Wird John Kelly gefeuert?

Donald Trump, dieser wunderbare Staatsmann, hat vor einiger Zeit vergeblich versucht, die Witwe eines bei einem Feuergefecht in Niger getöteten amerikanischen Soldaten zu trösten. Vergeblich!!! Wie? Nein! Unmöglich! Wie hatte das geschehen können? Sicher wieder nur eine Intrige von dieser Hillary Clinton.
Angeblich ist Folgendes geschehen:
Trump hatte sich überlegt, wie er den Patriotismus der Amerikaner weiter befördern und natürlich sich selbst als Oberpatriot erweisen könnte. Und Melania fand, dass es eine gute Idee wäre, einmal einer patriotischen Soldatenwitwe persönlich zu kondolieren. Als die Kriegerwitwe nun gerade auf dem Weg war, den Sarg mit dem Leichnam ihres Mannes vom Flughafen abzuholen, ereilte sie der Anruf Trumps auf ihrem Handy. Da Trump den Namen des Toten vergessen hatte, bezeichnete er ihren getöteten Mann als „dein Kerl“. Als Trost teilte er ihr mit, als Soldat habe ihr Kerl ja gewusst, worauf er sich einließ.
Obwohl das jede Kriegerwitwe – man kennt es noch aus dem dutzendjährigen Reich – in diesem Moment hoch erfreut hätte – allein aufgrund der Ehre, mit so einem bedeutenden Führer zu kommunizieren – und man erwartet hätte, dass sie erhobenen Hauptes und mit stolzer Brust und ein paar frisch erstandenen Orden zur mit Stars und Stripes geschmückten Leiche geeilt wäre angesichts so schöner Worte von diesem wunderbaren Präsidenten, dessen möglichst intime Berührungen – seit seinen Bekenntnissen – der Traum jeder aufrechten oder nicht aufrechten Amerikanerin ist, fühlte sich die Witwe
zu Trumps nicht geringer Überraschung  aber durch seine Worte keineswegs getröstet, sondern weinte nur um so lauter.

Oh, Mann! Neue neun Höcker!

Alle wollen sein wie die AfD, egal ob Südmann oder Ostmann, Franzmann oder Deutschmann. Der Franzmann versucht natürlich nicht zu sein wie die AfD, sondern wie der Front national. Der neue Vorsitzende der Republikaner Wauquiez, natürlich aus einer Unternehmerdynastie, will „das Krebsgeschwür“ Sozialstaat abschaffen und fordert: „Die Rechte muss wieder richtig rechts werden.“ Er sieht selbstverständlich überall rote Ratten, wie z.B. Gerhard Macron.

Das ist ein Deutschhase, wie ihn kein anderes Volk besitzt. Signiert von AfD.

Man darf Faschisten, die wie z.B. Götz Kubitschek, der „geistige Führer der neuen Rechten in der AfD“ (FAZ), bei Pegida „im schwarzen Hemd und offener brauner Uniformjacke auftreten“1, nicht einfach als Dummköpfe abtun. „Mit Rechten reden“ statt ,überspannter Empörung, selbstgerechter Überlegenheitsgesten und zersetzender Verachtung‘ fordert eine Streitschrift (von Per Leo, Max Steinbeis und Daniel Pascal Zorn), denn die Rechten seien klug, jedenfalls nicht dümmer als die Linken, und mit ihnen zu reden sei per se interessant. Auch wenn sie wie Kubitschek das „Nationale/Ethnische“ für „unhintergehbar“ halten? Ja, ist nicht gerade die Überlegenheit bzw. die Eigenart der Deutschrasse immer ein Gegenstand, der eine spannende Diskussion ermöglicht?

  1. „Ein Narr, wer darin nicht eine bewusste Anspielung auf die faschistischen Bewegungen im Europa der zwanziger und dreißiger Jahre sieht“, schrieb Bernd Lucke. []
  2. Rede zur Verleihung des Otto-Brenner-Preises []
  3. DIE ZEIT 4.12.17 []
  4. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zu-besuch-bei-goetz-kubitschek-14180792.html []

Proust, nicht Pust. Ein Poesiekurs

Das ist Maria Rilke.

Das ist Rainer Rilke.

Das ist Proust.

Das ist Pust.

Es ist hohe Zeit, dass der Bildungsbürger endlich lernt, was außer Rainer und Maria Rilke noch wahre Poesie ist, und dadurch befähigt wird, zwischen Pust und Proust zu unterscheiden.
Einige wenige Beispiele aus Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“1 sollen uns als Muster dienen, wie wir Banales mit dem Glitzerzauber der Poesie verbrämen können.
So beschreibt Marcel, das erzählende Ich, z.B. das offenbar hurtige Verspeisen zweier wohlschmeckender Seezungen durch ihn und seine Großmutter sowie vor allem die Reste dieses Mahles, die auf dem Teller verbliebenen Gräten, in folgender Weise:
„(…)während (…) wir aus einer ledernen Kalebasse einige goldene Tropfen Zitrone auf zwei Seezungen verteilten, die bald auf unseren Tellern nur den Federbusch ihrer Gräten, wie eine Feder gekräuselt und wie eine Zither tönend übrig ließen“ („das flatternde, gleich einer Feder gelockte und wie eine Zither summende Gerüst der Gräten“ – so lautet die Übersetzung von Eva Rechel-Mertens).
Der Fisch wurde im Hotel Central in Balbec offenbar unter Hinzufügung weniger Tropfen Zitronensaft verspeist. Damit dieses Detail nicht banal erscheint, ist hier bereits wichtig die Erwähnung der besonderen Art des den Zitronensaft bergenden Gefäßes, das zunächst einmal keinesfalls nur eine einfache, die Phantasie kaum beschäftigende Flasche sein darf, sondern eine Kalebasse („gourde de cuir“), dann aber auch die Farbe des Zitronensaftes, die nicht etwa nur unansehnlich milchig hell sein darf, sondern auf den nicht nur die Farbe der Fruchtschale übertragen wird, sondern der auch durch das Steigern von „gelb“ zu „gold“ zu einer edlen Kredenz gerät. Wahrhaft meisterlich ist jedoch die Poetisierung der abgenagten Essensreste, also der auf dem Teller verbliebenen Fischgräten des Plattfisches, die einerseits zum Bild eines kriegerischen Kopfschmucks (panache – Federbusch auf einem Helm) – Krieg der Seezunge? –  zusammengefügt werden, andererseits aber eine Zartheit bewahren, die einer gekräuselten Feder gleicht, und – sich schließlich sogar in Musik verwandelt, zum Singen gebracht wird. Unfassbarer Zauber der Poesie! Das alles geschieht einem einfachen Teller Gräten, den der Kellner zum Glück für den Leser bis dahin abzuräumen versäumt hat.2

  1. Frankfurt a.M. 1979. Bd 2. S.885 ff. „A la recherche du temps perdu. A l’ombre des jeunes filles en fleur. 2e partie. Gallimard 1919. p.91 []
  2. tandis que (…) de la gourde de cuir d’un citron, nous répandions quelques gouttes d’or sur deux soles qui bientôt laissèrent dans nos assiettes le panache de leurs arêtes, frisé comme une plume et sonore comme une cithare []
  3. quelle joie (…) de voir (…) la mer nue []
  4. „et de suivre des yeux les flots qui s’élançaient l’un après l’autre comme des sauteurs sur un tremplin“ []
  5. „sommets neígeux de ses vagues“ []
  6. „en pierre d’émeraude çà et là polie et translucide“ []
  7. „lesquelles avec une placide violence et un froncement léonin laissaient s’accomplir et dévaler l’écoulement de leurs pentes“ []
  8. „ces collines de la mer qui, avant de revenir vers nous en dansant“ []
  9. „dans un lointain transparent, vaporeux et bleuâtre comme ces glaciers qu’on voit au fond des tableaux des primitifs toscans“ []
  10. „D’autres fois, c’était tout près de moi que le soleil riait sur ces flots d’un vert aussi tendre que celui que conserve aux prairies alpestres (dans les montagnes où le soleil s’étale çà et là comme un géant qui en descendrait gaiement, par bonds inégaux, les pentes) moins l’humidité du sol que la liquide mobilité de la lumière.“ []
  11. „ en ce moment brûlait la mer comme une topaze, la faisait fermenter, devenir blonde et laiteuse comme de la bière, écumante comme du lait“ []
  12. „je me demandais si son «soleil rayonnant sur la mer» ce n’était pas — bien différent du rayon du soir, simple et superficiel comme un trait doré et tremblant — celui qui en ce moment brûlait la mer“ []

Ecce Professor! Oha!

Wussten Sie schon oder etwa nicht, Sie Kretin, welches Weltbild die FDP hat bzw. an welchem Weltbild sie sich orientiert und natürlich während der Koalitionsverhandlungen auch orientiert hat?
„Für Liberale steht das Individuum am Anfang von allem. (…) Das Pathos der Moderne ist für Liberale das Pathos der subjektiven Rechte, die jedem Einzelnen ein Leben nach eigener Wahl und auf eigene Verantwortung ermöglichen. Deshalb sind für Liberale weder die Nation noch die Klasse das Herzstück des Ganzen, sondern die Vereine, Initiativen und Bewegungen der Bürgergesellschaft. Da ist nichts vorgegeben, sondern alles verhandelbar, solange die Ablehnungs- und Austrittsrechte des Einzelnen gewahrt bleiben.“
Oha, Donnerwetter, das ist ja mal ein echtes Pathos! Sie erkennen natürlich in der etwas professoralen, aber doch echt tiefschürfenden Beschreibung die FDP des Christian „Porsche“ Lindner wieder. Zugegeben, es ist eben manchmal nicht so einfach: Vielleicht dachten Sie irrtümlich, dass sich die FDP bloß um die großen Unternehmen und das Wohlergehen von deren Eigentümern sorgt, weil diese ja bekanntlich, wenn sie nicht mehr wohin wissen mit ihrem Geld, es nicht etwa auf dem Kapitalmarkt für sich arbeiten lassen, sondern aus sozialer Verantwortung Arbeitsplätze schaffen und der FDP Spendengelder zukommen lassen. Hach, welch ein Irrtum! Das Beispiel von Siemens, wo Herr Kaeser wegen nicht genügend hoher Rendite (nur 8,3%) Firmenzweige schließen und Tausende Arbeiter entlassen will, müssen wir jetzt mal vergessen.
Es ist es nun jedenfalls an der Zeit, dass Sie sich von einem echten Professor das wahre Weltbild erklären lassen.1 Und wo findet so ein richtig Gelehrter Raum für so richtig Gelehrtes?
Ach, wo könnte er es wohl besser tun als in der „Zeit“?!2

  1. Heinz Bude, Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel []
  2. DIE Zeit Nr 47 16.11.17 []

Sie entscheiden!

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind ein(e) Glückspilz(in), denn Sie dürfen heute an einer Umfrage teilnehmen und anstelle von so großen Politikern wie Angela Merkel oder sogar Christian „Porsche“ Lindner (!) entscheiden nach dem Motto: „Der Wähler ist nicht ganz so dumm, wie die von AfD und FDP denken.“
Statt vieler Worte gleich an die Arbeit:
Bewerten Sie das heutige Wetter.
1) Ist es
a) eher schlecht
oder
b) eher gut?
2) Würden Sie es auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen?
a) ja
b) lieber nicht
3) Ist das Wetter auf Jamaika im Vergleich zu unserem Wetter nach Ihrer Meinung
a) vielleicht eher schlechter
oder
b) vielleicht eher besser?
Es gibt selbstverständlich auch etwas zu gewinnen.1
Und zwar gewinnt die Antwort, die den Sachverhalt eindeutig am besten beurteilt.2
Antworten bitte nur bis heute Abend 18h06. Später eintreffende Antworten können leider nicht mehr berücksichtigt werden.3

  1. einen – allerdings kaputten – Sonnenschirm []
  2. Die Gewinnerin bzw. der Gewinner wird auf keinen Fall unter notarieller Aufsicht ermittelt und wird überhaupt nicht benachrichtigt, denn er bzw. sie bleibt – aus Datenschutzgründen – streng geheim. []
  3. Die Vorbereitungen für das Abendessen beginnen um 18h00, spätestens aber um 18h06. []