Adelsstolz kurz mal durchlaucht

Krempelhuber ist trotz Umfang von immerhin zwölf Buchstaben kein schöner Name; auch ein „von“ vor dem Krempelhuber vermag dem nicht abzuhelfen. Dagegen kann sich der wahre Adel mit exquisit langen und rhythmisch klingenden Namen schmücken. Das ist gewiss ganz, ganz wunderschön, hat aber, was sich die Neider – und die, die sich einen Adelstitel kaufen wollen – meist nicht klar machen, auch Nachteile. So muss der Hochgeborene beim Druck, z.B. von Traueranzeigen, schon einige Euros auf den Tisch legen, wenn da dann etwa eine Elisabeth Maria von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf betrauert werden soll  von einem Hubertus Reginald von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Margarete Amalie von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und außerdem auch noch von einem Sebastian Heribald von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Charlotte Emilie von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und auch von Hermann Frederik von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Katharina Hildegard von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf. Wer nur Otto Meier beklagen muss, macht sich keine Vorstellung von den Kosten. Aber weil ein Edler oft auch heute noch über größere Mengen seines einst zusammengeraubten Vermögens verfügt, so wird er natürlich nicht zu klein und materialistisch denken. Denn ökonomisch gehört er ja wohl immerhin wie die Grafen Lambsdorf und Merz zumindest zur gehobenen Mittelschicht.

Dass Streikende so böse sein können …

Da streikt doch tatsächlich das Sicherheitspersonal auf den deutschen Flughäfen – in Form von Warnstreiks. Warum? Na, immer derselbe Mist: Alle wollen mehr Geld verdienen. Das kann der Präsident des Arbeitgeberverbandes UVNord, Wachholtz, nicht gut vertragen. Denn wenn das Personal streikt, dann, das weiß er aus langer Erfahrung, hat das zur Folge, dass die potenziellen Fluggäste nicht fliegen können. Das aber ist für sie gar nicht schön, denn sie würden – das wünschen sie doch von ganzem Herzen – gerne fliegen. Empört nannte er das beispiellose Vorgehen der Streikenden daher einen ,bewussten (!) Angriff auf die Mobilität tausender Fluggäste‘ und verwies zudem auf ,einen massiven volkswirtschaftlichen Schaden‘.1 Donnerwetter! „Holzauge, sei wachsam!“ Der Mann heißt zu Recht Wachholtz. Es hat es nämlich erkannt: Es sind wirklich rücksichtslose Menschen, die Streikenden!

  1. https://www.ndr.de/info/nachrichten313_con-19x01x15x07y45.html []

Kurzer Sinn

„Meine lieben Toren sind hübsch feist und rund und wohlgepflegt, wie die appetitlichsten Mastschweinchen“, spricht die Torheit.1 Richtig.
„Durchmustert den ganzen Himmel, und jeder Esel soll mich eine Närrin schelten, wenn ihr einen einzigen netten und liebenswürdigen Gott dort auftreibt, der sein gewinnendes Wesen nicht mir verdankt“, spricht die Torheit.
Naja. Aber es geht, wie immer, um die Mitte. Strohdumm ist zu blöde. Mitteldoof ist geil. Sehen wir sie uns an, die gewinnbringenden Talkmaster, Moderatoren, Politmasken, die Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhard, Pflaume, Pilawa, Scheuer, Dobrindt usw. … Haben sie nicht Karriere gemacht – trotzdem oder vielmehr deswegen?
In Hamburg – wo nicht? – gibt es Radiosender …   für Doofe. Einer dieser Sender heißt „NDR 90,3“. Sein Niveau ist so niedrig, dass er auch das Landesprogramm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das „Hamburg Journal“, gestalten darf. Den Privaten haben sie die Maxime abgelauscht: Je niedriger das Niveau, desto höher die Quote.
Der Chef des Senders Hendrik Lünenborg hat sich nun erlaubt, beim NDR einen Kommentar zum Dieselfahrverbot in Hamburg zu veröffentlichen2. Mutig und volksnah – endlich mal einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt – , argumentiert‘ er gegen die Fahrverbote, die er als „Symbolpolitik ohne echten Nutzen“, kurz als „Schildbürgerstreich“ entlarvt.

  1. Ersamus Lob der Torheit []
  2. https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Diesel-Fahrverbot-Symbolpolitik-ohne-Nutzen,hamburgkommentar252.html []
  3. Ob dieser Grenzwert niedriger oder höher liegen sollte, ist eine andere Frage. []

Höckeland

Die PIS in Polen ist eine Partei der rechten Rattenfänger. Vorbild von Kaczynskis Partei ist nach eigenen Angaben Marschall Piłsudski, ehemaliger Sozialist, der von 1926 bis zu seinem Tod 1935 in Polen eine, wie er es nannte, „moralische Diktatur“1 errichtete. Die PIS strebt ein autoritäres Regime an, versucht Medien und Justiz sich gefügig zu machen, und sie setzt auf ein entschiedenes Eintreten für die sozial Schwachen. Anders als bisher die deutschen Rechtsaußen von der AfD, die jedoch angeblich neuerdings von den „Linken“ die sozialpolitischen Forderungen abschreiben wollen. Gewählt wurde die PIS anscheinend nicht wegen ihrer autoritären Anmaßungen, sondern
weil sie das Renteneintrittsalter wieder gesenkt hat, das die liberale Vorgängerregierung auf 67 Jahre erhöht hatte,
weil sie Kindergeld für Bedürftige eingeführt hat,
weil sie ein Wohnungsbauprogramm plant für günstige Mietwohnungen, die nach 20 Jahren in das Eigentum treuer Mieter übergehen sollen,
weil sie die sogenannten Reprivatisierungen rückgängig gemacht hat, mit denen ihre Vorgänger, die Liberalen, kommunistische Enteignungen, vor allem Sozialwohnungen den angeblich ursprünglichen Besitzern zurückerstattet hatten, wodurch die Mieter nicht nur ihre preiswerten Mieten verloren, sondern vielfach gleich auf die Straße gesetzt worden waren,
weil sie – im Gegensatz zu ihren Vorgängern – die Steuerbetrugskartelle ernsthaft bekämpfen.
Man könnte, wenn man nicht Kahrs oder Müntefering heißt, zu zwei Erkenntnissen gelangen:
1. Mit entschiedenem Eintreten für die Armen und Schwachen gewinnt man tatsächlich Wahlen.
2. Wenn die deutsche Sozialdemokratie nicht schnell eine sozial(istisch)e Politik betreibt, gewinnen in Deutschland bald wieder National„sozialisten“.

  1. Das parlamentarische System wurde zwar nicht grundsätzlich abgeschafft, aber doch zunehmend ausgehöhlt, die Parteien wurden nicht verboten, aber in ihrem Handlungsspielraum stark eingeschränkt. Wahlen wurden manipuliert, politische Gegner und Vertreter von Minderheiten verfolgt, wer sich der Politik der „Sanacja“ (Gesundung) entgegenstellte, wurde ausgeschaltet. []