www.jeffkoons.com/artwork/made-in-heaven/bob-tail)  oder die drei Puppies (http://www.jeffkoons.com/artwork/made-in-heaven/three-puppies) , nicht einer – wenn auch eher einfachen –  Ironie.
Also: Scherz oder doch tiefere Bedeutung?
In beiden Fällen hoffentlich erheiternd:

Für die Luxusmarke Louis Vuitton (Koons: „Meine Werke sind anti-elitär, massenkompatibel und demokratisch.“) hat er Taschen entworfen, die Reproduktionen alter Meister zeigen, von Rubens‘ Tigerjagd bis zu Leonardos Mona Lisa.
Dazu jedoch zunächst eine allgemeine Deutung zum Wesen und zur Funktion seiner Kunst:
„In meinem Werk sollen Werte aufscheinen, an die ich glaube und denen ich eine Zukunft wünsche. Diese Werte sind meine Gegenbilder zur politischen Realität. Sie haben die Kraft die Welt zu verändern. Nichts wirkt stärker, als mit Aufrichtigkeit konfrontiert zu werden. Deshalb hat die Kunst am meisten Kraft, die am wahrhaftigsten ist.“
Koons sagt zum tieferen Sinn seiner Taschenarbeit für Louis Vuitton:
„Indem diese Handtaschen Meisterwerke der Kunstgeschichte aus dem Museum herausholen und auf die Straße tragen, werden sie selbst zur Kunst. Wer mit einer dieser Taschen unterwegs ist, wird für seine Mitmenschen zu einem Katalysator metaphysischer Meditationen.“

Zum Bilderzyklus „Baby und Eimer“: „Wenn ich an Postkartenständern vorbeilief, spürte ich meine Empfänglichkeit für Fotos mit Babys, die in Eimern sitzen. Der Eimer war ein Symbol für Gebärmutter, Taufbecken, Rettungsboot.“