Wagala, wallala, o weiala

Neulich in einem der Politmagazine des Fernsehens eine Befragung in verschiedenen sozialen Milieus: Was verstehen Sie unter Gerechtigkeit? Platon hätte die Frage wohl anders gestellt: Was ist ungerecht? Jedenfalls fielen die Antworten – wer hätte das gedacht? – sehr unterschiedlich aus: Die Herren und Damen in der Oper, die von ihren Kapitalerträgen leben, meinten: Das mit der Umverteilung sei nicht gerecht, denn es sei ja jeder seines Glückes Schmied. Die meisten von denen da unten wollten sich nämlich nicht anstrengen, wollten die Leistung, die zum Wohlstand führt, nicht bringen – anders als sie selbst, die ihn zum Teil unter großen Anstrengungen ererbt oder mit erheblicher Selbstverleugnung angeheiratet hätten.
Im zusammengebrochenen „kommunistischen“ System fuhren die Machthaber in Limousinen hinter verdunkeltem Panzerglas durch die Gegend und brauchten dem Volk nicht ins Auge zu schauen. Auch heute kann der Geldadel das gemeine Volk meiden, sich in seine Burg hoch droben zurückziehen und in Bayreuth Woglindes „Wagala weia! Wallala, weiala weia!“ lauschen und sich verzückten Auges von Wagners Pompmusik berauschen und in der Pause sich über das Kostüm der ,fantastischen‘ Maria Müller und die Vorzüge des neuen Porsche Cayenne, des neuen Gerhard Richter oder über die deutsche Neidkultur unterhalten.

Lasst uns träumen

Der Kampf ist mühsam, aber er lohnt sich. An den Traum glauben! Denn er sichert Macht und Geld. Uns, nicht euch. Das ist ja das Schönste daran. Trotzdem ist am traurigen Ende – diese bittere Erkenntnis wird auch einen Christian „Porsche“ Lindner schließlich überkommen müssen – alles vergeblich gewesen, weil irgendwann doch die Realität den Träumer aus seinem wohligen Dämmerzustand reißt. Denn dass z.B. der Satz: „Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn diese Politikveränderung von einer großen Anzahl von Menschen mit höherem Einkommen unterstützt wird.“ aus dem Armutsbericht gestrichen wurde, schafft ja die Tatsache nicht aus der Welt. Auch können sie den Satz streichen: „Personen mit geringerem Einkommen verzichten auf politische Partizipation, weil sie Erfahrungen machen, dass sich die Politik in ihren Entscheidungen weniger an ihnen orientiert.“; die frustrierten „Personen mit geringerem Einkommen“ wählen dann aus dem Gefühl der Ohnmacht irgendsoeine AfD-Höcke.
Es ist schon bitter, dass sowohl IWF als auch OECD am Ende erwachen mussten, sich der Einsicht nicht mehr verschließen konnten: Trotz allgemeinem Wirtschaftswachstum sind seit den Neunzigerjahren weltweit die Arbeitseinkommen gesunken, so dass ihnen sogar staatliche ( s t a a t l i c h e ! ! ! ) Maßnahmen zur Umverteilung angebracht erscheinen, weil zu große Ungleichheit dem Wachstum letztlich schade. Es tröpfelt vom fetten Reichtum einfach kaum etwas herab (Tripple-Down-Effect), und zwar nicht nur wenig, sondern immer weniger. Es herrscht geradezu eine ungesunde Tröpfeldürre! Und daraus muss dann zwangsläufig eine bei Ökonomen verhasste Konsumunlust entstehen.
Aber wenn doch eine Umverteilung zum Leistenbruch führt? Weil doch die Umverteilung den Leistungsträgern die Motivation nimmt, Leistung zu leisten? Weil doch diese Motivation, wie jeder weiß, nun mal unverbrüchlich verbunden ist mit extrem hohen Einkommenserträgen? Wollen wir lauter demotivierte Manager, die nur noch schlaff in ihren Trolleys über Trumps Golfplätze schleichen? Muss das nicht in einer schweren Wirtschaftskrise enden, in der sämtliche Arbeitsplätze von einem Tsunami der Manager-Unlust hinweggespült werden?
Das mögen die deutschen Ökonomen verhüten, die Diamanten der internationalen Wirtschaftsszene: Sie bleiben hart; erbittert kämpfen sie weiter dafür, nicht aus ihrem neoliberalen Traum erwachen zu müssen. Und die Leistungsträger der deutschen Wirtschaft können nicht anders, als ihnen freudig und von ganzem Herzen für ihren traumhaften Beistand zu danken.

Schäufelt Schäuble Schätze?

Fake News sind ein Problem. Wahr oder falsch – das ist nicht immer ganz klar.
Ist es wahr, dass Donald Trump in seinem Luxusdomizil Mar-a-Lago in Florida sein eigenes kleines privates Bordell mit Frauen aus Osteuropa unterhält? Was spricht dagegen?
Ist es wahr, dass Wolfgang Schäuble in Griechenland ein Obdachlosenasyl gekauft hat und dort jetzt mit „angemessenen“ Übernachtungspreisen viel Geld scheffelt? Wäre es ihm nicht zuzutrauen?
Ist es wahr, dass Assad die Chemiewaffen eingesetzt hat? Klar, da die IS-nahe Opposition in Syrien bisher bei Angriffen mit Chemiewaffen nur Senfgas, aber kein Sarin eingesetzt hat, kann der neueste Angriff – mit Sarin – nur von Assads Regierungstruppen stammen. Da sind sich alle, alle einig, außer denen die parteiisch sind, Iran, Russland und Assad. Denn wem nützt der Angriff? Natürlich nur dem ehrenwerten Assad nach der Maxime seines Handelns: viel Feind – viel Ehr. Nun hat er auch die Amerikaner und Verbündete gegen sich, die vorher zunehmend bereit waren, sich mit einer Lösung mit Assad abzufinden? (Allerdings nützt der Angriff der syrischen Opposition, die am Einsatzort anscheinend von den Salafisten geführt wird und die jetzt endlich wieder wohlwollende Aufmerksamkeit erregt hat? Dann wäre es von Assad allerdings eine riesige Dummheit gewesen. Aber da wäre er nicht der einzige gewesen.) Schwierig!
Und was ist die Wahrheit in Bezug auf Trumps Meinungsumschwung („Don’t attack Syria“ – „Forget Syria and make America great again!“- „What I am saying is stay out of Syria.“)? Es war sein Sinn für das Schöne („even beautiful babies were cruelly murdered“), der ihn zum militärischen Eingreifen getrieben hat.
Nein, vielleicht doch nicht. Er wollte doch nur endlich einmal wieder America great again sehen („great military men and women“)?
„Nobody knew foreign policy could be so complicated“, hat Assad in seinem Luxusdomizil Mar-a-Lago in Florida gesagt, oder war es Trump?

Donald first

Die menschliche Psyche – ein weites Feld. Am liebsten verdrängen wir die deprimierenden Beobachtungen. Alfred Adler hat die Bedeutung des Minderwertigkeitskomplexes nicht übertrieben. Es geht schon bei den Kleinen los, bei der Schulklasse mit kleinen Jungen in der S-Bahn, von denen fast jeder Einzelne durch Überbrüllen zu zeigen versucht, dass er „der Größte“ ist. Sie werden das nie los, immer das gleiche Verhalten bei Jugendlichen, Autofahrern, Fußballspielern, Managern: Wer ist der Schnellste, hat das Teuerste, Modernste, Größte, Meiste. Erbärmlich!
Aber das Erbarmen, wie geht das mit dem Erbarmen, wenn dann auch noch einer kommt, dem es zur Darstellung seiner Superiorität bzw. zur Bewältigung seines Inferioritätsgefühls nicht genügt seine Taten sämtlich mit Superlativen1 – „I will be the greatest job president that God ever created.“ – zu schmücken – „I’m the most militaristic person ever.“ -, sondern die unerhörte  Herrlichkeit seiner Person  – „Nobody builds walls better than me.“ – trotz Overkill, also der bereits bestehenden Möglichkeit, alle Menschen auszulöschen, ableiten möchte aus der immer weiter wachsenden Menge der Vernichtungswaffen, über die er verfügt?

  1. http://www.nationalreview.com/article/423003/trumps-superlatives-mark-antonio-wright vgl. auch http://www.washingtontimes.com/news/2017/feb/23/donald-trumps-speech-features-superlatives und http://www.huffingtonpost.com/entry/donald-trump-best-most-only_us_56f0a08ee4b03a640a6b7380 []